Digitale Nomaden

So kannst du als Webworker konzentriert arbeiten

konzentriert arbeiten
geschrieben von Marinela Potor

Marinela Potor ist digitale Nomadin. Kein fester Wohnsitz, immer unterwegs, Leben auf Reisen. Für viele ein Traum, für andere ein Graus. Im Tagebuch einer digitalen Nomadin berichtet Marinela wöchentlich auf BASIC thinking und auf MeinLeben.digital von ihren Reisen, was es mit dem Leben aus dem Rucksack auf sich hat und warum es sich lohnen kann, auch mal über den eigenen Tellerrand hinauszublicken. Diesmal geht es darum, wie ihr als digitale Nomaden ohne feste Arbeitszeiten und trotz aller Ablenkung dennoch produktiv und konzentriert arbeiten könnt.

Liebes Tagebuch,

eine der häufigsten Fragen, die ich als digitale Nomadin gestellt bekomme (neben: „wie kann ich auch so leben?“ oder: „wieso bist du im Dezember so braun gebräunt?“) ist: „Wie schaffst du es, trotz aller Ablenkungen, fokussiert zu arbeiten?” Denn, seien wir mal ehrlich, digitale Nomaden haben ihre „Büros“ in den tollsten Orten der Welt und es ist nicht immer leicht am Laptop sitzen zu bleiben, wenn im Hintergrund das türkisblaue Meer so einladend aussieht. Doch nicht nur das, digitale Nomaden arbeiten ja auch den lieben langen Tag im Internet – und das bietet wahrscheinlich noch viel mehr Ablenkung als die atemberraubende Kulisse, in der man sich gerade befindet. Wie schafft man es da, konzentriert und produktiv zu arbeiten? Wie bleibt man trotz ständiger Ablenkungen bei der Arbeit? Eins gleich vorneweg: Wenn ihr ohne feste Bürozeiten oder ohne einen Chef, der euch überwacht, euren inneren Schweinehund nicht überwinden könnt, dann ist das digitale Nomadentum wahrscheinlich nichts für euch. Ohne Selbstdisziplin funktioniert diese Lebensweise einfach nicht. Darüber hinaus kann man aber mit einigen wenigen Tricks selbst auf einer paradiesischen Insel oder in der spannendsten Stadt die richtige Arbeitsmotivation finden.

Vergesst die Tools, arbeitet an eurer Einstellung!

Klar, es gibt zigtausend Tools, die wir nutzen können, um unsere Arbeitsprozesse effizienter zu gestalten und uns besser zu organisieren. Doch ich finde das bringt alles herzlich wenig, wenn man sich nicht selbst kontrolliert. Das ausgefeilteste Programm hilft euch nichts, wenn ihr – anstatt an euren Blogposts zu arbeiten – stundenlang auf Facebook und Twitter surft. Jeder Nomade hat sicherlich seine eigenen Mittel und Wege, um sich auf die Arbeit zu konzentrieren. Im Folgenden möchte ich euch die Methoden vorstellen, die für mich am besten funktionieren.

Konzentriert Arbeiten will strukturiert sein

Es ist egal, ob ihr digitale Kalender und Listen nutzen möchtet, oder euch ganz klassisch alles in ein Notizheft schreibt, aber ich finde es hilft, wenn man stets im Blick hat, was man alles zu tun hat. Erstens, vergisst man so keine wichtigen Deadlines und zweitens ist es immer ein tolles Gefühl, wenn man einen Punkt auf seiner To-Do-Liste abhaken kann. Ich überarbeite eigentlich täglich meinen Terminkalender. Das hilft mir zusätzlich, immer die Übersicht zu behalten. Denn Kunden ändern ihre Wünsche, es kommen andere Dinge dazwischen, sodass mein Wochenplan von vor zwei Tagen schon wieder ganz anders aussehen kann.

Was mir besonders gut hilft: Alles immer sofort eintragen. Auch die kleinste Kleinigkeit. Ich sollte jemanden anrufen? Ich trage das sofort in meinen Google Kalender mit Uhrzeit und Datum ein. Ein Skype-Gespräch in zwei Wochen? Wird alles sofort notiert, Kontakte direkt hinzugefügt, denn sonst ist alles sofort wieder vergessen.

