Kontrolle oder Freiheit? Iran verteilt E-Mail-Adressen an Bürger

Robert Vossen

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Der Iran koppelt sich immer weiter vom globalen Internet ab und will sein nationales Intranet weiter ausbauen. Neuer Bestandteil des eigenen Netzes ist ein E-Mail-Dienst, der jetzt gestartet ist und bis 2015 jedem Bürger eine eigene E-Mail-Adresse zuweisen soll.

„Kommunikation zwischen Regierung und Volk fördern“

Kommunikationsminister Mohammad Nassan Nami bestätigt den Schritt und spricht davon, dass der offizielle Dienst mail.post.ir „die gemeinsame Interaktion und Kommunikation zwischen der Regierung und dem Volk“ fördern werde.

Hinter der Ankündigung stehen aber vermutlich weniger Vorteile für die Bürger, als eine zusätzliche Kontrollinstanz der Regierung. Denn natürlich fürchten die Regierenden im Iran das Internet wie der Teufel das Weihwasser, schließlich erinnert man sich noch gut daran, dass die Proteste gegen die Wiederwahl Ahmadinejads 2009 vor allem online koordiniert wurden.

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Spätestens seitdem werden immer mehr Internetdienste gesperrt: Facebook, Twitter und Gmail sind unzugänglich, seit letztem Jahr gibt es eine „genehmigte Alternative“ zu YouTube, genannt mehr.ir, und seit März diesen Jahres werden nicht-registrierte VPN-Verbindungen ins Ausland blockiert. Der Iran verfolgt sein Ziel, ein „Halal Intranet“ aufzubauen also mit Vehemenz.

Reformer Rohani gewinnt jüngste Iran-Wahl

Gleichzeitig gibt es aber auch eine Kehrseite der Medaille. Bei den letzten Wahlen im Iran im Juni hat der gemäßigte Reformer Hassan Rohani gewonnen, wobei noch unklar ist, inwieweit der designierte Präsident die Kontroll-Wut des Iran fortführen wird. Bislang hat Kommunikationsminister Nami jedenfalls nichts davon erzählt, dass private E-Mail-Adressen künftig verboten würden. Stattdessen soll angeblich die Privatsphäre der Bürger geachtet werden.

Auch kann man den nationalen E-Mail-Dienst angesichts des NSA-Skandals in einem anderen Licht sehen: Denn wenn ausländische Geheimdienste Zugriff auf amerikanische E-Mail-Dienste wie Gmail und Yahoo Mail haben, warum sollte man nicht seine eigene Serverinfrastruktur aufbauen, auf die die NSA eben nicht mehr so einfach zugreifen kann?

Forderungen nach einem deutschen Google

Zwar sind die Argumente nicht völlig ausgereift, aber die Forderung deutscher Innenpolitiker eine deutsche bzw. europäische Alternative zu Google aufzubauen, blasen immerhin ins gleiche Horn. Natürlich ist das nicht die perfekte Lösung, aber der Hintergedanke ist verständlich – insbesondere von Ländern, die die Amerikaner nicht als ihre Partner bezeichnen.

Und nicht zuletzt gibt es ja auch ein deutsches Pendant: Die De-Mail. Bislang hat sich das Innenministerium zwar nicht mit Ruhm bekleckert, da der E-Mail-Dienst zumindest aus Sicht von CCC und Co. nicht sicherer als ein herkömmlicher Freemail-Dienst ist, doch auch hier ist der Grundgedanke begrüßenswert – Stichwort Papier- und Portoersparnis.

Aber zurück zum Iran. Natürlich besteht dort die realistische Gefahr, dass die Herrschenden den neuen Dienst als Kontrollinstrument missbrauchen. Schließlich wurden in der Vergangenheit auch „freie“ E-Mail-Konten von Oppositionellen gehackt und überwacht. Ein bisschen hoffen, dass hier nicht die Überwachung im Vordergrund steht, darf man angesichts des jüngsten Wahlergebnisses aber schon.

 Bild: Iran / Shutterstock

 

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Robert Vossen hat erst Los Angeles den Rücken gekehrt und dann leider auch BASIC thinking. Von 2012 bis 2013 hat er über 300 Artikel hier veröffentlicht.