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Amazon startet den Serienangriff

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Amazon hat mit seinen hauseigenen Filmstudios insgesamt 14 Serienpiloten entwickelt, die derzeit über Amazon Instant Video und Lovefilm getestet werden. Ob Amazon mit dem „House of Cards“-Effekt Erfolg hat?

House of Cards ist ein PR-Erfolg

Die letzten Wochen und Monate dürfte Amazon-CEO Jeff Bezos etwas neidisch auf Netflix gewesen sein. Mit „House of Cards“ hat der VoD-Pionier einen großen Hit gelandet. Die Show hat hervorragende Kritiken erhalten, wird für den Emmy gehandelt und hat Netflix weiteres Wachstum beschert – auch wenn der direkte Effekt auf das Nutzerwachstum laut Netflix-CEO Reed Hastings eher verhalten war.

Doch Amazon will Netflix folgen und pilotiert nun 14 halbstündige Serien, darunter acht Comedy-Serien für Erwachsene und sechs Shows für Kinder. Die Piloten sind über Amazon Instant Video in den USA verfügbar, in England und Deutschland können Lovefilm-Kunden die ersten Folgen kostenlos sehen. Je nachdem, ob der Pilot von den Usern angenommen wird, soll eine ganze Staffel produziert werden.

Amazon stellt den User in den Vordergrund

Die Vorgehensweise passt in Amazons Strategie, datengestützte Entscheidungen zu treffen und den User somit in den Vordergrund zu stellen. Doch auch wenn ich keine Folge komplett gesehen habe, ist fraglich, ob Amazon einen Hit wie Netflix landen kann.

Das liegt vor allem daran, dass die Strategie von Netflix war, die gesamte Aufmerksamkeit auf ein neues hochkarätiges Projekt zu lenken – inklusive David Fincher als Regisseur und Kevin Spacey als Hauptdarsteller.

Die 14 neuen Shows von Amazon müssen sich nun aber die Aufmerksamkeit teilen und darüber hinaus ohne große Namen auskommen. Die Show mit dem wohl größten Potential dürfte „Zombieland“ sein, ein TV-Spin-Off der gleichnamigen Komödie von Regisseur Jesse Eisenberg (u. a. The Social Network) und Emma Stone.

Übliches Budget, schlechte Produktionsqualität

Doch der Trailer wird bei YouTube bislang eher schlecht bewertet – auch mich hat die Vorschau nicht wirklich überzeugt. Vor allem wird kritisiert, dass es sich um einen komplett neuen Cast handelt und die Produktionsqualität nicht wirklich atemberaubend ist. Das Budget der Shows soll laut Amazon Studios-Direktor Roy Price allerdings im Rahmen normaler halbstündigen Serien im Kabelfernsehen liegen.

Auch wenn ich die Strategie durchaus nachvollziehen kann, quasi nach Video Views zu entscheiden, welcher Pilot weitergedreht werden soll, ruft das in mir gemischte Gefühle hervor. Zwar sind Pilot-Sendungen ein absolut probates Mittel in der TV- und Filmlandschaft, doch in diesem Fall hat das für mich den Anschein nach einer Wursttheke, wo der User sich den tollsten Brotaufstrich selbst aussuchen soll. Vertrauen in die eigenen Inhalte sieht anders aus.

Crowdsourcing spart Geld

Immerhin muss man Amazon zu Gute halten, dass aus insgesamt 4.000 Vorschlägen 14 Piloten ausgewählt worden sind und man mit dem „User-Voting“ Kosten spart. Die vorgeschlagenen Skripte kamen übrigens sowohl von Usern als auch professionellen Autoren und wurden unter anderem durch Crowdsourcing bewertet und ausgewählt.

Auch wenn ich es sehr begrüße, dass immer mehr Internetunternehmen selbst zum TV-Produzenten werden und Shows in Auftrag geben, bezweifle ich, dass Amazon hier der große Hit gelingen wird. Netflix’ Strategie mit einer Premium-Show war zwar deutlich riskanter, zahlt sich nun aber auch enorm aus: Der Aktienkurs schoss nach Veröffentlichung der jüngsten Quartalszahlen um 19 Prozent in die Höhe.

Bild: Amazon


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Über den Autor

Robert Vossen

Robert Vossen hat erst Los Angeles den Rücken gekehrt und dann leider auch BASIC thinking. Von 2012 bis 2013 hat er über 300 Artikel hier veröffentlicht.

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