To-Do-Listen erstelle ich eigentlich für jeden Tag. Denn ich bin jemand, der denkt, er hätte Superwoman-Fähigkeiten, und dass es absolut machbar ist, 3 Übersetzungen, 4 Artikel, 2 Skype-Interviews und eine Radtour an einem Tag zu machen. Sobald ich dann anfange, dies zu notieren, merke dann selbst ich: „Moment mal, das klappt so nicht. Wie kann ich meinen Tag realistischer planen?“ Meine To-Do-Listen enthalten deshalb nicht nur meine Aufgaben für den Job, sondern auch alles andere, was ich an dem Tag so vorhabe. Ich ordne dabei meine Tasks nach Wichtigkeit. Klar, es wäre toll, wenn ich es heute noch schaffen würde, meine Reisefotos zu sortieren. Aber wenn ich dafür einen Artikel nicht mehr fertig bekomme, habe ich meine Prioritäten nicht richtig gesetzt.

Ich habe mittlerweile eine kleine morgendliche Routine, in der ich kurz meinen Tag ordne: Was steht an? Was muss erledigt werden? Was sagt mein Terminkalender? Bleibt alles beim Geplanten, oder muss ich etwas ändern? Damit vergesse ich nie mehr, etwas Wichtiges zu erledigen, was ich dann um 2 Uhr morgens fieberhaft fertig machen muss UND bin gleichzeitig viel effizienter beim Arbeiten.

Die richtige Aufgabe zur richtigen Tageszeit

Für mich gibt es produktive Arbeitsstunden, kreative Tageszeiten und Zeiten, an denen ich selbst mit größter Konzentration nicht mal drei Zeilen geschrieben bekomme. Seid ihr jemand, der abends erst so richtig auf Hochtouren anläuft? Oder seid ihr einer dieser merkwürdigen Artgenossen, die um 5 Uhr früh aufstehen, um joggen zu gehen, bevor sie produktiv sein können? Oder geht bei euch nichts, ohne ein ausgiebiges Frühstück? Wie und wann auch immer ihr am besten in Fahrt kommt – das ist eure ideale Arbeitszeit. Versucht nicht abends zu arbeiten, damit ihr tagsüber viel unternehmen könnt, wenn ihr dann immer hundemüde seid, und eigentlich nur noch Game of Thrones Episoden schauen wollt. Andersherum bringt es auch nichts, euren Wecker um 6 Uhr morgens zu stellen, wenn ihr einfach kein Morgentyp seid. Die Freiheit habt ihr ja als digitale Nomaden – und die solltet ihr auch zu eurem Vorteil nutzen!

Bei mir ist es zum Beispiel so, dass ich oft abends die besten Ideen habe, aber am frühen Morgen am produktivsten bin. Dementsprechend versuche ich mir meine Aufgaben einzuteilen. Das, was die meiste Brainpower erfordert, wird morgens erledigt. Andere Aufgaben kann ich dann entspannt am Abend, zum Beispiel nach einem Tag am Strand, erledigen. Und kurz bevor ich schlafen gehe, notiere ich mir dann alle Ideen, die mir so einfallen.

Motivation, wo bist du?

Klar, Organisation ist das Eine, wie aber kriegt man es auf Reisen hin, all das zu tun und zu sehen, was man möchte, und gleichzeitig noch die Zeit zu finden, zu arbeiten? Wenn ihr langfristig, also mehrere Monate an einem Ort seid, können Coworking Spaces dabei helfen, euch eine gewisse Arbeitsroutine in einer kreativen Atmosphäre zu geben. Denn die Menschen, die in Coworking Spaces gehen, suchen genau das: Einen ruhigen Ort, um konzentriert zu arbeiten. Das ist ansteckend und motivierend. Darüber hinaus seid ihr natürlich dort auch in einem Umfeld von Menschen, die einen ähnlichen Lebensstil haben. Daraus ergeben sich neue Projekte, neue Freundschaften und meiner Erfahrung nach bekommt man dadurch auch eine große Portion Motivation mit.

Wenn ihr als Backpacker unterwegs seid, ist das natürlich schwieriger. Die wenigsten digitalen Nomaden, die ich kenne, sind permanente Backpacker, weil das eigentlich kein Job und keine Motivation in dem Rhythmus mitmachen kann. Aber natürlich unternehmen wir Nomaden auch oft monatelange Backpacking-Touren. Hier gibt es nicht immer Coworking-Spaces oder andere digitale Nomaden, die euch motivieren können. Wie könnt ihr also hier die Motivation für’s Arbeiten finden?

