Hardware

In 30 Sekunden auf 100 Prozent: Startup zeigt superschnelle Lade-Technologie – Fake oder Realität?

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geschrieben von Michael Müller

Ein israelisches Startup behauptet, eine neue Ladetechnologie entwickelt zu haben, mit der Akkus innerhalb von 30 Sekunden vollständig aufgeladen werden können. Ein YouTube-Video soll die Funktionstüchtigkeit beweisen, scheitert aber, alle Fragezeichen auszuräumen.

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Fakt ist: Wer auch immer eine alltagstaugliche Schnelllade-Technologie auf den Markt bringen sollte, wird sich ein goldenes Näschen verdienen. Ob es die Herrschaften aus Tel Aviv sein werden?

Akkus wohin man schaut

Die mobile Kommunikation wäre ohne leistungsstarke Akkus lange nicht das, was sie heute ist. Ob Smartphones, Laptops oder Tablet-Computer: die Kapazität der Akkus bestimmt, wie lange die Geräte unterwegs nutzbar bleiben. So kommt es, dass aktuelle Smartphones meist nach weniger als 24 Stunden den Geist aufgeben und frischen Strom aus der Steckdose verlangen. Zu blöd, wenn gerade keine Steckdose oder mobile Ladestation zur Hand ist.

Durch die Abhängigkeit von der Restladung, ist die Akkulaufzeit eine vielbeachtete Kenngröße des modernen vernetzten Lebens geworden. Zwar werden Mikrochips energieeffizienter und Akkus leistungsfähiger – jedoch steht einer ausgiebigen Nutzung auch stets eine verhältnismäßig lange Ladezeit entgegen. Bei iPhone 5S und Galaxy S4 beispielsweise vergehen über 2 Stunden, bis der verbaute Akku wieder voll geladen ist. Eine Ewigkeit.

Nur 30 Sekunden bis zur vollen Ladung

Das israelische Startup StoreDot Ltd. gibt an, diese lange Wartezeit bis zur vollen Akkuladung nun mit einer neuen Technologie drastisch verkürzen zu können. In einem Video zeigen die Forscher ein Samsung Galaxy S3, dessen Akku sich im kritischen (roten) Bereich befindet. Nach dem Verbinden mit dem speziellen StoreDot-Lader vergehen nur 30 Sekunden, bis 100 Prozent erreicht sind. Rekordverdächtig – und fast zu schön, um wahr zu sein.

Doch seht selbst:

StoreDot schreibt auf der eigenen Website, neuartige Displays, Datenspeicher, Bildsensoren, Nano-Medizin sowie Akkus zu entwickeln. Der Punkt „Next-generation batteries“ wird folgendermaßen umschrieben:

StoreDot’s technology for energy storage can be applied in batteries for mobile devices, providing a sustainable solution that can replace lithium-ion batteries. Due to the size of StoreDot nanodots, the electrode capacitance is increased, resulting in next-generation batteries and super-capacitors that can be fully charged in minutes rather than hours.

Klingt auf dem digitalen Papier zwar recht allgemein und wenig konkret – beschreibt in meinen Ohren aber immerhin einen nachvollziehbaren Ansatz, der hoffen lässt.

Bleibt die Frage danach, wer eigentlich hinter StoreDot steht? Nach Angaben des „Wall Street Journal“ (WSJ) ging StoreDot Ltd. aus der Nanotech-Abteilung der Universität von Tel Aviv hervor. Der im Video gezeigte Prototyp sei auf der Microsoft Think Next-Konferenz in Tel Aviv gezeigt worden, so das WSJ. Auch seien Lösungen für andere Smartphone-Modelle geplant, berichtet die Zeitung.

Massenproduktion ab 2016

Die kommerzielle Vermarktung strebt StoreDot für das Jahr 2016 an. In der schnelllebigen Tech-Branche eine Ewigkeit. Daher sollte man sich nicht zu sehr auf die Lösung von StoreDot verlassen – wenn sie denn überhaupt real ist. Das Video konnte mich jedenfalls nicht wirklich überzeugen. Ich glaube an eine solche physikalische Wunderlösung erst, wenn ich sie selbst ausprobiert habe.

Bild: Concept background of colorful batteries / Shutterstock


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Über den Autor

Michael Müller

Michael tritt seit 2012 in über 140 Beiträgen den Beweis an, trotz seines Allerweltnamens real existent zu sein. Seit Abschluss seines Wirtschaftsstudiums arbeitet er als Kommunikationsberater für namhafte Technologie-Firmen, kann und möchte das Schreiben aber nicht sein lassen.

