Hardware

LED-Beamer LG PG60G im Test: die mobile Filmmaschine

Beamer beziehungsweise Projektoren sind für Präsentationen und Filme schon eine feine Sache. Bislang haben solcherlei Geräte leider einige Nachteile. Um die gewünschte Lichtstärke zu erreichen, muss das verwendete Leuchtmittel Höchstleistungen bringen: Die Folge sind eine begrenzte Lebensdauer, die je nach Betriebsart zwischen 5.000 und 7.000 Stunden liegt, sowie eine hohe Wärmeentwicklung, die zu einer aktiven Kühlung mit entsprechend nervigen Lüftergeräuschen zwingt.

LG-PG60G-1Der Lieferumfang des LG PG60G.  Links vom Beamer das Akkupack, darunter der Cradle. Am HDMI-Kabel hat LG gespart. Nicht im Bild: Das externe Netzteil.

Abhilfe sollen LED-Beamer bringen, die zumindest die Lebensdauer des Leuchtmittels drastisch (30.000 Stunden) verlängern. Bislang erreichen sie mit etwa 300 ANSI-Lumen allerdings nicht annähernd die Lichtleistung ihrer ausgewachsenen Kollegen, die bereits im Einsteigerbereich etwa 2.000 bis 3.000 ANSI-Lumen beträgt. Derzeit führend bei LED-Beamern ist das koreanische Unternehmen LG, das uns freundlicherweise den neuen und mobilen LED-Beamer PG60G  (Kostenpunkt derzeit: 649 Euro) zur Verfügung gestellt hat. Mal schauen, was die neue Generation der LED-Beamer leisten kann.

Akku & Lichtleistung

Beginnen wir mit zwei essentiellen Punkten: Akku- und Lichtleistung. Was den LG PG60G hier erst einmal besonders macht, ist das mitgelieferte (nicht integrierte) Akkupack, das sogar locker für einen Film mit Überlänge reicht. 150 Minuten gibt LG als Laufzeit an und tatsächlich hielt der Akku im Eco-Modus beachtliche 165 Minuten durch. Bei der Lichtleistung müssen aufgrund der LED-Technik, der kompakten Bauform und des möglichen Akkueinsatzes dementsprechend Abstriche gemacht werden. Der PG60G liefert „nur“ 500 ANSI-Lumen.

Ausstattung und Anschlüsse

Zunächst die Pflicht, dann die Kür – die restlichen technischen Daten: Die Auflösung des Beamers beträgt 1.280 x 800 Pixel, das Kontrastverhältnis gibt LG mit 100.000 : 1 an. Die Bildgröße diagonal liegt zwischen 25 und 100 Zoll (63,5 cm – 254 cm), der Projektionsabstand beträgt 101,6 cm bei 130 cm. An Bildformaten sind 4:3 und natürlich 16:9 möglich. Da die Mobilität im Vordergrund steht, spielen  auch die Maße eine wichtige Rolle. Mit 60 x 125 x 125 Millimetern fällt der PG60G wirklich handlich aus, auch das Gewicht mit gerade einmal 670 Gramm (ohne Akku) passt. Der Akku bringt noch einmal gut 400 Gramm auf die Waage. Das Netzteil muss konstruktionsbedingt draußen bleiben.

LG-PG60G-7Neben den bereits erwähnten Anschlussmöglichkeiten bietet der Beamer noch eine Kensington-Sicherung. USB- und Stromanschluss befinden sich seitlich am Gerät.

LG hat dem PG60G allerdings einen kleinen 3-Watt-Mono-Lautsprecher spendiert, der natürlich kein Klangwunder ist, aber seinen Zweck erfüllt. Zur Not kann dem Sound auch via 3,5-mm-Klinken-Anschluss mit externen Lautsprechern auf die Sprünge geholfen werden. Optisch verfügt der PG60G über eine digitale (Auto)-Trapez-Korrektur (+- 15° ); auf einen vertikalen und horizontalen Lensshift muss man – wie üblich bei LED-Beamern – leider verzichten. Eine Zoomfunktion ist ebenfalls nicht vorhanden. Bei der Standortwahl zeigt sich das Gerät also recht unflexibel. Da der PG60G aber in erster Linie auf Reisen gehen soll, kann man mit diesen Mankos leben. Der Fokus wird manuell eingestellt, das klappte im Test auch soweit ganz gut.

Als Anschlüsse sind HDMI, D-Sub, Chinch und ein Komponenten-Eingang vorhanden. Alternativ steht ein USB-Anschluss bereit, mit dem der integrierte Fileviewer und der Mediaplayer gefüttert werden. Im Lieferumfang enthalten sind neben dem Akku ein Standfuß (Cradle), eine (unbeleuchtete) Fernbedienung, Streulichtblende, Chinch- und D-Sub-Kabel sowie eine hochwertige Tasche, um alles sicher und stilvoll transportieren zu können.

Wie siehts mit der  Bildqualität aus?

