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Wir basteln uns eine deutsche Huffington Post

Vielleicht habt ihr es mitbekommen. Anlässlich des Starts der italienischen Ausgabe der Huffington Post nahm Gründerin Arianna Huffington laut einem Interview mit Reuters das Land ins Visier, das einmal das der Dichter und Denker war. Sprich: Nach U.K., Frankreich und eben jetzt Italien solle als nächstes eine Version der Huffington Post für Deutschland starten.

Ich habe lange überlegt, wie eine solche Regionalausgabe aussehen könnte. Ein großes Titelbild für den Aufmacher, klar. Schlagzeilen in Großbuchstaben. Darunter eine Kolumne, die zum Titelthema passt. Sport. Content, der so klingt, als wäre er abseits des Mainstreams und nicht in den Content-Fabriken der Verlagshäuser entstanden. In Italien gleich zum Start mit Werbung links und rechts. Das Verlagshaus Gruppo Espresso als Medienpartner, in Frankreich ist es Le Monde.

In Deutschland klingt das für mich wie eine Mischung aus dem neuen Design von Bild.de (tschuldigung, ich musste zu Demonstrationszwecken verlinken) mit dem Kooperationspartner „Süddeutsche Zeitung“. Dazu passen einige Meinungsartikel, die sich am ehesten auf Rivva wiederfinden, weil hier die meist gelesenen Blogs inklusive Spiegel Online auftauchen. Es müssen natürlich Themen vorkommen, die den Deutschen auch schmecken, weil sie entweder Angst machen, Sozialschmarotzer anprangern, mit dem iPhone zu tun haben oder uns versichern, dass Deutschland Wirtschaftsmotor Europas ist, uns der Laden aber praktisch jede Minute um die Ohren fliegen kann. Meinen ersten, aus der Hüfte geschossenen, Entwurf seht ihr oben. Nur kommt mir das etwas zu „Bild“-lastig vor. Die „Huffington Post“ mischt ja Bürger- mit alternativem oder seriösem Journalismus. Also eher so:

Das klingt so, als könne das nur irgendein Experte gesagt haben, und das ist in der Welt der Nachrichten immer gut. Fehlen natürlich noch ein paar wichtige Zutaten. Im deutschen Online-Journalismus geht nichts ohne Werbung. Mann muss ja Geld verdienen, weil auf den Konten der Verlagsbosse nichts ist. Und das bedeutet: Display-Werbung. Die muss dahin, wo sie niemanden stört jeder sehen kann. Das wird gerne so gemacht:

Der Layer verschwindet später an den Rand, wenn man lange genug nach dem versteckten x-Knopf gesucht hat. Dann sieht es so aus:

Fehlen noch Meinungen und Nutzergeneriertes. Sowas findet man in Deutschland eigentlich schon auf Rivva. Aber die HuffPo hat die Chance, hier neue Wege zu gehen. Für unser Beispiel rein damit:

Da fehlt noch etwas, sagt ihr? Richtig, der obligatorische Werbebanner zwischen Menü und Topthema. Monetarisierung geht vor. Und weil wir schonmal dabei sind: Oberhalb des Headers ist auch noch Platz. Voilà, das Endergebnis. Fertig ist die deutsche Huffington Post:

Alles drin, der Wichtigkeit nach sortiert: Werbung, Lokalisierung, brisante Themen, Shitstorm, Stadt am Ende. Die deutsche Huffington Post – so könnte sie aussehen. Wo da jetzt der Unterschied zu bisherigen Angeboten ist? Die große Schrift, das große Bild… Kann es kaum erwarten.

Bildmaterial und Themeninspiration (!) mit freundlicher Unterstützung von focus.de, bild.de, huffingtonpost.es, rivva.de, twicepix via flickr unter CC-Lizenz BY-SA 2.0, Weitergabe unter gleichen Bedingungen, wollt ihr ja immer alles genau wissen, und DHL. Sollte euch an diesem Text irgendetwas zynisch und sarkastisch vorkommen, seid euch sicher: das ist so gewollt.

Update, 28.9., 11:30 Uhr: Da hab ich der „Süddeutschen“ wohl Unrecht getan: Der „Tagesspiegel“ hat einige Insider-Infos, nachdem mehrere mögliche Medienpartner wie „Süddeutsche“ und „Spiegel Online“ vor einer Kooperation mit der HuffPo zurückschrecken. Grund: Das ganz ähnliche Angebot kannibalisiere die eigenen Umsätze. Na sowas…


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Über den Autor

Jürgen Vielmeier

Jürgen Vielmeier ist Journalist und Blogger seit 2001. Er lebt in Bonn, liebt das Rheinland und hat von 2010 bis 2012 über 1.500 Artikel auf BASIC thinking geschrieben.

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