14 Kommentare

  • So buzzwords wie „quantum“ „new physics“ oder Aussagen wie „industry not ready“ lassen bei mir ja auch immer alle Alarmglocken schrillen.

  • Also falls der Akku auf einem Super-Kondensator ala Graphen basiert wäre das durchaus denkbar. So jedenfalls ist die Hoffnung was man mit vielfach gefalteten zweidimensionalen Kohlenstoff-Lagen anstellen könnte.

  • Keine Ahnung wo ihr das ausgekramt habt, aber die Vorstellung dieser Technologie war vor gefuehlten Jahren und damals hiess es noch, dass die Amis da in ein israelisches Unternehmen Ressourcen stecken um es voranzutreiben. Damals wie heute die gleiche Frage, wann wird es real und fuer den kleinen Verbraucher nutzbar! Also, kann noch ne Weile dauern. 2016 hat das garantiert Google oder Samsung auch schon hinbekommen 😉 Schade eig, denn die Idee klingt gut

    • Gab es damals einen Prototypen auf einer Microsoft-Konferenz? Ein Video? Denke nicht, wurde nämlich erst jetzt veröffentlicht 😉 – das machts zu einer interessanten Neuigkeit.

      Richtig tief ausgekramt habe ich folglich nichts. Die Technologie wird somit offenbar – wenn denn kein Fake – immerhin realER.

  • Alle Jahre wieder. Auch wenn Kondensatoren und nicht Akkus der Schlüssel zur Elektrorevolution sind, gebe ich auf solche Meldungen schon lange nichts mehr.

  • ja ne ist klar. mal eben kurz durchrechnen. standard 2300mAh akku, also etwa 8wh.
    in 30sec zu hundert prozent aufladen, das wären dann etwa ein kW Leistung und knapp 300A Stromstärke.
    Ich befürchte in zukunft werden wir zum akku laden ein mittelgroßes diesel aggregat und eine drehstromleitung brauchen. und damit das iphone dann nicht gleich schmilzt empfehle ich für die zukunft keramik gehäuse statt alu oder plastik. 😉

  • Ich nehme jetzt mal den Akku eines iPhone5 als Beispiel:
    Dieser hat eine Kapazität von ca. 1,44 Ah (Quelle: Wikipedia)
    30 Sekunden sind umgerechnet 0,008333 h.
    Mit diesen beiden Werten kann ich mir ganz einfach (ohne dabei den Wirkungsgrad zu berücksichtigen) den Strom ausrechnen, den ein Ladegerät bringen müsste, um diesen Akku in 30 Sekunden aufzuladen.
    Es wären knappe 173 A!!!
    Die im Video gezeigten Stecker würden das vielleicht noch kurzzeitig verkraften. Aber die ebenfalls im Video sichtbaren „Modellbahndrähtchen“?
    Ich denke eher an einen 1. Aprilscherz, dem irgend so ein nichtsahnender und im Physikunterricht eines Elite-Gymnasiums nicht besonders guter Schüler und späterer Online-Redakteur auf dem Leim gegangen ist.
    Und nun ist es ihm gelungen, dieses Gerücht im ganzen Netz zu verbreiten…

  • Die Rechnug von Negativity hab ich so auch schon gemacht, das kann natürlich nicht aufgehen, da Bräuchte man schon ein armdickes Kabel. Und die Kapazitäten der Lithium-Zellen in so einem Telefon dürften heute auch noch deutlich höher liegen.
    Die einzige Möglichkeit wäre da sicherlich Akkus mit wahnsinnig großen Spannungen zu fahren (ich denke da so an Größenordnungen von mehreren hundert Volt) und eben zwischen Telefon und Akku wieder runterzusetzen, mit Flyback- oder Forwardconverter.. In diesem Fall hätte der gute Mann den Stecker (WTF?, das war imho ja ein stinknormaler Eurostecker) auch garantiert nicht anfassen mögen. Ganz davon abgesehen hätte man da beim vorzeitigen abstecken ein ganz erhebliches Lichtbogenproblem.
    Für mich steht fest: Mehr fake könnte das Video garnicht sein.

  • Es geht nicht um ein Ladegerät, sondern um ein Ladegerät mit neuem Akku, der von der Firma entwickelt wurde und viel zu groß für das Smartphone wäre. Auf der Firmenseite findet man auch den Link zu einem Interview in einer Nachrichtensendung.

  • Das kann nur ein fake sein. Physikalisch einfach unmöglich! Ausserdem, wer will schon mit einem Ladegerät durch die Stadt laufen?

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