Bei der Bildqualität darf man bei 500 Lumen natürlich keine  Erleuchtung (haha) erwarten. Bei Tageslicht leidet das Bild spürbar und so ist der Beamer nur eingeschränkt nutzbar. Sobald der Raum aber etwas abgedunkelt wird, stimmt die Qualität und Texte werden gut sichtbar abgebildet. Das beste Bild erreicht man naturgemäß in einem komplett abgedunkelten Raum. Dann erwiesen sich die 500 Lumen des kleinen Beamers auf unserer Leinwand sogar als filmtauglich. Echte Heimkino-Enthusiasten werden dies natürlich anders sehen, trotzdem ist die Leistung des PG60G gemessen an der Größe schlichtweg überzeugend. Und wie sagt man so schön; Bilder sagen mehr als 1.000 Worte (da freut sich das Phrasenschwein!):

LG-PG60G-4Aufnahme bei komplett abgedunkeltem Raum auf einer 72-Zoll-Leinwand. Farben und Kontraste kommen gut zur Geltung. Bei sehr dunklen Szenen stört aber die geringe Lichtleistung. Angeschlossen via HDMI.

LG-PG60G-3Die gleiche Szene bei „normaler“ Beleuchtung. Deutlich schwächere Kontraste und flauere Farben. Der Rotstich im Bild rührt übrigens von der Farbtemperatur des Umgebungslichts, ansonsten verhält sich der Beamer farbneutral (siehe nächstes Bild).

Unabhängig von Zuspielern dank Mediaplayer und Fileviewer

Der integrierte Mediaplayer bzw. Fileviewer machte im Test keine Probleme. Der Mediaplayer erlaubt auch bei großen Dateien schnelles hin- und herspringen und bietet eine Resume-Funktion. MS Office-Excel-Tabellen, Fotos und Filme spielte das Gerät anstandslos ab. Getestet wurden AVI-, MKV- in 720p und 1080p, MP3s sowie diverse JPG-Dateien, aufgenommen mit einer 14-MP-DSLR. Bei Dokumenten, die in Open Office erstellt wurden, stellte sich der Beamer allerdings stur und verweigerte beharrlich den Dienst. Die Widi-Schnittstelle konnten wir in Ermangelung der passenden Hardware leider nicht testen.

LG-PG60G-5

Der FileViewer versteht sich mit den Dokumenten-Typen DOC, XLS und PPT.

Lautstärke & Stromverbrauch

Die Lautstärke im Betrieb liegt laut LG bei 34 dB und im Eco-Modus bei 26 dB, sie unterscheidet sich somit nicht signifikant von „herkömmlichen“ Beamern. In meiner Naivität bin ich doch ursprünglich tatsächlich davon ausgegangen, dass LED-Beamer ohne nervenden Lüfter auskommen oder zumindest deutlich leiser arbeiten. Leider nein. Aber wenigstens wieder was gelernt.

Ein wirklich großer Vorteil der LED-Technik – neben der Langlebigkeit der Leuchtmittel – ist aber der deutlich reduzierte Stromverbrauch. Unser Messgerät hat bei der höchsten Helligkeitseinstellung 72 Watt, im Normal-Betrieb 68 Watt und im (sichtbar dunklerem Eco-Modus) 53 Watt angezeigt. Im Betrieb erwärmt sich der Beamer übrigens nur leicht. Ein physischer Ein/Aus-Schalter ist nicht vorhanden.

Fazit: Klein, stark, knuffig

Unter dem Strich macht der kleine Beamer seine Sache wirklich gut. In Kombination mit dem leistungsstarken Akku und dem integrierten Mediaplayer eignet sich der PG60G zudem perfekt für Präsentationen, We(r)b(e)aktionen oder auch spontane Filmabende unter freiem Himmel (zumindest im Sommer).

Wer bereit ist, einige Abstriche in puncto Darstellungsqualität und Komfort in Kauf zu nehmen, kann trotz der geringen Lumenzahl sogar im Wohnzimmer seinen Spaß haben – wenn es denn unbedingt ein LED-Beamer sein muss. In erster Linie ist das Gerät aber natürlich für den mobilen Betrieb ausgelegt und da macht dem PG60G derzeit keiner so schnell was vor. Ich werde den kleinen Kerl auf jeden Fall vermissen.

Als deutlich teurere LED-Alternative präsentiert sich der ebenfalls neue große Bruder PG80G. Dieser liefert stolze 1.000 Lumen für ebenso stolze 1.400 Euro, kommt aber freilich ohne Akku daher. Auch einen Blick wert sind die mittlerweile günstigen Vorgängermodelle LG PB60G und PB62G.

Bilder: Marcel Petritz / BASIC thinking


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Über den Autor

Marcel Petritz

Informatiker, Online-Redakteur und ehemaliger Nerd bei BASIC thinking. Interessiert sich für Gaming, Film und Fotografie und hat von 2012 bis 2013 für uns geschrieben.

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