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BlackBerry-CEO schaut in die Zukunft und prognostiziert den Tablet-Tod in fünf Jahren

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geschrieben von Robert Vossen

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Thorsten Heins, CEO von BlackBerry, hat in Los Angeles ein bisschen in seine Kristallkugel geschaut und erzählt, was er darin sieht. Und man kann es kaum glauben: Einerseits glaubt er daran, dass Tablets dem Untergang geweiht sind, andererseits sieht er BlackBerry mächtig auf der Überholspur.

„Tablets sind kein gutes Geschäftsmodell“

Aber eins nach dem anderen. Wortwörtlich sagte Heins: „In fünf Jahren gibt es glaube ich keinen Grund mehr noch ein Tablet zu haben. Vielleicht ein großer Bildschirm am Arbeitsplatz, aber kein Tablet als solches. Tablets sind einfach kein gutes Geschäftsmodell“. Wirklich? Man könnte fast auf die Idee kommen, dass Apple-CEO Tim Cook da anderer Meinung ist und mit dieser auch nicht alleine da steht, denn der Apfelkonzern hat im letzten Quartal knapp 20 Millionen iPads verkauft – 65 Prozent mehr als im Vorjahr.

Und Gartner, eines der renommiertesten Marktforschungsinstitute im IT-Bereich, hat letztes Jahr 116 Millionen verkaufte Tablets gezählt. Dieses Jahr sollen es knapp 200 Millionen Einheiten werden, 2017 rechnet man mit einem Absatz von knapp einer halben Milliarde Tablets. Das steht Heins Aussage diametral entgegen. Man könnte zwar sagen, hier stehe Prognose gegen Prgnose, aber wenn mich jemand fragt, setze ich eher auf Gartners Zahlen. Nicht weil, Tablets das Nonplusultra sind und das Leben erst lebenswert machen, sondern schlicht weil es die Nachfrage dafür gibt.

Ich persönlich habe nach wie vor kein Tablet und komme auch so ganz gut über die Runden, aber in meinem persönlichen Umfeld sehe ich Tablets wo ich hingucke. Und die Dinger sind ja auch praktisch, weil klein, handlich und leistungsstark.

iPad nach drei Jahren schon in der vierten Generation

In den nächsten fünf Jahren wird vielleicht der Hype um Tablets etwas weiter abnehmen, wobei ich auch nicht den Eindruck habe, dass Tablets überbewertet werden. Das war vor ein paar Jahren vielleicht noch anders, doch das iPad gibt es jetzt schon seit drei Jahren, ist inzwischen in der vierten Generation und hat sogar schon einen kleinen Bruder.

Sicherlich werden sich die Geräteklassen weiterentwickeln, doch ich vermute eher, dass der Markt für Hybrid-Geräte wie das Surface Pro oder Samsung Ativ wachsen wird, als dass das iPad der…neunten Generation im Verkaufsregal verstaubt – zumal Apple jüngst ein Patent für ein konvertibles Tablet angemeldet hat.

„Ich sehe BlackBerry als Marktführer im Mobile Computing“

Doch wer glaubt, dass das prognostizierte Aus der Tablets der größte Lacher in Heins Interviews war, der muss sich auf was gefasst machen. Wortwörtlich sagt er: „In fünf Jahren sehe ich BlackBerry als absoluten Marktführer im Mobile Computing – das ist unser Ziel.“ Im Ernst?

Nur mal so zur Erinnerung: Gemessen am Absatz, fällt der Marktanteil von RIM bzw. BlackBerry seit mehreren Jahren und lag Ende 2012 bei 2 Prozent. Und die Rechenkünstler von Gartner halten es für unwahrscheinlich, dass BlackBerry bis 2016 mehr als 5 Prozent Marktanteil erreicht.

Q10 ausverkauft – Zahlen unter Verschluss

Da hilft es vermutlich auch nicht, dass das BlackBerry Q10 mit klassischer Tastatur in wenigen Stunden ausverkauft war – allerdings nur in ein paar Selfridges-Filialen in England und vor allem aufgrund der Tatsache, dass ein paar Kunden sich gleich mit Dutzenden Geräten eingedeckt haben, um es gewinnbringend weiterverkaufen zu können. Genaue Verkaufszahlen gibt BlackBerry natürlich nicht bekannt.

