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Facebooks Multi-App-Wahn geht weiter: Zeitraffer-App Hyperlapse soll uns vordergründig unterhalten – und hintenrum greift die Datenkrake zu?

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geschrieben von Jürgen Kroder

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Was will Mark Zuckerberg mit Instagram? Diese Frage stellte man sich, als Facebook vorletztes Jahr die beliebte Foto-App kaufte. Und auch heute schwirrt diese Frage noch durch den Raum. Denn sind wir mal ehrlich: Bislang hat man nicht verstanden, wofür eine Milliarde US-Dollar ausgegeben wurde.

Mit Hyperlapse Zeitraffer-Videos erstellen

Klar, es soll mit Werbung Geld verdient werden. Und mit neuen Features driftet Instagram in Richtung Twitter, um die Verweildauer und Reichweite zu erhöhen. Und nun? Wann kommt der richtig große Wurf? Oder ist der nun da?

Das ganz neue Ding von Instagram nennt sich „Hyperlapse“. Hierbei handelt es sich um eine frisch veröffentlichte App, mit der man zeitkomprimierte Videos („time lapse videos“) erstellen kann.

Wie man in diesem Clip sehen kann, fällt die Funktion ganz nett aus:

Der Facebook’sche „Für jede Funktion brauchen wir eine eigene App“-Wahn

Stop! Wie war das? Eine neue App? Eine eigenständige App? Ja, richtig gelesen! Statt die Hyperlapse-Funktion in Instagram zu packen, hat man ein komplett neue App entwickelt.

Wie bitte?

Greift da jetzt der Facebook’sche „Für jede Funktion brauchen wir eine eigene App“-Wahn? Scheint so. Nachdem man ja schon kürzlich den Facebook Messenger ausgelagert hat, ist Hyperlapse der nächste eigenständige Ableger.

Warum?

Eine gute Frage. Einerseits vermute ich, dass Mark Zuckerbergs Entwickler so die Instagram-App schlank halten wollen. Von der Download-Größe her, aber auch bei der Bedienung. Noch mehr Funktionen würden die mittlerweile eh schon verkomplizierte App noch verwirrender machen.

Auch bei der Positionierung erscheint eine zusätzliche App sinnvoll: Instagram behält weiterhin den bekannten Stempel der Foto-Community, Hyperlapse dagegen ist das verrückte, neue Video-Ding.

Der Datenkrake wachsen immer mehr Arme

Aus Marketing-Sicht mag eine neue App also Sinn machen. Aber als User muss ich mir am Kopf kratzen. Wenn ich Fotos im Vintage-Style schießen will, dann greife ich zu Instagram. Witzige Videos werden mit Hyperlapse erstellt. Wenn ich das Neueste über meiner Freunde erfahren will, dann öffne ich die Facebook-App. Und um zu chatten, braucht’s den Facebook Messenger. Will ich eine Seite managen, brauche ich den Seiten-Manager. WTF!

So langsam sammelt sich ein ganzer App-Zoo auf meinem Smartphone, nur um die Dienste von Mr. Zuckerberg nutzen zu können. Oh no!

Auch wenn Hyperlapse echt gut gemacht ist und einigen Spaß bringt, so bin ich doch extrem kritisch. Noch mehr Apps, zwischen denen man hin und her switchen soll – nein, das brauche ich nicht.

Noch mehr Daten über mich?

Und mit dem neuen Release frage ich mich: Was will Facebook damit? Welche Strategie steckt dahinter? Mehr Apps = mehr Informationen über die User absaugen – ist das die Richtung? Noch mehr persönliche Daten von mir, eben über einen anderen Kanal? Wenn darüber nachdenke, kriege ich Gänsehaut.

Oder sehe ich das alles zu kritisch? Bin ich durch die Big-Data-Diskussionen und NSA-Enthüllungen zum Paranoiker geworden, der überall das Böse lauern sieht? Was ist eure Meinung dazu? Ich bin sehr gespannt!

Bild: Instagram / Screenshot

 


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Über den Autor

Jürgen Kroder

Jürgen bezeichnet sich als Blogger, Gamer, Tech-Nerd, Autor, Hobby-Fotograf, Medien-Junkie, Kreativer und Mensch. Er hat seine unzähligen Hobbies zum Beruf gemacht. Und seinen Beruf zum Hobby. Obwohl er in Mainz wohnt, isst er weiterhin gerne die Maultaschen aus seiner Heimat.

