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iPhone Apps for free – wie eine chinesische Firma das Jailbreak-Verfahren aushebelt

kuaiyong weibo
geschrieben von Felix

Auf der chinesischen Seite 7659 kann man sich kostenpflichtige Programme aus Apples App Store ganz umsonst herunterladen. Kuaiyong, das dahinter stehende Unternehmen, hat eine Methode entwickelt, die das Installieren der Apps auch ohne Jailbreak möglich macht. Kuaiyong macht auch gar keinen Hehl daraus. Im Gegenteil. Es sieht sein Angebot als Dienst für technisch unbedarfte Nutzer. Gegenwärtig ist das Angebot aber nur von China aus verfügbar. Apple hat bislang nicht offiziell dazu Stellung genommen. Viele spekulieren, dass der Dienst noch nicht abgeschaltet wurde, weil es Apple unternehmenspolitisch in China aktuell nicht ganz leicht hat.

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„Bulk enterprise Licensing“

Es hat ein bisschen was von technischen Taschenspielertricks wie 7659.com die Piraterie-Sperren aushebelt. Es nutzt Apples App-Distributionssystem für Unternehmen. Das soll normalerweise größeren Unternehmen ermöglichen, interne Apps für ihre Mitarbeiter bereitzustellen. KuaiYong hat offenbar eine solche Lizenz und kann so die Apps an die Nutzer weitergeben, ohne dass diese ihr iPhone jailbreaken müssten. 5 Millionen Nutzer hat KuaiYong mittlerweile, ganz schön viele „Mitarbeiter“ also.

Neu ist das alles nicht. Bereits im Juni letzten Jahres wurde eine Beta-Version der App veröffentlicht. Die schien jedoch lange nicht auf dem Radar der Blog- und Newsseiten zu erscheinen. Vor allem weil sie nur auf Chinesisch verfügbar ist. Anfang des Jahres berichteten schließlich einige englischsprachige Seiten. Und diese spekulierten bereits damals schon, wann Apple wohl etwas gegen das Angebot unternehmen wird. Bislang ist davon nichts zu sehen.

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Die Unschuld vom Lande

Wer 7659 von Deutschland aus ansteuert, wird durch Geolocation-Erkennung auf die Kuaiyong-Seite umgeleitet. Von China aus dient sie als eine Art Front-End für die Download-App. Direkt auf der Seite wird eine ganze Bandbreite von Apps angeboten. Final Fantasy V oder Badlands beispielsweise; umsonst versteht sich.

Kuaiyong hat zu dem ganzen Geschehen naheliegender Weise einen eigenen Standpunkt. Laut einer Mitteilung des Unternehmens sind viele Nutzer in China nicht mit iTunes vertraut. Kuaiyong sieht es deshalb als seine Aufgabe, zu einer „bequemen und angenehmen iOS-Erfahrung“ beizutragen. Seit der Einführung der Software sei die Jailbreak-Quote in China schließlich deutlich von 60 auf 30 Prozent gesunken, so das Unternehmen. Backup- und Recovery-Features sollen bald folgen. Hinter Kuaiyon verbirgt sich, Recherchen von Venturebeat zufolge, das in Beijing ansässige Unternehmen YouRanTianDi Technology Co Ltd.

kuaiyong announcement

Worauf wartet Apple?

Es ist schwer zu glauben, dass Apple nicht herausfinden kann, welches Unternehmens-Account Lizenzen an fünf Millionen „Mitarbeiter“ verteilt. Bislang äußert sich Apple zu den Vorgängen nicht, der falsche App-Store ist aber sicherlich nicht im Interesse des Erfinders.

In China hat Apple vor allem PR-mäßig aktuell nicht viel zu lachen. Erst Anfang des Monats hat sich Tim Cook bei chinesischen Nutzern entschuldigt. Die Staatsmedien hatten zuvor Apple beschuldigt, in China schlechtere Garantiekonditionen als in anderen Ländern zu gewähren. Außerdem untersuchen die Behörden gerade, ob Apple für die Verbreitung pornographischen Inhalts in China verantwortlich ist. Ausgerechnet Apple.

Die Vermutung liegt also nahe, dass Apple das Thema besonders sensibel angeht. Sicherlich ist das Unternehmen auch nicht blind, was die Realität in asiatischen Technikmärkten angeht: Jailbreaks und illegale Software sind die Regel. Am einfachsten wäre es für Apple vermutlich, noch etwas abzuwarten, um dann nach Möglichkeit dem Angebot von Kuaiyong einen Riegel vorzuschieben.

Bilder: kuaiyongapple (Weibo), 7659


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Über den Autor

Felix

Internetabhängiger der ersten Generation, begeistert sich für Netzpolitik, Medien, Wirtschaft und für alles, was er sonst so findet. Außerdem ist er ein notorisches Spielkind und hält seine Freunde in der „echten Welt“ für unverzichtbar.

6 Kommentare

  • Wenn sie eine dieser Seiten Verbieten lassen, entstehen bekanntlich meist 10 Neue, zudem gibt es erst die große mediale Aufmerksamkeit für diese Angebote.
    Daher wäre es sicher für Apple ratsamer die „Lücke“ in ihrem iOS zu Schließen welche so etwas Ermöglicht.

  • @Mika. B:
    Genau hier liegt das Problem. Es ist keine Lücke.

    Grosse Firmen können ein Zertifikat erwerben (bei Apple) mit der ist es möglich beliebt Apps zu installieren die nicht vom AppStore kommen.
    So können Firmen Internet Tools/Apps installieren. Apple kann dir Funktion also nicht ausschalten da sonst auch andere Seriöse Firmen davon betroffen sind.

    Sie können aber das Zertifikat einziehen und der besagten Firma keins mehr ausstellen.

  • @ weissertiger2
    thx, dann halt so , sollte ja für Apple dann kein Problem sein
    Andererseits geht vielleicht auch Apple nach dem alten Bill Gates Spruch „Ich sehe lieber eine illegale Version von Windows…..“
    Schließlich gibt es in China einen Markt zu Erobern und da waren die Mittel schon immer den Zweck untergeordnet.

  • Ha – da könnte natürlich was dran sein – habe gerade schmunzeln müssen als ich den Bill Gates Spruch von Mika nochmal gelesen habe… – dieser riesen Markt China wird vermutlich für Apple derzeit noch zu wenig einsicht bieten – und damit werden sie zunächst verharren und die Dinge betrachten

  • Da möchte ich nur dazu sagen dass ich das echt Mies finde. Die betroffenen Softwareentwickler gehen leer aus wenn man ihre Apps nutzt sie aber nicht legal kauft.

  • @Jürgen

    Nunja das stimmt,
    aber nur Vorerst denn auch sie sind sicher aus eigenen Interesse an guten Marktanteilen im chinesischen Markt für das iPhone Interessiert. Irgendwann wird sicher Apple Einschreiten in der Hoffnung auch für die App Entwickler das dann aus illegalen, legale Kunden werden und sie ihre gewonnenen Marktanteile behalten.

    @Ben Mueller
    zwar etwas „Offtropic“ aber mir ist da neulich ein besonderes „Bill Gates Schmankerl“ zum Schmunzeln untergekommen
    Hello, I’m Bill Gates, Chairman of Microsoft: youtu.be/pyg-DYm7b0A

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