Also mir scheint wirklich, Thorsten Heins leidet an Realitätsverlust. Zwei absolut unrealistische Prognosen in einem Interview – das hebt natürlich die Messlatte für Steve Ballmer, der sich beim Start des iPhones noch schlapp gelacht und inzwischen wohl daran verschluckt hat. Thorsten Heins dürfte mit seinen Aussagen ein ähnliches Schicksal ereilen.

Bild: man holding digital tablet / Shutterstock


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Über den Autor

Robert Vossen

Robert Vossen hat erst Los Angeles den Rücken gekehrt und dann leider auch BASIC thinking. Von 2012 bis 2013 hat er über 300 Artikel hier veröffentlicht.

15 Kommentare

  • Wenn es Tablets mit Tastatur gibt, mit denen man vernünftig arbeiten und nicht nur Apps nutzen kann, dann kaufe ich mir auch eines. Huch, gibt es ja und nennt sich Notebook! Mir kommt kein Tablet ins Haus.

  • Also naja das spricht nicht gerade für BlackBerry. Meiner Meinung nach zeigt das ganz deutlich, dass die Firma keine Zukunft hat. Gut, möglicherweise gibt es bis dahin eine neue Gerätegattung, aber erstmal werden die Tablets die PC verdrängen (außer im Business-Bereich). Aber sicherlich beruft sich BlackBerry dabei auf den eigenen (nicht vorhandenen) Verkaufserfolg des BlackBerry Playbook…

  • Der BWL-Spacke scheint vergessen zu haben, dass Ingenieure ihm mit den beiden neuen Geräten gerade den sprichwörtlichen A*sch gerettet habe. Er sollte daher nicht über Dinge reden, von denen er offensichich keine Ahnung hat, d.h. Kreativität und Innovation!

  • Non-Computer Geräte werden in Zukunft vermutlich gänzlich anderes Aussehen , ich denke auch das die Zeiten des starren Display zu Ende gehen werden.
    Ob schon in 5 Jahren ist wohl etwas zu Optimistisch.
    Das Konzept ist schlicht „Ausgereizt“ wenn Smartphone heute mit einem 5 Zoll Display daherkommen um weitgehend einen Desktop Rechner in der Funktionalität ersetzen zu können.

  • Man drehe die Zeit mal zurück: Vor 6 Jahren gab es die ersten Prozessoren, die mehrere Kerne auf einen physischen Träger hatten. 64bit Betriebssysteme kannte man unter Linux und ein klappriges Windows XP und man stellte sich die Frage der Notwendigkeit nach mehr als 4GB Arbeitsspeicher…

    Nun erreichen größte Multicore Systeme eine kompakte Baugröße mit – zu der damaligen Zeit – unfassbaren Rechenleistungen.

    Thorsten Heins Aussage ist zwar mutig, jedoch bei weitem nicht so abwegig: Weder iOS noch Android beherrschen derzeitig die Möglichkeit strickt zwischen privater und geschäftlicher Nutzung zu unterscheiden. BBOS 10 kann es, in dem es seine Betriebsmodi in eigene VMs packt und somit dem Benutzer erlaubt sein Smartphone auch privat zu nutzen, ohne Reue (Ein Ansatz, den vmWare auch verfolgt). Genau darauf schielt RIM und RIM ist im Business Bereich immer noch eine Hausnummer, daran haben auch mehrere Generationen an Smartphones nichts geändert.

    Wie dem auch sei: Wodurch unterscheiden sich Smartphones von Tablets eigentlich genau? Nur durch Bauform und Displaygröße und da sich die Geräte dort immer weiter angleichen und die Desktopvirtualisierung immer weiter in die Unternehmen dringt wird sich irgendwann die Frage stellen, warum man eigentlich für einen Zweck drei Geräte braucht, wenn das Smartphone alles das auch schon kann und eigentlich nur noch ein großes Display und Peripherie braucht?

    Wird mit Sicherheit sehr spannend! Vielleicht wird es in 5 Jahren genau so kommen und keiner hätte es gedacht? Wie waren die ersten Kritiken des allerersten iPhones und was ist daraus am Ende geworden?