7 Kommentare

  • Es ist nicht nur so, dass die Downloadgröße kleiner gehalten wird, die einzelnen Apps übersichtlicher bleiben und man nur das installiert, was man auch wirklich braucht (bei günstigeren Smartphones mit weniger Speicher relevant), es ist einfach so, dass durch die Aufsplittung von riesigen Angeboten wie von Google oder Facebook, auch die Möglichkeit zeitnaherer Updates möglich gemacht wird.
    An sich würde ich diese Thematik nicht gar so negativ betrachten.
    Ich meine, die Apps arbeiten wunderbar zusammen, dass Multitasking kein Problem ist.

    ~ Matthias

  • Es gab dazu auch ein Statement von den Jungs von Instagram – Hyperlapse ist zu cool um es in Instagram zu verstecken, sodass nur Poweruser es benutzen und es der Durchschnittsuser gar nicht findet.
    Außerdem können einzelne Apps schneller und besser überarbeitet und geupdatet werden, egal ob es um Funktionalität geht oder um das Interface.

    Ich persönlich begrüße das sehr, nicht nur weil ich Instagram gar nicht benutze. Wo ist das Problem? Für jede große Funktion eine App. Wenn ich ein Hyperlapsevideo aufnehmen will starte ich die App und kann sofort loslegen.

    Und wie soll Facebook durch das Aufsplitten von Funktionalität in mehrere Apps mehr Informationen erhalten? Im Gegensatz zu einer großen App? Versteh ich auch nicht.
    Versteht glaube ich niemand außer dem Autor.

    Ich muss sagen, jeder Artikel den ich hier in den letzten Monaten gelesen habe war eine Enttäuschung – entweder sehr schlecht recherchiert oder sehr schlecht argumentiert. 🙁

  • @Jon: Jede Facebook-App spricht eine etwas andere Zielgruppe an. Und andere Bedürfnisse und Anwendungsgebiete. In Facebook poste ich Statusmeldungen, interessante Links, gebe meinen Standort-Preis. Im Chat tausche ich mich mit meinen Freunden über Banales, aber auch mal über Intimes aus. Auf Instagram poste ich Bilder von meinem Essen, aber auch aus meinem Urlaub – inkl. Standortdaten. Und mit Hyperlapse nutze ich die Videofunktion, um meine Kinder zu filmen oder noch mehr Clips aus meinem Urlaub aufzunehmen.

    Das sind verschiedene Szenarien, womit Facebook noch intensiver in mein Leben eindringt und noch mehr über mich – besser gesagt: über ALLE NUTZER – erfährt. Ist das gut?

  • @Jürgen,

    die Aussage, so wie ich sie verstanden habe, war, dass Facebook durch die Aufteilung der Funktionalität auf mehrere Apps mehr Daten bekommt.
    Praktisch: Wenn Facebook die Hyperlapsefunktion in eine extra App ausgliedert, bekommt es dadurch mehr Informationen über mich, als wenn sie die Funktion in z.B. Instagram integrieren.
    Die Formulierungen in der Überschrift / dem Artikel lassen meiner Meinung nach auch keine andere Interpretation zu, weil eine Abgrenzung der Inhalte fehlt:

    „Mehr Apps = mehr Informationen – ist das die Richtung?“

    Es ging mir, wie ich auch betont habe, nicht darum dass FB mehr Informationen will sondern, dass dies vermeintlich durch die Aufsplittung von Apps geschieht – und den Schluss verstehe ich nicht.

  • Wie bekommt Facebook mehr Daten durch mehr Apps?
    Wenn ich ein Video mit Instagramm erstelle, dann bekommt Facebook dadurch Daten.
    Erstelle ich dasselbe Video mit der neuen App, bekommt Facebook dieselben Daten aus demselben Video.
    Oder sind dann mehr Informationen in dem Video drin, die man analysieren kann?

  • @Kamikater: Wenn du an der gleichen Location die fast gleichen Dinge machst, sind das natürlich fast die identischen Informationen. Aber wie schon in meinem letzten Kommentar an Jon beschrieben, geht es um andere Situationen.
    Wenn FB immer mehr Apps für immer mehr Lebenslagen herausbringt, werden wir die Apps immer öfter nutzen – und somit hat die Kraken dann überall ihre Tentakel drin.

  • Ich kann auch nur warnen vor dem großen Jahrmarkt, wo sich alles dreht und bewegt. – Vor allem, wenn man dumm, wie Bohnenstroh ist.
    Pisa läßt grüßen)
    Wenn man allerdings sein Handwerkzeug beherrscht, dann …
    … steht einem die Welt offen!

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