Ich habe festgestellt, dass ich in Backpacker-Hostels einfach nicht arbeiten kann. Ständig ist was los, ständig ist man von netten Reisenden umgeben, die man kennen lernen möchte und nie findet sich die Zeit zum Arbeiten. Deshalb übernachte ich eigentlich vorwiegend in ruhigen Hostels oder Airbnb-Unterkünften, in denen ich nicht das Gefühl habe, ich verpasse die beste Party des Jahres, wenn ich am Laptop sitze. So schützt man sich selbst ein wenig vor der Versuchung, die Arbeit aufzuschieben und hat außerdem die nötige Ruhe zum Arbeiten.

Meine zweite Strategie ist laaangsaaames Reisen. Es kann ja sein, dass der Reiseführer drei Tage in einer Stadt empfiehlt, aber ich setze dann immer noch zwei Tage drauf, da ich tatsächlich auch einfach mal reine Arbeitstage einplane. An diesen sitze ich dann wirklich nur im Zimmer und arbeite und arbeite und arbeite. Dadurch, dass ich es ja langsam angehen lasse und mir einfach mehr Zeit nehme, habe ich dann erstens nie das Gefühl, etwas zu verpassen und bin zweitens nie völlig ausgelaugt, da ich jeden Tag viel unternehme und viel arbeite.

Bewusst Freiräume einplanen

Bei aller Arbeit, ist es gerade für digitale Nomaden auch wichtig, sich bewusst freie Zeiten einzuplanen. Denn es gibt im Prinzip fast immer was zu tun und erfahrungsgemäß arbeiten digitale Nomaden sogar mehr Stunden als Angestellte. Von daher ist es auch wichtig, sich ganz gezielt Pausen zu setzen. Das klingt zwar überhaupt nicht nach einem Tipp für konzentriertes Arbeiten, aber wenn ihr euch keine Ruhezeiten gönnt, und praktisch 24/7 rackert, fehlt euch irgendwann der Elan, um noch etwas zu tun und ihr fragt euch schnell, warum ihr eigentlich ein Leben als digitale Nomaden gewählt habt, wenn ihr dabei nur in dunklen Hostelzimmern vorm Laptop sitzt.

Das Wichtige dabei ist, die für euch richtige Balance zwischen Freizeit und Arbeitszeit. Lasst also weder eure Freizeit noch eure Arbeitszeit überhand nehmen, sondern plant bewusst Arbeitszeiten und Entspannungszeiten. Wenn ihr zum Beispiel wisst, es steht ein großes Projekt an, für das ihr die nächste Woche Nachtschichten schieben müsst, dann plant bewusst danach einen oder zwei Tage zum Entspannen. Oder legt Freizeitaktivitäten bewusst um eure Arbeit herum. Ihr wollt am Wochenende wandern gehen? Dann seht zu, dass ihr bis dahin eure Projekte abgeschlossen habt, um dann nicht beim Wandern hektisch zu werden, weil eure Deadline immer näher rückt.

Ich arbeite, wie gesagt, morgens am besten. Also stehe ich früh auf, um so viel wie möglich in diesen ersten Stunden zu erledigen. Danach habe ich dann den ganzen Tag Zeit, um mir Sehenswürdigkeiten anzusehen, mich mit Freunden zu treffen oder einfach zu entspannen – bevor es dann abends wieder ans Arbeiten geht. Diese Routine ist für mich am besten. Probiert also aus, was für euch am besten funktioniert, doch achtet dabei, dass ihr Freizeit und Arbeitszeit strikt trennt.

Ich habe mir darüber hinaus auch angewöhnt, einen ganzen Tag pro Woche, nur den Projekten zu widmen, die mir persönlich wichtig sind. Denn ich habe festgestellt, dass ich sonst nie zu  Herzensangelegenheiten komme, wie eine eigene Webseite aufbauen oder spannende Reportagen recherchieren oder kreatives Schreiben. Es gibt immer einen Job, den man erst erledigen muss, sodass man all diese Dinge immer weiter auf die lange Bank schiebt. Dabei sind gerade solche Projekte oft sehr wichtig, um euch persönlich und beruflich voranzutreiben. Es ist unglaublich frustrierend, wenn man nie dazu kommt, die tolle Idee, die man mal vor Monaten hatte, umzusetzen. Wenn ihr euch dagegen einen Tag, oder auch einige Stunden pro Woche fest einplant, in denen ihr euch darum zu kümmert, gibt euch das auch wieder die nötige Motivation, um an anderen Aufgaben zu arbeiten.

