Digitales

#rpTEN: Das war Tag 2 auf der re:publica

re:publica – republica – rpTEN
geschrieben von Markus Werner

Ich berichte für BASIC thinking direkt von der 10. re:publica in Berlin. Am zweiten Konferenztag habe ich ein bisschen journalistisches Selbststudium betrieben, dank Gunter Dueck endlich die Cargo-Kulte verstanden und bin ein bisschen in die Virtuelle Realität beim ZDF abgetaucht. Den Abend habe ich mit dem Digitalen Quartett ausklingen lassen.

Mein zweiter #rpTEN-Tag begann sehr entspannt. Naturgemäß waren die meisten noch recht müde, was mir meine Twitter Timeline auch prompt verriet. Kein Wunder, denn nach den Sessions wird auf der re:publica bis tief in die Nacht bzw. die frühen Morgenstunden ordentlich gefeiert. Erstrecht, wenn es der 10. Geburtstag ist. Da hast du es dann natürlich etwas schwer, wenn um 10 Uhr der erste Talk losgeht. Gerade diesen wollte ich keinesfalls verpassen.

Was sind eigentlich Cargo-Kulte?

Gunter Dueck ist Professor der Mathematik und arbeitet bei IBM. Zu Beginn seines Vortrags war ich zugegebenermaßen etwas skeptisch. Er kam auf die Bühne und vermittelte so eine „Naja-reden-wir-mal-über-was“-Haltung. Auch seine Art und Weise zu sprechen, irritierte mich zunächst. Ich dachte mir nur, ich wollte wissen, was Cargo-Kulte sind und kein laxes Unterhaltungsprogramm zum Dienstagmorgen vorgesetzt bekommen. Da hätte ich auch länger schlafen können. Doch meine Meinung änderte sich relativ schnell. Ehe ich mich versah, war ich auf einmal mitten drin in seinem Vortrag und wusste, was Cargo-Kulte sind. Die Wurzeln liegen in Melanesien und die Menschen glauben daran, dass die Ahnen mit westlichen Waren wiederkehren. Zumeist werden Symbole der westlichen Welt angebetet. Also noch einfacher ausgedrückt: Sie hoffen drauf, dass ein Flugzeug vollgepackt mit Gütern bei ihnen landet. Das kommt aber nie.

Diese Cargo-Kulte eignen sich wunderbar, um sie auch in unserer Welt zu suchen. Gunter Dueck zählt gleich ein paar Kulte auf: Sharing-Kult, Statistik-Kult, Brainstorming oder Kickoff. Unsere Welt ist mittlerweile zu komplex, also machen wir sie einfach. Aber stimmt das auch? Gunter Dueck lässt es so wirken, als wären wir quasi zu faul und in unseren Systemen so gefangen, dass wir das glauben. Wir sind zufrieden, wenn Aktivität simuliert wird. Beispiel: „Es müsste doch mal jemand etwas gegen X machen. Aber da haben wir doch erst gestern ein Flugblatt gedruckt und verteilt. Okay, dann kümmert sich jemand drum.“ Amen. Ich finde, dass Gunter Dueck mit seiner Sichtweise vollkommen Recht hat. Wir sind täglich von zig verschiedenen Cargo-Kulten umgeben, die nur ein Ziel haben, uns zu besänftigen und teilweise auch in unproduktive Richtungen zu lenken. Denn laut Herrn Dueck, gehe es in den meisten Unternehmen vorranging um einfache, zeitnahe und noch dazu günstige Lösungen. Mein IT-Lehrer in der Berufsschule sagte immer: „Ihr könnt euch zwei Sachen aussuchen!“

Ein bisschen journalistische Weiterbildung in Sachen Presserecht

Nach diesem wirklich sehr spannenden Vortrag, stand bei mir ein bisschen journalistische Weiterbildung auf dem Programm. Die Themen Pressefreiheit und der Schutz der Persönlichkeitsrechte sind gerade im Journalismus zwei sehr wichtige Punkte. Ich habe durch den einstündigen Workshop (Vortrag mit Zwischenfragen) eine ganze Menge über Persönlichkeitsrechte gelernt. Was ist eine Tatsachenbehauptung und was eine Meinungsäußerung. Beides zwei Begriffe, die sich in der Realität nicht immer und vor allem eindeutig identifizieren lassen. Es kommt stark auf den Kontext an.

