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Spion im Wohnzimmer: Auch Mac-Webcams lassen sich heimlich aktivieren

Von Kameras an öffenlichen Plätzen fühlen wir uns beobachtet: Von Überwachung im Supermarkt, an der Tankstelle oder auf dem Marktplatz. Doch Kamera in unseren eigenen vier Wänden nehmen wir meist ohne Hintergedanken billigend in Kauf – bezahlen sogar Unsummen dafür, dass wir sie in Form eines neuen MacBooks oder iMacs nutzen können.

iSeeyou

Die grüne LED

Überwacht fühlen wir uns von den kleinen Frontkameras nicht, die inzwischen ohnehin in so gut wie jedem Laptop und Smartphone zu finden sind. Bei Macs ist rechts neben der Linse eine kleine LED eingebaut, die man in ausgeschaltetem Modus mit bloßem Auge fast nicht erkennen kann. Erst wenn die Webcam angeschaltet wird, schaltet sich auch die LED an und leuchtet grün.

Das sieht nicht nur gut aus, es hat auch einen tieferen Sinn: Es weist den Nutzer darauf hin, wann man im Fokus der Kamera steht – und wann eben nicht. Und somit wusste man – bisher – immer bescheid, falls sich jemand unerlaubten Zugriff auf die Webcam verschafft hat. Laut dem Forschungsprojekt iSeeYou ist die Verknüpfung zwischen Webcam und LED bei Macs aber anfällig für Spione.

Keine wirkliche Überraschung

Bedeutet im Klartext: Wer eine Webcam an seinem Mac hat, kann genauso ausgespäht werden, wie etwa seit langem die Nutzer von Windows-Rechnern. Das war bislang so nicht bekannt. Man ging bisher eigentlich davon aus, dass der Hardware-Bund zwischen Kamera und LED nicht von außerhalb zu knacken sei. Die Forscher der Johns Hopkins Universität beweisen nun das Gegenteil und machen mal wieder deutlich: Wir holen uns den kleinen Spähangriff meist unbekümmert freiwillig aufs eigene Sofa.

Auch wenn bei iSeeYou nur Apple-Hardware, die vor dem Jahr 2008 gebaut wurde, untersucht wurde: Auch Besitzer von neueren Macs sollten sich nicht auf der sicheren Seite fühlen, wie die „Washington Post“ weiß. Allerdings: So wirklich überraschend kommt das jetzt eigentlich nicht, selbst wenn Macs weiterhin bei vielen Nutzern als die sichereren Computer gelten. Bleibt also nur der Griff zum altbewährten Hausmittel: Webcam einfach abkleben. Schade.

Bild: Screenshot iSeeYou-Studie


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Über den Autor

Tobias Gillen

Tobias Gillen ist seit August 2014 Chefredakteur und seit Mai 2015 Geschäftsführer von BASIC thinking. Erreichen kann man ihn immer per E-Mail oder in den Netzwerken.

4 Kommentare

  • Da frage ich mich, warum die Hersteller nicht die LED mit dem gleichen Kabel wie die Kamera verbinden. Also dass, sobald Strom zur Kamera fließt zwingend auch die LED mitaktiviert wird (weil die ja dadurch auch Strom bekommt). Oder ist das so, und wurde irgendwie „gehackt“?

    Ist aber ein doch sehr heikles Thema. Hab meine Kamera mit nem Stück Tesa abgeklebt, das stört nicht wirklich, und mit nem unscharfen Bild können die eh nichts anfangen.

    Was mich mehr interessiert – was ist mit unseren Mikrofonen im Laptop? Da gibts ja soweit ich weiß keine Anzeige, ob aktiv oder nicht..

  • Hey Stephan,

    ich verstehe auch nicht warum man das nicht so realisiert. Man könnte sicherlich ohne Probleme eine Leitung für die Kamera als Schaltspannung für die LED nutzen und es so unvermeidbar machen, die Kamera ohne die LED zu aktivieren. Vielleicht kostet es einfach 3Cent weniger es über die Software zu machen, weshalb das die bevorzugte Variante ist.

    Beim Mikrofon wird man nichts machen können. Hier hilft leider auch abkleben nichts 😉

  • Einfach einen physikalischen Ausschalter für Kamera und Micro zur Pflicht machen, wo ist das Problem liebe Politiker?

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