Nach der Dailymotion-Pleite: Yahoo will nun angeblich Hulu kaufen

Robert Vossen

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Oha! Nachdem die französische Regierung Yahoo die Übernahme von Dailymotion untersagt hat, geht man jetzt zum nächsten Kaliber über: Hulu. Wie „All Things D“ berichtet hat sich CEO Marissa Mayer mit den Hulu-Managern schon zum Kennenlernen getroffen – die Gespräche sind aber noch in einem sehr frühen Stadium.

Hulu sucht neuen Inhaber, Yahoo sucht nach Videos

Auf den ersten Blick macht eine Übernahme Hulus absolut Sinn: Hulus Anteilseigner können sich einen Verkauf vorstellen, Yahoo will im Video-Bereich wachsen. Passt doch. Als die Hulu-Nachricht noch nicht geplatzt war, sprach Mayer bei einer Konferenz in New York davon, dass ein mehrstufiger Ansatz verfolgt werde.

Man wolle einen geringen Anteil von Qualitätsinhalten selbst produzieren und arbeite bereits an den ersten Shows. Viel wichtiger sei jedoch ein bunter Blumenstrauß an Inhalten von verschiedenen Partnern, aus dem jeder User etwas nach seinem Geschmack finden soll. So hat sich Yahoo unter anderem die Rechte an der US-Kult-Show „Saturday Night Live“ gesichert und will hier auch weitere Lizenz-Deals abschließen. Nicht zuletzt setze man auch auf Erfolg versprechende Inhalte der Nutzer.

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Hulu ist heiß begehrt

Für hochklassige Inhalte würde sich Hulu bestens eignen, doch das Video-Portal spielt in einer deutlich anderen Liga als Dailymotion. Wollte man für die französische Plattform etwa 200-300 Millionen Dollar ausgeben, wurde Hulu letztes Jahr mit 2 Milliarden Dollar bewertet. Und der Umsatz ist 2012 weiter gestiegen – damit könnte auch das Preisschild größer werden.

Hinzu kommt: Nicht nur Yahoo will Hulu haben. Neben Amazon haben vor allem Peter Chernin, früherer CEO des Hulu-Anteilseigners News Corp. und Guggenheim Partners, Interesse bekundet. Pikant: Der digitale Bereich von Guggenheim Partners wird inzwischen vom ehemaligen Yahoo-Interim-CEO Ross Levinsohn geleitet – Marissa Mayers Vorgänger.

Rote Zahlen, keine langfristigen Lizenz-Garantien

Yahoo müsste also sehr tief in die Tasche greifen. Zudem könnte eine Übernahme auch richtig nach hinten losgehen, denn Hulu schreibt rote Zahlen und Disney sowie News Corp. sind sich noch nicht komplett sicher, ob sie die Plattform überhaupt verkaufen wollen. Doch viel wichtiger: Hulu ist nichts ohne seine Inhalte – und die kommen größtenteils von Disney, News Corp. und NBC. Mayer müsste also sicherstellen, dass die entsprechenden Lizenzen im Kaufpreis eingerechnet sind.

Nun ist die Yahoo-Chefin keine naive Managerin, aber jeder Lizenz-Deal läuft irgendwann aus und das könnte der Moment sein, an dem Hulu drastisch an Wert verliert. Anonymen Quellen zufolge möchten sich die derzeitigen Anteilseigner nicht auf mehr als 2-3 Jahre laufende Inhaltslizenzen festlegen. Blöd, wenn Mayer dann mit einer inhaltsleeren Plattform da steht, für die sie ein paar Jahre zuvor noch 2 Milliarden Dollar über den Tisch reichen musste.

Dailymotion lässt sich nicht durch Hulu ersetzen

Auch wenn Hulu im Vergleich zu Dailymotion die attraktivere Wahl ist und es scheint, als wolle Mayer die gescheiterte Übernahme des französischen Portals nun kompensieren, sind die beiden Plattformen grundverschieden. Dailymotion ist wie YouTube: Überwiegend User Generated Content, werbefinanziert und vor allem international verfügbar. Hulu hingegen setzt auf Premium-Inhalte und ist bisher – trotz anderweitiger Ankündigungen zu Expansionsplänen – nur in den USA erreichbar.

Es ist zwar strategisch nicht verkehrt, sich auf Premium-Inhalte zu fokussieren – aber was auch immer Yahoo mit Dailymotion vorhatte: mit Hulu wird man es nicht 1:1 umsetzen können.

Nun sind die Gespräch noch in einem sehr frühen Stadium – es soll noch nicht mal ein Angebot vorliegen. Und selbst wenn, könnte es natürlich auch sein, dass es nicht angenommen wird. Doch sollte Yahoo tatsächlich neuer Eigentümer Hulus werden, wird man quasi über Nacht zu einem attraktiven Partner. Doch die Übernahme hat äußerst viele Haken – vielleicht ein paar zu viel.

Bild: Flickr / Giorgio Montersino (CC BY-SA 2.0)

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Robert Vossen hat erst Los Angeles den Rücken gekehrt und dann leider auch BASIC thinking. Von 2012 bis 2013 hat er über 300 Artikel hier veröffentlicht.