Direkt im Anschluss folgte ein kurzer Vortrag über Blogger zwischen Pressefreiheit und Polizeimaßnahmen. Was kann dir als Blogger, Podcaster oder YouTuber in Deutschland drohen? Das war so meine Frage, aber so richtig beantwortet wurde sie nicht. Im Grunde ging Rechtsanwalt Ulrich Kerner auf etwas trockene Art und Weise die gesetzlichen Regelungen zur Presse- und Rundfunkfreiheit durch und ordnete danach Blogs, Podcasts und Videomagazine ein. Am Ende gab es ein kleines Beispiel. Scheinbar kommt es auch hier auf den Kontext an.

Andrea Nahles will den Arbeitsmarkt fit für die digitale Zukunft machen

Danach machte ich eine kleine Pause und überlegte mir, welche Session ich als nächste besuchen wollte. Ich hatte mehrere zur Auswahl: Town Hall Meeting mit Bundesarbeitsministerin Andrea Nahles, Der Vormarsch der Pseudo-Journalisten oder ein Meetup mit dem schönen Titel „Was Hänschen nicht lernt …“. Meine Wahl fiel schließlich auf das Town Hall Meeting auf Stage 2. Die Halle war schon gut besucht und freie Sitzplätze waren rare. Ich war mir etwas unsicher, ob ich mir die ganze Stunde antuen würde oder bereits vorher den Saal wieder verlasse. Die Frage ist bei solchen Bürgerdialogen immer, was sie bringen. Also stellte ich mich erstmal an die Seite.

Moderiert wurde das Panel von der Journalistin Christine Watty. Sie saß zusammen mit Frau Nahles auf der Bühne und es konnten sich einfach Zuschauer dazu setzen oder im Zuschauerraum ans Mikrofon treten, eine Frage an die Ministerin stellen und danach wieder gehen. In dieser Stunde wurden wirklich die unterschiedlichsten Themen aufgegriffen. Angefangen bei Arbeitsstättenverordnungen für Coworking Spaces bis hin zur Verbesserung der beruflichen Situation von behinderten Menschen. Andrea Nahles hat eine sehr direkte Art und ist daran interessiert etwas bewegen. Sie möchte vor allem Regeln schaffen, um die Arbeitssituation insgesamt zu verbessern, fit für die Zukunft zu machen und uns Arbeitenden mehr Selbstbestimmung verschaffen. Sie will – Jetzt müssen wir mit ihr reden und danach die Mehrheit im Kabinett für diese Themen gewinnen.

Mein kurzer Ausflug in die Virtuelle Realität – Yes!

Im Anschluss wollte ich dann endlich auch mal eine VR-Brille aufsetzen. Auf der re:publica findest du ja wirklich fast überall solche Stände. Sei es jetzt direkt von Google mit ihrer Cardboard, dem ZDF oder bei Saturn. Da ich gleich eine richtige VR-Brille testen wollte, ging ich flux zum Stand vom ZDF. Ich hatte auch gesehen, dass sie dort auch Cardboards hatten. Also wollte ich mir mal eine sichern, quasi zwei Fliegen mit einer Klappe schlagen.

An dem Stand gab es vier oder fünf hängende Tierköpfe, in die jeweils eine VR-Brille eingesetzt wurde. Dazu gab es noch Kopfhörer auf die Lauscher. Also schnell hingesetzt, Kopfhörer aufgesetzt, Brille vor die Nase gehalten und ab in die Virtuelle Realität. Ich sah zunächst einen ausbrechenden Vulkan. Durch die Bewegungserkennung, kannst du deinen Kopf in jede Richtung drehen und so ein nahezu perfektes 360 Grad Panorama sehen. Das sah schon recht beeindruckend aus. Aber der VR-Technik sind trotzdem noch Schwächen anzumerken. Das Bild ist nicht immer gestochen scharf und vermittelt etwas Künstliches. Zudem werden einem die Arme irgendwann schwer, wenn man die Brille die ganze Zeit halten muss. Aber trotzdem war es ein tolles Erlebnis.