Alles ausschalten

Neben der Motivationsfindung und der Organisation eurer Projekte ist es auch unglaublich wichtig, WIE ihr beim eigentlichen Arbeiten vorgeht. Denn selbst wenn ihr euch vornehmt, den ganzen Tag nur zu schuften und dann am Ende doch wieder die meiste Zeit auf Facebook und Wikipedia verplempert habt, bringt das alles nichts.

Zieht die Vorhänge zu!

Ich meine das ernst. Klar, ist es toll mit der Aussicht auf die Bergkulisse zu arbeiten, aber es ist auch unheimlich ablenkend. „Oh, da war grade ein Vogel!“ oder: „Guck mal die Wanderer da hinten.“ Je weniger Ablenkung um euch herum ist, umso konzentrierter und motivierter könnt ihr tatsächlich arbeiten.

Notiert alles, was ihr tut!

Schreibt euch alles auf, was ihr am Laptop tut, also auch die kleinste Kleinigkeit, die ihr tut. Zum Beispiel: 10:45 Uhr – 11:00 Uhr Blogpost verfassen. 11:00 – 11:03 Facebook gecheckt. 11:03 – 11:07 Twitterfeed gecheckt. 11:07-11:15 Einen Artikel vom Twitterfeed gelesen. 11:15-11:20 Links vom Twitter-Artikel gelesen. Ihr merkt schon, ihr habt in diesem Beispiel eine halbe Stunde gearbeitet, aber davon nur wirklich 15 Minuten tatsächlich etwas getan. Wenn ihr euch aber nicht selbst beobachtet, wundert ihr euch schnell, wo eigentlich die Zeit geblieben ist und warum ihr wieder mal nichts fertig bekommen habt.

Smartphones weglegen

Gerade wenn ihr dazu neigt, besonders oft Taskswitching zu betreiben, gibt es eigentlich nur eine Möglichkeit, um konzentriert zu arbeiten: Alles ab- und ausschalten. Damit meine ich euer Handy (jeder Whatsapp-Piepser zu einer neuen Nachricht ist eine Ablenkung), eure Emails im Browser (jedes Mal wenn eine neue Mail eintrudelt, wollen wir diese checken) und alle Social Media Plattformen, die ihr üblicherweise im Browserfenster geöffnet habt.

Denn häufiges Taskswitching bedeutet nicht nur einige verlorene Minuten, jedes Mal, wenn ihr euch einer anderen Aufgabe widmet, braucht euer Gehirn ganze 20 Minuten, um sich wieder auf die vorige Aufgabe konzentrieren zu können. So verschwendet ihr mal eben ganze STUNDEN produktiver Arbeit.
Ich checke zum Beispiel meine Emails nur drei Mal am Tag, genau so meine Social Media Feeds und wenn ich arbeite, dann tue ich das ganz ohne Ablenkung.

Es sind wirklich nicht die tollen Tools, die euch helfen, produktiv und motiviert zu arbeiten, sondern kleine Tricks wie diese. Findet Wege, um euren Arbeitsalltag zu organisieren und zu strukturieren, trennt klar zwischen Arbeitszeit und Freizeit und schaltet bewusst alle möglichen Ablenkungen aus.

Wenn ihr noch weitere Tipps und Ratschläge für motiviertes und produktives Arbeiten habt – nur her damit! Ich freue mich wie immer auf eure Kommentare.

Bis nächste Woche, dann wieder aus irgendeinem Winkel der Welt,

Eure Marinela

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Über den Autor

Marinela Potor

Marinela Potor hat als klassische Radiojournalistin angefangen, und ist dann unklassisch (und nicht ganz freiwillig) zur digitalen Nomadin geworden. Seit 3 Jahren reist sie um die Welt und schreibt zu politischen, sozialen und digitalen Themen.

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