Sonstiges Unternehmen

Für 50 Millionen Dollar: Yelp übernimmt Qype

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geschrieben von Adrian Bolz

Was tun, wenn wir mit unserer Geschäftsidee zwecks erfolgreicher Expansion den rechtzeitigen Einstieg in einer Region verpennt haben? Richtig. Wir kaufen den dort ansässigen Platzhirsch einfach auf und entledigen uns so der lästigen Konkurrenz.

Das gleiche Verfahren hat jetzt auch die amerikanische Bewertungsplattform Yelp angewendet. Wie das Unternehmen am Mittwoch in einer Pressemitteilung bekanntgegeben hat, wird sie ihr europäisches Pendant Qype für 50 Millionen Dollar übernehmen. Dabei war vor allem die starke Marktposition von Qype in Deutschland und Großbritannien ein ausschlaggebendes Kriterium für die Übernahme. Im Vergleich zu den exorbitanten Summen, die zuletzt für Übernahmen aufgebracht wurden, wirken die 50 Millionen Euro geradezu bescheiden. Gar realistisch?

Dreißig Prozent der Rezensionen werden auf mobilen Endgeräten verfasst. (hier Blackberry-Variante)

Zuletzt hatte Qype den Rivalen Yelp in Europa deutlich hinter sich gelassen. In den 13 Ländern, in denen Qype dort operiert, konnten die Hamburger monatlich rund 15 Millionen Besucher für sich verbuchen. Im gleichen Zeitraum wächst das Archiv um zwei Millionen neue Bewertungen. Monatlich werden auf den beiden Portalen fortan 93 Millionen Besucher rund 32 Millionen neue Bewertungen generieren. Eine stattliche Summe.

Die Übernahme soll laut Jeremy Stoppelman, CEO und Gründer von Yelp, behutsam gestaltet werden, um die User nicht zu verschrecken. Die Angebote sollen einander peu á peu angeglichen werden. Den Anfang macht Mobile.

Auch auf den mobilen Endgeräten ist die Qype-App in Europa mit vier Millionen installierten Anwendungen sechsmal häufiger vertreten als die Yelp-Variante. Ein nicht zu unterschätzender Faktor, werden doch rund 30 Prozent der Qype-Bewertungen mittels App angefertigt und ins Archiv eingespeist.

Qype hat sein Konzept jüngst modifiziert und mit QypeDeals das Groupons-Geschäftsmodell adaptiert. Mittels sogenannter “Qype Premium Bannern”  können Unternehmen zudem nach dem Baukastenprinzip individuelle Werbebanner erstellen und prominent auf der Qype-Homepage platzieren.

Qype-CEO Ian Brotherston

Der Erfolg wenigstens scheint dem Unternehmen recht zu geben: Seit vergangenem Jahr ist das Geschäft mit Werbung auf Qype um respektable 500 Prozent gewachsen, wie CEO Ian Brotherston Ingrid Lunden im Mai verraten hat.

Mit der Bekanntgabe der Übernahme verkündete Yelp auch die Umsatzzahlen für das dritte Quartal 2012. Demzufolge erwirtschaftete das Unternehmen bei 36,4 Millionen Dollar Umsatz ein Minus von 2 Millionen Dollar. Die nach der Übernahme deutlich verbesserte Ausgangsposition dürfte die Geschäftszahlen im vierten Quartal aber wieder beflügeln.

Ob sich die Übernahme für Yelp lohnen wird, bleibt abzuwarten. Auch wird sich zeigen müssen, wie „behutsam“ Yelp die Übernahme tatsächlich gestalten wird. Die User sind leicht zu verschrecken und nehmen Änderungen, sind sie auch vermeintlich unscheinbar, nur bedingt wohlwollend war. Im Zweifelsfall suchen sie sich eben Alternativen.

(Bilder: Qype)


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Über den Autor

Adrian Bolz

Adrian Bolz lebt und arbeitet als Online-Redakteur in Köln. Liebt neben den Weiten des Webs auch die Kultur – im weitesten Sinne. Adrian hat von 2012 bis 2013 für BASIC thinking geschrieben.

5 Kommentare

  • Ob sich das noch lohnt? Google versucht ja auch in letzter Zeit mehr und mehr den Qype-Traffic für sich zu behalten. Ohne die vielen Besucher von Google dürfte es auch schnell dunkel bei Qype werden.

  • bitte wenigstens zwei sätze mit eigener Meinung schreiben, ist echt nicht so schwer!
    bspw. Ja finde ich toll//Ich glaube nicht daran?

  • Ich sehe es wie Daniel. In Google Places sind Bewertungsmöglichkeiten vorhanden. Google wird diese Möglichkeit weiter ausbauen, dass solche Bewertungsportale unnötig werden, was sie ohnehin schon sind, da es auf solch gearteten Plattformen eh viel zu viele gefakten Bewertungen gibt. Die Inhaber loben ihre Läden, die Konkurrenz wertet sie ab. Selbst wenn alle Bewertungen echt wären, sind die Bewertungen im Laufe der Zeit unaktuell und verzerren das Bild, da die Geschäfte sich im Laufe der Zeit verschlechtern beziehungsweise verbessern können. Von diesen Portalen gibt es zudem viel zu viele, selbst wenn man die Nummer 1 kauft, wer sagt dass Google die Position nicht auch bald einnehmen kann? Soviele Leute sind dort nicht angemeldet, bei Google schon … und wenn man da eh schon eingeloggt ist, kann man auch da die Bewertung schreiben. 50 Millionen finde ich daher nicht gerade wenig, für eine Firma mit einem etwas wackeligen Geschäftsmodel. Ich sag nur Ciao & Co. Die Preisvergleiche hängen auch nur von den Suchergebnissen von Google ab!

  • Also ich finde es gut das es noch viele Bewertungsportale gibt, so kann man sich als Kunde unabhängiger informieren. Oft laufen wütende Kunden direkt bei Google Places auf und werfen ein einseitiges Licht auf ein Unternehmen, deshalb kann es gut und gerne noch ein – zwei Alternativen vertragen.

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