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Lockere Talks in der Network Area

Noch vollkommen fasziniert von der Virtuellen Welt ging ich hinter in die Network Area. Dort wollte ich eigentlich ein paar kleineren Talks folgen. Aber irgendwie wurde da nicht viel draus. Die erste Session, wo es darum gehen sollte, ob wir das Auto bald kostenlos dazubekommen, fand nicht statt. Zumindest nicht so, dass ich davon etwas mitbekommen hätte. Die re:publica hat versucht mit den Lightning Talks und Meet Ups neue Formate einzubauen. Die Idee dahinter ist wohl, dass in einer lockereren Umgebung über ein Thema diskutiert werden kann. Also der Speaker steht in der Mitte und die Zuschauer quasi ringsherum. Eigentlich keine schlechte Idee. Aber an der Organisation mangelt es scheinbar noch. Der Zeitplan wird dort nicht so wirklich ernst genommen. Von dem anschließenden re:publica Founders Meetup habe ich nicht viel mitbekommen. Ich habe lediglich mal Tanja und Johnny Haeusler in dem Bereich herumlaufen sehen. Jan Tißler wollte mit Profibloggern und Digitaljournalisten über neue Einnahmequellen diskutieren. Ich hab ihn zwar gesehen, aber umringt von einer kleinen Menschentraube.

Dieses Format ist eindeutig noch ausbaufähig – da geht noch was!

#rpTENMustSee: Das digitale Quartett

Wie lässt man den zweiten #rpTEN-Tag am besten ausklingen? Na, am besten mit dem Digitalen Quartett. Im letzten Jahr war ich auch schon dabei und fand es sehr unterhaltsam und ebenso ein bisschen lehrreich. Das Digitale Quartett besteht aus Thomas Knüwer, Christiane Link, Franziska Bluhm und Daniel Fiene. Jeder lädt sich einen Überraschungsgast ein, den einer der anderen drei mit zehn Fragen erraten soll. Danach muss er den Gast kurz interviewen. Daniel Fiene hat sich gesagt, wenn der Thomas Knüwer im letzten Jahr zwei Gäste hatte, dann will er das jetzt auch. Thomas Knüwer toppte das ganze nochmals, weil er gleich zwei Gäste gleichzeitig auf die Bühne holte. Diesmal waren zu Gast: Oguz Yilmaz von Y-Titty, Bild-Snapchatter Manuel Lorenz, Rechtsanwalt und ebenfalls Snapchatter Thomas Schwenke, Die beiden Gründer des Weinmagzines Schluck Julia Klüber und Paul Truszkowski, sowie von Twitter Rowan Barnett.

Das Digitale Quartett ist immer wieder ein schönes Format, um die geladenen Überraschungsgäste in lockerer Atmosphäre kennen zulassen. Bis auf Thomas Schwenke und Oguz Yilmaz kannte ich noch keinen. Ich habe ein bisschen was über Snapchat gelernt. Thomas Schwenke sagte, „Snapchat ist der Alptraum aller Juristen.“ Dort werden so viele Rechtsverstöße begangen, die glücklicherweise noch keiner wirklich ahndet. Aber ein Problem stellt es im Grunde dar, mit Snapchat live zu sein und sich Gedanken darüber zu machen, darf ich das jetzt snapchatten oder ist die Hintergrundmusik urheberrechtlich geschützt. Da wird wohl noch einiges auf uns zukommen.

Morgen folgt dann mein Bericht zum dritten und letzten Tag der #rpTEN direkt auf BASIC thinking. Hier findet ihr Tag 0, Tag 1 und eine Bildergalerie.


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Über den Autor

Markus Werner

Markus Werner (reraiseace) ist angehender Journalist und Fernstudent am Deutschen Journalistenkolleg. Er schreibt regelmäßig für SCREENGUIDE, BASIC thinking und seinen eigenen Blog reraise.eu über Android, IT Security, Netzpolitik und Webdesign.

2 Kommentare

  • Vielen Dank für die Erwähnung unseres Meetup. 🙂 Es war tatsächlich ein gutes Stück größer als sich das die rpTEN-Macher so gedacht hatten, glaube ich. Später hatte jemand dann ein Mikro für mich besorgt, so dass ich eine kleine Diskussion anstoßen könnte. Ich glaube, dann wurde es noch ganz gut. An sich fand ich die Idee der „Networking Area“ interessant. Das könnte etwas von dem Geist der frühen republica zurückbringen, denke ich. Mal schauen, ob und wie sie es fürs nächste Jahr weiterentwickeln.

    • Hey Jan, gern geschehen 🙂 Ja, die Idee mit der Networking Area fand ich an sich auch eine gute Sache und ich glaube genauso, dass da definitiv noch mehr Potential drinstecken könnte. Lassen wir uns mal überraschen, was im nächsten Jahr passiert. Es ist halt trotzdem bei der Größe, die die re:publica mittlerweile hat, ein gewagter Schritt gewesen. Aber warum auch nicht.

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