Sonstiges

QR-Codes waren gestern. Hier kommt der Touchcode.

Der Mobile World Congress ist seit Freitag beendet. Bevor auch die letzten Ausläufer der Mobilfunkmesse im allgemeinen CeBIT-Rauschen untergegangen sind, ist es geradezu meine Pflicht, euch noch „Touchcode“ vorzustellen. Vielleicht hat der ein oder andere Freund der Springer-Presse bereits davon gehört, denn die von dem Chemnitzer Start-Up Printechnologics entwickelte Schnittstelle zwischen Digital- und Papierwelt kommt dort schon vereinzelt zur Anwendung. Mir war das Konzept aber zuvor völlig unbekannt.

Worum geht es? So viel sei schon einmal gesagt: Die sogenannten Touchcodes haben nichts mit den üblichen visuellen QR-Codes zu tun, die sich etwa per Smartphone-Kamera auslesen lassen. Auch die Themen NFC, RFID oder Bluetooth spielen hier keine Rolle. Das Prinzip ist ein völlig anderes. Ein Touchcode ist eine nicht sichtbare leitfähige Struktur, die sich mittels spezieller Druckverfahren auf normales Papier drucken lässt – etwa auf ein Konzertticket. Legt man dieses anschließend auf das Multitouch-Display eines Smartphones oder Tablet-PCs, wird in Verbindung mit einer passenden App eine vordefinierte Aktion ausgelöst – beispielsweise ein Musikstück abgespielt.

Anwendungen sind noch rar

„Passend“ meint in diesem Zusammenhang aber lediglich, dass die App in der Lage sein muss, den Datencode auszulesen. Hierfür obliegt es dem Entwickler, eine Art Software-Schnipsel in den Quellcode seiner App zu integrieren und die gewünschte Aktion festzulegen. Dies kann vieles sein: der Abruf eines Links, der Aufruf eines Videos, die Freischaltung eines Downloads oder einer Funktion. Dafür bietet Printechnologics ein Software Development Kit (SDK), das derzeit für iOS sowie ab April für Android erhältlich ist. Weitere Plattformen sollen eventuell folgen. Davon abgesehen ist die Technologie aber prinzipiell zu jedem Gerät mit Multitouch-Display kompatibel.

Doch wo liegen nun konkret die Vorteile gegenüber herkömmlichen QR-Codes? Genau das habe ich Printechnologics-Gründer Sascha Voigt auf dem MWC gefragt. Seine Antwort lässt sich in drei Schlagworten zusammenfassen: unsichtbar, nicht kopierbar und intuitiv nutzbar. So lassen sich Touchcodes nicht nur in jedes Design integrieren und einfach abrufen, sondern sie sind auch fälschungssicher. Wer es mit seinem iPhone mal ausprobieren mag, kann sich auf der Touchcode-Homepage übrigens ein Testkit bestellen.

Reale Anwendungen sind allerdings noch rar. Vorreiter in Deutschland ist hier der Springer-Verlag, der Käufern der „Welt am Sonntag“ auf diese Weise bereits Zugang zu einer ePaper-Ausgabe des ICON-Magazins – ICONIST – gewährte und die Touchcodes künftig in weiteren Bereichen einsetzen will. Ein Video zeigt, wie das im Einzelnen funktioniert.

Herstellern von Spiele-Apps bietet die Technik zudem völlig neue Einnahmemöglichkeiten. So lassen sich etwa Freischaltcodes für Zusatz-Features oder Add-ons einfach auf simple bunte Papierkarten drucken und neben anderen Sammelkarten für kleines Geld am Kiosk verkaufen. Dafür sind auch Eltern viel empfänglicher. Im Gegensatz zu virtuellen Gütern oder Downloads kennen sie das Prinzip der Sammelkarte oftmals noch aus ihrer eigenen Kindheit und dürften daher eher geneigt sein, dem Drängen des Kindes nachzugeben.

