Google setzt die LSR-Schere an: Suchergebnisse von BILD, Bunte und Co. werden kastriert

Michael Müller

LSR_BILD_davor

Google kastriert die Suchergebnisse von Newsseiten, die in der VG Media organisiert sind, dazu zählen Titel von Axel Springer und Burda. Darunter die Reichweiten- und Mainstream-Bomber bild.de und bunte.de. Damit reagiert der Suchmaschinen-Gigant auf eine Klage der Medienhäuser, setzt ein klares Zeichen – und macht in meinen Augen alles richtig.

Sperriges Wort ist sperrig

Das Leistungsschutzrecht. Ein sperriges Wort. So sperrig wie der juristische Hintergrund. Im Zentrum steht die Frage, ob eine Suchmaschine Textausschnitte (so genannte „Snippets“) oder Vorschaubilder („Thumbnails“) von einer Nachrichtenseite „klauen“ darf, um damit das eigene Suchergebnis aufzuhübschen und folglich einen Mehrwert für den Suchenden zu generieren.

Im Grunde eine Win-Win-Situation: für Google, für den Suchenden, für den Gefundenen. Will man meinen, ganz so einfach ist es aber nicht. So klagte die Verwertungsgesellschaft VG Media gegen Google, mit dem Ziel, die in ihren Augen unrechtmäßige Abbildung von Snippets und Thumbnails zu unterbinden.

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Google quittiert die juristische Irrfahrt

Gesagt, getan. Jetzt reagiert Google auf diese juristische Irrfahrt der Verlage und kürzt kurzerhand ab dem 9. Oktober die eigene Darstellung der Suchergebnisse von Mitgliedern der VG Media. In einem Blogeintrag schreibt der Managing Director von Google, Philipp Justus:

Wir bedauern dieses juristische Vorgehen sehr, denn jeder Verlag konnte schon immer selbst entscheiden, ob und wie seine Inhalte in unseren Diensten angezeigt werden. Vor dem Hintergrund dieser Klage werden wir Snippets und Thumbnails einiger bekannter Webseiten wie bild.de, bunte.de oder hoerzu.de nicht mehr anzeigen, also jener Verlage, die in der VG Media organisiert sind. Für diese Seiten werden wir nur noch den Link zum Artikel sowie dessen Überschrift anzeigen. Andere große deutsche Anbieter haben die Inhalte von Mitgliedern der VG Media sogar vollständig entfernt.

Dadurch sehen Suchergebnisse der VG Media-Mitglieder in Zukunft nicht mehr so aus:

LSR_BILD_davor

Sondern eher so:

LSR_BILD_danach

Eine drastische Verschlechterung, findet ihr nicht?

Hier sparen, dort kämpfen

Für mich sieht das ganze Getöse rund ums LSR nach klassischer Selbstgeißelung aus. Die offensichtliche Arroganz und das seltsame Selbstverständnis der medialen Kastraten wirkt auf mich äußerst befremdlich, ganz besonders in Zeiten, in denen überall von Sparmaßnahmen und Einstellungsstopps die Rede ist. Holger Schmidt vom „Focus“ hat eine schicke Infografik gebaut, die das Kopfschütteln noch unterstützt:

Klickstatistiken_Holger_Schmidt

Wie man sieht, sind die großen Newsportale zwar relativ unabhängig und profitieren von einem großen Anteil an Direkteingaben, jedoch sind es stets zweistellige Zugriffswerte, die alleine über Suchmaschinen, also Google, generiert werden. An diesem sicheren Zubringer zu sägen, birgt große Gefahren.

Zugegeben, natürlich ist das Thema weitaus komplexer, als von mir an dieser Stelle dargestellt. Vereinfacht geht es aber schlussendlich um nichts anderes, als um Machtspiele und Geld. So ist es nur konsequent von Google, jetzt ein klares Zeichen zu setzen. Außerdem muss ich sagen: Lieber Post von Justus, als Post von Wagner.

LSR? Wir verzichten dankend

Im Zuge der Diskussion rund ums LSR möchte ich nicht unerwähnt lassen, dass wir von BASIC thinking an ein freies, gepflegtes Miteinander im Netz glauben, von dem letztlich jeder profitiert. Ich möchte daher aus unserem Impressum zitieren:

Seit dem 1. August 2013 gilt in Deutschland das umstrittene Leistungsschutzrecht. Da auch BASIC thinking verschiedene Anfragen dazu erhalten hat, möchten wir explizit klarstellen: Links sind die Essenz der Netzkultur. Ein Klima der Unsicherheit bei der Verlinkung auf die Inhalte anderer gefährdet die Prinzipien und Grundlagen des Internets. Vom Leistungsschutzrecht werden wir daher keinen Gebrauch machen.

Dabei bleiben wir.

Bilder: Screenshots; Michael Müller; Holger Schmidt

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Michael tritt seit 2012 in über 140 Beiträgen den Beweis an, trotz seines Allerweltnamens real existent zu sein. Nach Abschluss seines Wirtschaftsstudiums arbeitete er einige Jahre als PR-Berater, bevor er 2016 als Tech-Kommunikator bei einem deutschen Spezialglas-Hersteller einstieg.