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Stirb Langsam 5.0: Bruce Willis und der angebliche iTunes-Feldzug

Ärgert euch darüber oder lacht – die Entscheidung liegt bei euch. Die Idee, dass Actionstar Bruce Willis nach Terroristen und Aliens nun auch gegen Apple mit blutigem Hemd ins Feld ziehen könnte, klingt köstlich und filmreif. Und so nahmen viele Medien die Geschichte der Online-Ausgabe der britischen Boulevard-Zeitung „The Sun“ auf und schrieben ebenfalls Geschichten darüber, nach dem Motto: Chuck Norris Bruce Willis bekämpft Apple und iTunes noch über den Tod hinaus.

Laut der „Sun“ wolle Willis Apple verklagen, weil er sein iTunes-Konto nach momentanem Rechtsstand nicht an seine Familie weitervererben darf, wenn er stirbt. Seine Sammlung an Musik, Filmen und Büchern, für die er viel Geld ausgegeben hat, wäre nach seinem Tod für immer futsch. Apple würde das Konto einfrieren. Willis hätte andere Pläne damit, so die Sun. Er wolle es an seine Kinder weitervererben. Forbes etwa griff die Geschichte auf – und musste später kleinlaut zurückruderen. Nicht ohne den Hinweis darauf, dass Willis‘ „aktuelle“ (!) Ehefrau Emma Heming-Willis die Geschichte via Twitter als „unwahr“ einstufte. Wahrscheinlich ist da nichts dran.

Einfach das Passwort weitergeben?

Die Idee dürfte vielen Menschen dennoch gefallen. Actionheld gegen den teuersten Konzern der Welt. Ein Unternehmen der Unterhaltungsindustrie als der neue Oberbösewicht. Terroristen, die in blauen T-Shirts mit Obstaufdruck New York mit Digital Rights Management in die Knie zwingen wollen. „Bewahre deine digitale Freiheit oder Stirb Langsam“. Hätte was. In der Serie „Chuck“ etwa nahm es der Held schon einmal mit einem Computerkonzern und dessen brutalem Geschäftsführer auf, der verblüffende Ähnlichkeit mit einem gewissen Steve Jobs hatte (dargestellt von Chevy Chase). Stoff für einen Film also hätte das allemal.

Zwei Fragen bleiben: 1. Wie kommt die „Sun“ bloß darauf? Man zitiert einen Rechtansanwalt, der das generelle Problem anspricht, aber woher man die Absichtserklärung von Willis haben will – unklar. 2. Ist das Problem nicht immerhin doch wert, dass man drüber diskutiert? Kauft man sich CDs, Vinyl-Schallplatten, Bücher oder Blu-rays, kann man diese problemlos weitervererben. Rechtlich mag da der eine oder andere Unterhaltungskonzern zwar etwas gegen haben, machen können wird er bei physischen Datenträgern allerdings nicht viel. Bei digital gekauften Tonträgern, Filmen oder Büchern geht diese Investition verloren. Nach dem Ableben könnten Apple, Google, Amazon, Microsoft oder wer auch immer den Account sperren und fertig. Fraglich allerdings, ob das bei Nicht-Prominenten so strikt überprüft wird. Man teilt seinen Angehörigen das Passwort mit und gut is‘.

(Jürgen Vielmeier, Bild: Alan Light (CC BY))


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Über den Autor

Jürgen Vielmeier

Jürgen Vielmeier ist Journalist und Blogger seit 2001. Er lebt in Bonn, liebt das Rheinland und hat von 2010 bis 2012 über 1.500 Artikel auf BASIC thinking geschrieben.

18 Kommentare

  • Einfach als MP3 umwandeln lassen in iTunes und zack man kann es auch ohne iTunes abspielen. Wo ist das Problem?

    Ich vermute er wollte sich einfach nur mal absichern, wie das nach seinem Ableben ist. Dazu hat er jemanden gefragt und dabei fiel der Nebensatz „..zur Not muss ich meinen Anwalt fragen“.
    Wie das bei der „stillen Post“ so ist, werden Dinge verdreht und kommen neue hinzu.

  • Also ich hab auch gedacht gelesen zu haben, dass alles nur ein Fake sein soll. Vorstellen kann man es sich sonst ja fast nicht. Auf den Film selber kann man aber gespannt sein.

  • Ich kann das vollkommen nachvollziehen….wenn es denn tatsächlich keine Ente ist.
    Wer weiß, vielleicht hat sich Bruce im Laufe der letzten Jahre eine Millionen Dollar teure digitale Bibliothek aufgebaut…
    Da zieht sich schon mal jemand legal Musik und unterstützt damit die Künstler/Industrie und darf das dann nicht mal vererben!? Hätte er doch lieber auf Pirate Bay gesetzt! 😉

  • Ente hin oder her… die Idee dahinter find ich ganz interessant.
    Das Passwort weiterzugeben is erstmal ein logisischer Ansatz, aber diese Plattformen sind ja alle recht jung (iTunes gibt`s grade mal 11 Jahre), d.h. noch sind die Konten nicht alt genug, um unterstellen zu können, dass sie nicht mehr vom ursprünglichen Benutzer unterhalten werden könnten.
    Ich kann mir allerdings gut vorstellen, dass die Betreiber unsre Konten oder die Medien selbst mit einem „Verfallsdatum“ versehen, um so nochmal die ein oder andere Milliarde extra rauszukitzeln.

  • Theoretisch sollte man ja auch das Recht besitzen die Musik / Programme / Spiele weiterzuverkaufen oder zu verschenken, wie es mit echten Gütern möglich wäre… Schwieriges Thema, das hoffentlich irgendwann sinnvoll gelöst wird. In Zeiten von ACTA, etc. rechne ich jedoch nicht damit…

  • Die Story an sich ist ein fake.. wurde ja schon dementiert. Aber das Thema bleibt ja spannend. Was passiert nach meinem Tod mit meinen digitalen Gütern? Reale Dinge wie zB Bücher, DVDs und CDs kann ich weitergeben.

  • @Trauto: Ich bin sicher kein Apple Fanboy, aber dort funktioniert wenigstens alles.
    Mit Android ist das immer so eine Sache. Man hat zwar mehr Freiheiten, aber kann man diese auch wirklich nutzen?

  • Bruce Willis versucht wieder ins Rampenlicht zu kommen, schön 🙂 .. man hat ja lang nichts mehr von ihm gehört, und also bad PR is good PR.

    Verklagen scheint heutzutage in den USA auch ziemlich im Trend zu liegen, die Anwaltslobby freut sich 😉

  • Sachen gibt es, die kommen eben nicht nur aus Hollywood, sondern entspringen dem wahren Leben 😉
    Bruce Willis hätte ich mit Haaren fast nicht erkannt, hätte es nicht dran gestanden.

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