Großer Anklang in Marketing- und Werbebranche

Erste Spiele, die sich diese Möglichkeiten zunutze machen, sind bereits in den USA für das iPad erhältlich – etwa „Animal Planet“ oder „Monsterology“. Hier kosten drei „NOKU“-Karten mit zusätzlichen Tieren oder Monstern 1,99 Dollar. Für Hersteller Nukotoys könnte das Konzept so schnell zur Goldgrube werden. Auch eine erste Auszeichnung konnte das US-Unternehmen auf der New Yorker Spielzeugmesse bereits einheimsen: den Parenting Magazine’s „Best in Play“-Award.

Besonders großen Anklang findet das Konzept laut Voigt zudem in der Marketing- und Werbebranche. Hier seien ebenfalls in Kürze erste Anwendungen zu erwarten. Und das dürfte nur der Anfang sein. Womöglich löst der Touchcode seinen QR-Bruder bald an vielen Stellen ab. Sascha Voigt gab sich in punkto Zukunftsaussichten jedenfalls äußerst optimistisch: „Derzeit rennen uns die Interessenten die Bude ein.“ Bleibt nur noch zu sagen: Zu Recht.

(Christian Wolf)

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Über den Autor

Christian Wolf

Christian Wolf wird am Telefon oft mit "Wulff" angesprochen, obwohl er niemals Bundespräsident war und rast gerne mit seinem Fahrrad durch Köln. Er hat von 2011 bis 2014 für BASIC thinking geschrieben.

21 Kommentare

  • Interessant. Wieviele Touchpoints muss so ein Multitouchdisplay (bzw. das OS) denn unterstützen?
    Ich gehe mal davon aus, dass der Code durch eine bestimmte Anzahl an „leitfähigen Punkten“ an bestimmten Positionen mit bestimmten Abstand zueinander definiert wird?

  • Jetzt weiß die große Mehrheit der Bevölkerung noch nicht einmal was ein QR Code ist (bitte nicht von Euch auf alle schließen). Jetzt langsam beginnt der begriff QR Codes und deren nutzen eine breitere Öffentlichkeit zu kommen und schon kommen wieder was neues.

    Ich will ja nicht immer gegen alles neue sein, aber ich frage mich doch warum immer wieder „eine neue Sau durchs Dorf getrieben werden muss?“.

    Die Technik soll dem Menschen dienen und nicht umgekehrt!

    Mit andere Worten, nicht alles was technisch möglich ist, ist auch erstrebenswert!

  • @ Peter: Nunja, ich denke beide Formen haben ihre Berechtigung und werden je nach Einsatzgebiet dominieren. Ein Touchcode dürfte sich kaum für „feststehende“ Träger wie Plakate eignen. Hier bleibt der QR-Code vermutlich führend. Auf der Tütensuppe hingegen wäre eher der Touchcode im Vorteil, da er nicht das Design stört und „keinen“ Platz verbraucht.

    Wir werden es sehen. 🙂

  • Meiner Meinung nach ist dies ein sehr interessantes Thema für die Zukunft. Insbesondere wie oben skizziert in der Spiele- und Unterhaltungsbranche oder allgemein als kleines Extra zu den klassischen (auslaufenden) Druckmedien.

    Allerdings glaube ich, dass QR-Codes nicht von den Touchpoints verdrängt werden, sondern beide nebeneinander existieren werden.
    Touchpoints für höherwertige Extras und die QR-Codes weiterhin im klassischen Marketingeinsatz. Von den Herstellungskosten wird der Touchpoint außerdem wohl nie die QR-Codes erreichen; da diese quasi nur als einfache Grafik ins Layout übernommen werden.

    Zudem könnte ich mir auch nicht vorstellen mein Smartphone auf ein Werbeplakat zu legen.

  • Verstehe ich das richtig? Anstatt den QR-Code mit der Handykamera abzufotografieren, ziehe ich bei der Technik die Tüte(nsuppe) übers Display?!
    Ok, interessante Technik, aber wo liegt der Vorteil? Schlechte Lichtverhältnisse? 😉

  • Ich finde dies enorm innovativ.
    Meine Meinung nach wird sich ides durchsetzen, denn
    1. Schaut ein QR-Code dämlich aus.
    2. Ist dies wesentlich natürlicher.

