Tatort ohne Auflösung: Mördersuche im Internet und interaktives Fernsehen, zweiter Versuch

Jürgen Vielmeier

Sonntagsabends war bisher auf zwei Dinge Verlass: Auf dem Ersten kommt (fast immer) ein „Tatort“ und am Schluss erfährt der Zuschauer, wer der Mörder ist. Muss so sein, damit der Durchschnittsdeutsche am Montag frisch und ausgeglichen in die neue Woche starten kann. Gestern Abend aber war alles anders: Der „Tatort“ endet, aber den Mörder müssen die Nutzer selbst ermitteln, und zwar im Internet.

Der SWR hat das Ende des Ludwigshafener Tatorts offen gelassen. Im Web findet sich ein Spiel im Stile eines Adventures, auf dem der geneigte Zuschauer Beweise sichten, Zeugen befragen und am Ende raten muss, wer der Täter ist. Auf Twitter oder Facebook kann man sich mit anderen Nutzern austauschen und gemeinsam ermitteln. Die Geschichte der gestrigen Folge, die man sich auf YouTube noch einmal anschauen kann: Kommissarin Linda Odenthal wird von fünf Jugendlichen entführt, die einen Mord begangen haben. Nur: Welcher von ihnen war’s?

Spielsteuerung leider sehr träge

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Das ist eigentlich eine schöne Idee des interaktiven Fernsehens. Technisch scheint es aber Probleme zu geben. Das Spiel hat zumindest zur Stunde sehr hohe Lade- und Reaktionszeiten. Im Chrome-Browser sind einige Funktionen des Spiels nicht zu benutzen, im Firefox braucht jede einzelne Tätigkeit wie Spurensuche, Abhören des Anrufbeantworters oder Öffnen von Schranktüren Sekunden. Immer wieder friert der Bildschirm ein. Der Server scheint hoffnungslos überlastet zu sein, das Spiel ist so kaum spielbar. Schade.

Nächster Versuch: die Rundshow

Aber immerhin: der Versuch ist aller Ehren wert, und mir gefällt die Botschaft: Das Internet ist angekommen in einer von Deutschlands wichtigsten Wohnzimmerkonstanten. So richtig kann sich dem niemand mehr entziehen. Andere werden den „Second Screen“ bejubeln: Zuschauer gucken nicht mehr bloß Fernsehen, sondern gehen nebenbei ins Netz, idealerweise, um sich über das laufende Programm auszutauschen. Oder sogar, um es mitzubestimmen.

Hier startet heute Abend (leider erst um 23 Uhr) gleich ein weiteres Experiment netzaktiver Journalisten um Richard Gutjahr und Daniel Fiene: die Rundshow, ein neues Konzept für das interaktive Fernsehen. Der Zuschauer soll mitbestimmen können, was zu sehen ist und welche Themen aufgegriffen werden. Das alles sind nicht die ersten Experimente für interaktives Fernsehen, aber mutige neue Versuche. Ist der Zuschauer jetzt in Zeiten von Smartphones und Tablets endlich bereit dafür?

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(Jürgen Vielmeier, Bilder: SWR)

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Jürgen Vielmeier ist Journalist und Blogger seit 2001. Er lebt in Bonn, liebt das Rheinland und hat von 2010 bis 2012 über 1.500 Artikel auf BASIC thinking geschrieben.