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Online-Casting für Space-Cowboys: Für 38 Dollar zum Mars

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geschrieben von Felix

Unter dem Titel Mars One will eine niederländische Organisation bis 2023 Menschen zum Mars bringen. Ohne Rückkehr, denn die ist vorerst nicht möglich. Das Projekt ist verpackt als große Casting-Show, die das Geschehen permanent aufnimmt. Seit Montag letzter Woche kann man sich als Kandidat für die Mission bewerben. Der Ansturm ist groß – über 20.000 Menschen haben sich bereits registriert. Experten sind aber in höchstem Maße skeptisch, ob das Projekt tatsächlich realisiert werden kann.

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Projekt Marsbesiedlung

Nichts Geringeres als eine Siedlung schwebt den Gründern Bas Lansdorp und Arno Wielders vor. Erreicht werden soll das nach Angaben ihrer Non-Profit-Organisation mit bereits bestehenden Technologien. Mit dem Konzept, die ganze Welt per TV-Übertragung an der Mission teilhaben zu lassen, soll das Vorhaben finanziert werden.

Das Projekt ist dazu als eine Art Kooperation mit der Interplanetary Media Group angelegt; denn die ist im Unterschied zu Mars One eine gewinnorientierte Organisation. Mars One möchte also eines Tages Besitzer der Marssiedlung sein und Einkünfte über Lizenzgebühren, Sponsorengelder und Spenden generieren. Soweit die Theorie. Wer es ein bisschen ausführlicher mag, darf sich das Ganze auch gern noch einmal per Video erklären lassen.

Internationale Casting-Show mit Online-Voting

Die Kandidatenliste ist nicht nur lang, sondern auch überaus international. Gegen eine Gebühr von 38 US-Dollar wird man dann offiziell gelistet. Die Bewerbung erfolgt mit Interessenliste, einem kurzen Vorstellungstext und einem Video. Für realistische Chancen müssen zudem einige physische und psychische Kriterien erfüllt werden. Deutsche Ausreisewillige sind, zumindest den vorhandenen Suchfiltern nach zu urteilen, gegenwärtig aber kaum vertreten. Einige „Fit like a Fidli“-Spitzenkandidaten sind aber trotzdem dabei. Vor allem US-Amerikaner sind mir auf den ersten Blick besonders zahlreich aufgefallen.

Ab sofort kann für diese Kandidaten nun online gevotet werden. Popularität, Klicks und Bewertungen bestimmen dann das Ranking. Die Auswahl soll in vier Runden sukzessive auf bis zu 40 Kandidaten reduziert werden. Diese müssen dann ein vollständiges Trainingsprogramm absolvieren – inklusive Probelauf in einer nachgebauten Mars-Siedlung in der Wüste. Der Fernsehzuschauer darf stets dabei sein: Im Rahmen einer TV-Show werden am Ende je vier Raumfahrer mit den Stimmen des Publikums ausgewählt. Dieses Quartett darf – soweit alles glatt läuft – den Flug zum Mars als erstes Team antreten. Nach und nach folgen anschließend weitere Kandidaten – insgesamt 20 Menschen bis 2033.

Experten belächeln das Projekt

In einem Interview bezeichnet Michael Kahn von der Europäischen Raumfahrtagentur ESA das Vorhaben allerdings als sportlich. Die Versprechungen seien gewagt, zumal der Mars noch lange nicht umfassend erforscht ist. Die chemische Zusammensetzung der Böden oder die Wirkungen kosmischer Strahlung sind nur einige von vielen unbeantworteten Fragen. Auch zu den ganz praktischen Problemen wie Nahrung und Sauerstoff gibt es bislang keine wirklichen Antworten.

Auf die ethischen Aspekte springen die Medien natürlich sofort an: Keine Möglichkeit zur Rückkehr, Einsamkeit, extreme physische Belastung. Irgendwie erinnert es an die ersten Diskussionen um Big Brother. Next level-mäßig halt.

Neues Format: International Social TV?!

Am meisten an der ganzen Show beeindruckt mich allerdings, wie groß sofort der internationale Medienrummel um das Projekt ist. Die erste globale Castingshow. Warum ist da nicht schon früher jemand drauf gekommen?

Vielleicht braucht es dafür ja nicht einmal unbedingt eine Marsmission. Für eine Show, die ein globales Publikum aktiv involviert, bei der internationale Kandidaten einbezogen werden und die dann auch noch aktiv im Netz lanciert wird – dafür sehe ich durchaus Potenzial.

Bild: Man on Mars  / Shutterstock


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Über den Autor

Felix

Internetabhängiger der ersten Generation, begeistert sich für Netzpolitik, Medien, Wirtschaft und für alles, was er sonst so findet. Außerdem ist er ein notorisches Spielkind und hält seine Freunde in der „echten Welt“ für unverzichtbar.

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