Angriff auf Apple – Google arbeitet an offener AirPlay-Alternative

Ehemalige BASIC thinking Autoren

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YouTube machte den Anfang. Seit letzter Woche können mit der Android-App des Dienstes Videos drahtlos genau so einfach an Google TV Devices gesendet werden, wie iOS-Geräte das im Zusammenspiel mit einem Apple TV erledigen. Erforderlich ist nur mehr ein simpler Tap auf das TV-Icon innerhalb der App. Einem Bericht des Online-Magazins GigaOm zufolge, soll das nur der Beginn einer breit angelegten Offensive gegen das Konkurrenzsystem aus Cupertino sein.

DLNA, AirPlay und was sonst noch so da ist

Bevor Apple-Jünger direkt wieder „Copycat“ rufen, wollen wir mal klar stellen, dass die Idee, Inhalte von einem Gerät auf ein anderes drahtlos zu übertragen, nicht auf Apples Innovationskraft beruht. Vielmehr gründete sich bereits 2003 die Non-Profit-Organisation DLNA, die genau diese Zielsetzung verfolgt und deren Mitgliederliste sich wie das Who Is Who der Tech-Branche liest. Auffällig abwesend ist lediglich Apple.

Leider ist es mit DLNA ebenso gelaufen, wie mit vielen anderen Initiativen der Wirtschaft. Man verzettelte sich, die gegenseitige Unterstützung war nicht groß genug. Eventuell wollte man auch zu viel auf einen Schlag. Immerhin gibt es heutzutage eine riesige Zahl DLNA-fähiger Geräte, allein, die gegenseitige Kompatibilität ist dermaßen schlecht, dass ein Zusammenspiel, schon gleich ein problemloses, nicht garantiert werden kann. Klar, dass die potenzielle Kundenschaft nicht, mit großen DLNA-Plakaten ausgestattet, die örtlichen Media-Märkte stürmt.

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Selbst wenn DLNA funktioniert, handelt es sich, bezogen auf den Anwendungsfall der Verbindung eines Smartphones oder Tablets mit einem HDTV lediglich um ein Mirroring. Das bedeutet, die Inhalte des gebenden Gerätes werden auf das nehmende Gerät gespiegelt. Beim Streaming von Medieninhalten, allen voran Videos, muss zudem sicher gestellt sein, dass die verwendeten Codecs auf beiden Geräten verfügbar sind.

AirPlay hingegen arbeitet ausschließlich mit Geräten seit iOS 4.2 zusammen und hat technisch mit DLNA nichts zu tun. Es werden komplett andere Protokolle verwendet. Insofern ist es zwar möglich, etwa per Android-App auf ein Apple TV zuzugreifen oder per iOS-App auf ein Google TV, nativ gibt es jedoch keine Unterstützung. Die beiden Technologien sind grundverschieden.

Beispiel für eine Dual-Screen-Anwendung mit AirPlay und Apple TV

Was bei AirPlay im Vergleich zu DLNA kein Problem darstellt, dürfte das größte Kaufargument sein. Die Verbindung zwischen den iOS-Geräten ist eine simple, dabei stabile Sache. DLNA hat viel mit Enthusiasmus und Frickelgenen zu tun. Zudem unterstützt AirPlay das Konzept des Dual Screen. Das bedeutet, dass das Smartphone oder Tablet während des Streamings etwa eines Spiels nicht lediglich gespiegelt wird. Vielmehr können sich beispielsweise bei einem Rennspiel auf dem Tablet die Bedienelemente nebst Tacho oder sonstigen Anzeigen befinden, während auf dem großen Fernseher der Blick aus der Windschutzscheibe dargestellt wird.

Verschiedene Hersteller aus dem Android-Umfeld haben daher auf der Basis von DLNA das Protokoll proprietär erweitert, so etwa HTC mit seinem Media Link und Samsung mit seinem All Share. Bei HTC sieht die Lösung dann theoretisch dem Ergebnis des AirPlay recht ähnlich. Auch der Dual Screen Modus ist umgesetzt. Der Haken: Das gilt nur für von HTC speziell angepasste Apps, der Rest wird lediglich gespiegelt. Weiterer Haken: Der Media Link von HTC arbeitet nur mit einigen wenigen Geräten aus HTCs Oberliga zusammen. Der Erfolg steht und fällt mit der Verbreitung dieser Geräte.

Nun will also Google das Feld aufrollen und die Vorteile eines offenen Protokolls wie DLNA mit den Vorteilen eines geschlossenen Systems wie AirPlay verbinden. Laut Google will man die gesamte Industrie einen Schritt weiter bringen. Es dürfte sich demnach nicht lediglich um eine Lösung für Geräte mit Google TV handeln.

Die Icons erinnern schwer an AirPlay

Das Projekt ist ambitioniert und soll sogar einen Rückkanal, mithin eine echte Zwei-Wege-Kommunikation bieten. Das würde über die derzeitigen Möglichkeiten von AirPlay hinaus gehen. Dass das Unternehmen aus Mountain View in der Lage ist, die Kernfunktionalität von AirPlay sauber abzubilden, zeigt die bereits erwähnte YouTube-App für Android, die so nah am AirPlay-Standard ist, dass es mich wundern würde, wenn es da nicht zu einer Klage käme. Die Fruchtigen aus Cupertino sind bekanntlich nicht zimperlich in diesen Dingen.

Zur Roadmap lässt sich derzeit keine Aussage treffen. Nach Informationen von GigaOm arbeitet Google „intensiv mit verschiedenen Partnern an der Integration für verschiedene Apps und Plattformen“. Wann es soweit sein wird, dass wir echte Produkte käuflich erwerben können, ist unklar. Wenn es nach mir ginge: Rather sooner, than later!

(Dieter Petereit)

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Dieses Posting wurde von einem Blogger geschrieben, der nicht mehr für BASIC thinking aktiv ist.