Apple entschuldigt sich für Maps, empfiehlt Google, Bing und Nokia

Jürgen Vielmeier

Tja, das nennt man dann wohl einen historischen Moment: Apple-Chef Tim Cook veröffentlichte heute einen offenen Brief an seine Kunden. Darin entschuldigt er sich für die schlechte Performance des eigenen Kartendiensts Maps. Man habe den Anspruch, seinen Kunden die besten Produkte anzubieten, und diesen habe man bei Maps nicht erfüllt. Während man daran arbeite, die App zu verbessern, könnten iOS6-Nutzer es mit Alternativen versuchen: Bing, MapQuest und Waze aus dem AppStore, sowie Google Maps oder Nokia Maps in Form eines Lesezeichens auf dem Startbildschirm.

Einen Fehler eingestehen und gleichzeitig auf die Angebote der Konkurrenz verweisen? Nicht schlecht, Herr Specht. Ich kenne nicht viele Unternehmer, die das tun würden. Mehreren Quellen zu Folge hätte Apple die bisher fest integrierte Google-Maps-App noch ein Jahr lang nutzen können. Google wollte diese App allerdings angeblich nicht mit neuen Features wie einer sprachgesteuerten Navigation (turn-by-turn navigation) ausstatten. Cook wäre allerdings kein cleverer Manager, wenn er die Entschuldigung nicht mit ein paar Werbebotschaften garnieren würde: 100 Millionen iOS6-Nutzer hätten Zugriff auf Maps und eine halbe Milliarde Suchanfragen hätte es bereits in der gut einen Woche gegeben, in der die App zur Verfügung steht.

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Und zusätzlich dürfte Cook mit dem Eingeständnis sicher auch den Spott ein wenig abmildern, der seit Tagen auf Apple einprasselt. Nach dem Motto: Jetzt habt ihr alle euren Spaß gehabt, und damit ist’s auch gut. Als letzter durfte sich Motorola über Apple Maps lustig machen, wie ihr im Bild oben seht. Einige Apple-Blogs reagierten erbost, weil das dort dargestellte Beispiel schlecht gewählt sei. Unterdessen hat Google die Gunst der Stunde genutzt und Verbesserungen an Google Maps vorgestellt. So soll höher auflösendes Kartenmaterial jetzt in mehr als 100 Ländern der Welt zur Verfügung stehen. Einige neue Städte international erhalten zusätzlich eine bessere 45-Grad-Ansicht. In Deutschland ist hier Oberhausen (!) dabei. Noch bis Ende des Jahres will Google außerdem StreetView in der mobilen Maps-Website anzeigen können – die, wie von Cook vorgeschlagen, auch unter iOS funktioniert.

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Jürgen Vielmeier ist Journalist und Blogger seit 2001. Er lebt in Bonn, liebt das Rheinland und hat von 2010 bis 2012 über 1.500 Artikel auf BASIC thinking geschrieben.