    Ich bin gespannt!

    LG,

    Stephan

  • Also wenn ich mir z.B. Google Glass ansehe kann ich mir durchaus vorstellen das dies sogar eine treffende Aussage ist. Ich denke das iPad ist ja noch keine 5 Jahre „alt“, nun ja das iPhone ist noch nicht mal 10 Jahre.
    Wenn sich die neuen Computer sich in dieser Geschwindigkeit weiterentwickeln…reden wir doch mal in 5 Jahren weiter !

  • Na ja, das mit Blackberry sehe ich nicht, aber das mit den Tablets kann ich mir schon vorstellen, die Nutzung ist doch sehr eingeschränkt, wer tagtäglich richtig damit arbeiten muss, dem nutzen Tablets mit dem Rumgeschmier auf dem Glas nur sehr wenig. Und der Markt ist bald einfach knallevoll.

  • Die haben immernoch nicht begriffen, dass Tablets nichts für die Arbeit sind. Da nimmt man einen Desktop-Computer!
    Oder es kommen wieder Docking Stations ala Motorola Atrix.
    Tablets sind für unterwegs gut, wenn man mal mehr Bildschirm braucht als ein Smartphone bietet. Dann schaltet man das Phone auf Hotspot und macht mit dem Tablet weiter. So dürften Ideen wie das Padfone Zukunft haben – und Tablets, die sich als Ergänzung zum Smartphone sehen, also kein eigenes 3G haben, sondern per Tethering gekoppelt werden.

  • @Phelan
    Nein, man sollte begreifen das sich ein Smartphone von einem Tablet lediglich in der Displaygröße Unterscheiden, fällt nun dieses Display weg sein es durch „Google Glass“, Flexible oder Holografische Display bzw. was sonnst noch irgendwo Entwickelt wird, würden auch die mobilen Geräteklassen wie Tablet wegfallen.

  • Also ich war ja immer ein großer Fan und Nutzer von Blackberry, aber seit der Herr Heins da am Ruder steht, ist mir die Marke unsympathisch geworden und spätestens als ich Februar die Meldung lesen musste, dass bald die Blackberry 10 Smartphones Computer ersetzen sollen, da war mir klar, dass da jemand den Boden zur Realität verloren hat.

    Ich hab mir mal den Spaß gemacht, bei namenhaften und bekannten App Hersteller anzufragen, ob es die App bald auch für BB10 geben wird und habe massive Ablehnung erhalten. Ganz klar, man entwickelt ja nur Apps für eine Plattform, wo auch ein Markt da ist.

    Und das komische ist ja, dass man immer tolle Verkaufszahlen verkündet und sich dann bedeckt hält. Da war doch auch noch was, wo jemand 1 Million Z10 Smartphones bestellt hat, siehe:

    http://www.welt.de/wirtschaft/webwelt/article114425303/Wer-bestellt-eine-Million-Blackberry-Smartphones.html

    Ich glaube hier persönlich an eine künstliche Verknappung.

  • Wie der Markt sich genau bewegen wird, kann keiner vorher sagen.

    Tablets sind wie schon ein Leser geschrieben hat eigentlich nur eine Art Smartphone mit besonders große Display.

    Wie genau sich die Wünsche der Kunden in Zukunft gehen werden, kann keiner sagen.

    Nach den ersten Hype um Tablets wird es aber anscheinend in Zukunft ein wenig ruhiger sein. Auch weil nicht jeder schon Tablet Besitzer sich wirklich alle 1 oder 2 Jahren ein neuen zulegen wird.

    Blackberry (RIM) haben als Unternehmen eine Menge Zeit und Vertrauen beim Kunden verloren. Ihr neue Modell ist nicht schlecht nur leider hätte diese schon vor rund 2 Jahren am Markt präsent sein müssen. Dadurch wird es für Blackberry recht schwer in Zukunft.

    Tablets haben eher ein Nutzen für private Zwecke oder wenn man nur Inhalte im Netz abrufen möchte. Als vollwertige Ersatz für ein PC oder Notebook sind diese nur bedingt geeignet.

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