Sonstiges

Bibliothek 2.0 – Norwegen digitalisiert die komplette Nationalbibliothek

Skandinavien gilt ja hierzulande oft als großes Vorbild – an vielen Stellen zu Recht, man denke nur an die Verbindung von Beruf und Familie, an anderen Stellen sehr idealisiert. Dass Skandinavien im Bereich Kultur und Leseförderung beispielhaft arbeitet, zeigt sich auch an den großen und liebevoll gepflegten Bibliotheken, die es in Schweden in jedem größeren Ort gibt. Und jetzt macht Norwegen einen großen Schritt, um die analoge und die digitale Lesewelt miteinander zu verbinden: Eventuell schon bis Mitte der 2020er Jahre sollen alle Bücher in der norwegischen Nationalbibliothek digitalisiert sein. Weite Teile davon werden schon 2017 von norwegischen IPs aus online abrufbar sein.

screenshot bokhylla.no

Eine neue Bibliothek

Und mit alle meint die Nationalbibliothek wirklich alle – jedenfalls die auf norwegisch erscheinenden. Ähnlich wie in der deutschen Nationalbibliothek muss jede in Norwegen erscheinende Publikation der Nationalbibliothek zur Verfügung gestellt werden. Doch nicht nur die Neuerscheinungen sollen digitalisiert werden, sondern auch der Bestand der Bibliothek – Dokumente vom Mittelalter bis heute. Und die Bibliothek will zukünftig noch stärker auch digitale Publikationen ankaufen.

Die Nationalbibliothek hat ihren eigenen Anspruch in die Zukunft übertragen: Eine nationale Wissensdatenbank zu sein, für alle verfügbar, von Büchern über Online-Publikationen bis hin zu Multimedia-Produkten. „Um diese Vision zu erreichen, wird die Norwegische Nationalbibliothek eine moderne und digitale Bibliothek sein – und so eine neue Form von Nationalbibliothek“, schreibt die Institution selbst.

Die komplette norwegische Geschichte

Das Projekt bokhylla.no (Bücherregal) ermöglicht schon jetzt den Zugriff auf Hunderttausende Zeitungen, Bücher, Fotos, Filme, und Radiobeiträge – alles zum freien Abruf, teils auch außerhalb von Norwegen. In fünf Jahren soll dieses Projekt abgeschlossen sein: Bis dahin sollen 250.000 Bücher verfügbar sein, Bücher aus dem 20. Jahrhundert sind für Nutzer mit norwegischer IP zugänglich. Ältere Bücher können auch heruntergeladen werden.

Die allgemeine Verfügbarkeit, der Zugang für alle, ist in Skandinavien traditionell sehr wichtig. Dementsprechend legt die Nationalbibliothek hier besonders hohe Maßstäbe an: Die Daten und Dokumente sollen nicht nur an Bibliotheksrechnern abrufbar sein, mit streng reglementierten Nutzungsrechten, sondern überall und für alle. Mehr oder weniger alle Bibliotheken digitalisieren ihre Bestände, aber was Norwegen vorhat, ist schon eine ganze Stufe höher. Und so rüstet sich die Norwegische Nationalbibliothek für die Zukunft mit ihrer umfangreichen Digitalisierung.

Bild: Screenshot


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Über den Autor

Thorsten Nötges

Thorsten Noetges ist Nerd, Gamer,und seit 1995 im Internet zu Hause. Er hat von 2013 bis 2014 über 100 Artikel auf BASIC thinking veröffentlicht.

3 Kommentare

  • Großartiges Projekt, von dem ich sonst wahrscheinlich nicht erfahren hätte! Danke! Auch wenn ich natürlich gleichzeitig Projekte wie Google Books begrüßenswert finde, muss man ja immer noch den kommerziellen Nutzen dahinter sehen (Googles „Don’t be evil“ in allen Ehren…). Ich hoffe, die Deutschen nehmen sich hier auch ein Beispiel und unsere Nationalbibliothek geht bald den anderen europäischen Bibliotheken und Instituten mit gutem Beispiel voran. Wenn man dann zusätzlich noch von den sturen Copyright-Vorstellungen wegkommt und die Bücher entsprechend für das Studium (nicht nur im institutionellen Rahmen) zur Verfügung stellt, umso besser!

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