Bribespot: Korruptionsbekämpfung mit dem Smartphone.

Felix
von Felix

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Korrupte Cops gibt es nicht nur im Fernsehen. Korruption gehört in vielen Ländern zum Alltag; egal ob mit kleinen oder großen Geldbeträgen, ganz offen oder versteckt. Eine App will sich nun dem Problem annehmen. Mit Bribespot kann der unbescholtene Bürger Vorfälle schnell, unkompliziert und mit Geo-Tag melden. Entstanden ist die App auf einem Hackathon in Estland, sie verbreitet sich aber zunehmend über den Globus. Gerade ist der Dienst in Thailand gestartet und erfreut sich dort großer Beliebtheit. Nicht jeder glaubt allerdings daran, dass sich durch die App tatsächlich etwas ändert.

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Subversives Alltagsproblem

In Deutschland ist man vergleichsweise verwöhnt was Korruption angeht. Auf dem Corruption Perception Index 2012 von Transparency International belegt Deutschland Platz 13, hinter den skandinavischen Ländern und der Schweiz. Außer in der EU, Australien und Nordamerika ist der öffentliche Sektor dem Index zufolge aber auf weiten Teilen des Globus recht korrupt. Von Ausnahmen abgesehen.

Dabei überrascht es ja auch eigentlich niemanden, dass vielerorts für bestimmte Dinge im Umgang mit staatlichen Bediensteten Geld auf informellem Wege fließt. In vielen Fällen hat man jedoch dagegen keine Handhabe.

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Der „Markt“ für die Anti-Korruptions-App Bribespot ist dementsprechend groß.  Thailand, wo die App nun gestartet ist, liegt mit Rang 88 im Mittelfeld der Korruptions-Liste, kurz vor Griechenland (Platz 94).

Korruptionsbekämpfung einfach und anonym

Nach der Installation der App kann in wenigen Schritten über korrupte Vorgänge berichtet werden. Ort, Kategorie und eine kurze Beschreibung müssen hinzugefügt werden. Zur Auswahl stehen zahlreiche dieser Kategorien, beispielsweise Polizei/Militär, Gesundheit, Zoll oder Privatwirtschaft.

Das Veröffentlichen der Bestechungsgelder funktioniert anonym, man muss sich nicht registrieren. Die Datenübermittlung ist verschlüsselt, die Zurückverfolgung von IP-Adressen soll nicht möglich sein. Die Server stehen vermeintlich sicher in Europa.

Aus rechtlichen Gründen können jedoch keine Bilder oder Videos veröffentlicht werden. Die Beschuldigten sind schließlich erst einmal nur Beschuldigte. Immerhin können sich weitere Nutzer in den Kommentaren zum Vorfall äußern.

Bribespot video presentation from lama1 on Vimeo.

Glaubwürdigkeit und Wirkungsmacht begrenzt

Seiten, auf denen anonyme Inhalte veröffentlicht werden können, sind nicht unbedingt Glanzlichter in Sachen Glaubwürdigkeit. Auch wenn das eherne Ziel Korruptionsbekämpfung auf der Fahne steht. Darüber sind sich auch die Macher bewusst.

Falschmeldungen und Spam sollen deshalb, soweit es möglich ist, direkt technisch unterbunden werden. So scannt das System neue Einträge beispielsweise nach Namensnennungen. Glaubwürdig ist das System dadurch aber trotzdem nicht unbedingt. Bribespot hilft sich mit einer simplen Annahme: je mehr Nutzer über bestimmte Ereignisse berichten, desto wahrscheinlicher sind sie auch wirklich wahr.

Glaubwürdigkeit ist aber nur ein Problem. Die Bangkok Post zeigt sich beispielsweise überaus skeptisch, ob die App neben einem guten Gefühl auch nur das Geringste ändert. Die Einträge sind nämlich weder ein echter Beweis, noch werden die Beschuldigungen an die richtige Stelle Adressiert. Ergo: es passiert nichts, die Veröffentlichung bleibt völlig folgenlos. Neben gutem Willen bleibt in der Realität dann nicht mehr viel übrig.

Die Macher sehen das freilich anders. Sie wünschen sich, dass die Leute durch die App zumindest weniger gleichgültig sind. Je mehr Leute mitmachen, desto besser. Dann nämlich wäre die App sicherlich eine interessante Datenquelle für globale Korruption.

Bild: App-Screenshot

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Internetabhängiger der ersten Generation, begeistert sich für Netzpolitik, Medien, Wirtschaft und für alles, was er sonst so findet. Außerdem ist er ein notorisches Spielkind und hält seine Freunde in der „echten Welt“ für unverzichtbar.