  • Boar ich bin gerade total begeistert von der Technik …

    Die Möglichkeiten die mir ganz spontan einfallen.

    Meine Oma nimmt sich einfach eine Karte mit dieser Technik wo das Bild ihrer Goldenen Hochzeit drauf ist und legt es aufs iPad und co. und es startet die Fotoserie automatisch. Das geht auch mit zittrigen Händen.
    Oder sie nimmt die Karte wo ihr UrEnkel drauf ist und es startet der Videoanruf…
    Es ist sozusagen ein Offline Desktop-Shortcut der einfach zu bedienen ist.. das ist der QR-Code nicht..

    In der Küche .. Die Verpackung stellt automatisch die Zeit und die Koch-/Backtemperatur ein.

    Oder ich kaufe bei Mediamarkt einfach ein „Video“ und bezahle dort und lege es Zuhause einfach auf das „Lesegerät“wo heute noch der DVD-Player bzw. das Mediacenter steht und sofort geht das Video los… kein Überlegen ob die Daten via GoogleTV, AppleTV, netflix, maxdome oder sonst wenn geliefert werden…
    Wenn ich es in einem Jahr noch mal anschauen will dann leg ich es eben wieder rauf…

    Endlich eine Technik die die Technik in den Hintergrund treten läßt.

  • das ist super interessant…je mehr ich darüber nachdenke, ist die direkte Verknüpfung von Off- und Online die Zukunft ist…

    das beginnt bei direkt einlesbaren Visitenkarten, geht über on/offline (Brett-)spiele bis hin zu FernOPs…

    super spannend und der logische nächste Schritt..

    Dan

  • hr hr hr, alleine, als ich schon wieder das Wort Kopierschutz gelesen habe, mußte ich lauthals lachen.

    Mal ganz ehrlich:
    bisher kenne ich noch KEINEN Kopierschutz, der auch wirklich hält, was er verspricht…

  • QR-Codes werden neuerdings stumpf in die klassische Kommunikation eingestempelt, selbst bei kaum vorhandener Akzeptanz der User. Wenn es um die Vernetzung von Offline zu Online geht, und da werden QR-Codes heute in großem Anteil eingesetzt, gibt heute aber bessere – weil intuitivere – Systeme, die ohne Codes auskommen. Schauen Sie rein: http://www.brandcapture.org/

  • Hallo Zusammen!
    ich finde schon das die QR-Codes akzeptiert werden. Noch kennen sich vielleicht zu wenige damit aus, aber das ändert sich auch je öfter der Code zum einsatz kommt. Und die ganzen anderen Technologiensind vielleicht interessant, aber meiner Meinung nach einfach noch zu unausgereift für den Massenmarkt. In 5-10 Jahren sieht das Ganze bestimmt auch wieder anders aus.

    Im Rahmen meiner Masterarbeit habe ich eine Nutzerumfrage erstellt. Damit diese auch repräsentativ wird, brauche ich jede Menge Teilnehmer die selbstverständlich anonym den Fragebogen ausfüllen.
    Ihr würde mir damit einen großen Gefallen tun.

    der Link : http://facit-digital.3uu.de/uc/projektleiter/b7db/

    Liebe Grüße

    Und vielen Dank für eure Hilfe!

  • „Ein Touchcode dürfte sich kaum für “feststehende” Träger wie Plakate eignen. Hier bleibt der QR-Code vermutlich führend. Auf der Tütensuppe hingegen wäre eher der Touchcode im Vorteil, da er nicht das Design stört und “keinen” Platz verbraucht.“

    Tja, bis auf den Hinweis, dass die Tüte eine Touchfunktion hat, wo man die zu suchen hat und vielleicht auch, wie die anzuwenden ist. Schließlich ist das Verfahren ja „unsichtbar“… Da ist das QR-Code-Prinzip wesentlich intuitiver. Entweder man kennt dieses sonderbare Zeichen oder halt nicht.

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