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Verbesserte Produktbewertungen: Amazon untersagt kostenlose Testmuster – mit einer Ausnahme

Produktbewertungen Amazon Paket E-Commerce
geschrieben von Tobias Gillen

Die Produktbewertungen auf Amazon sind leider oftmals ein Problem. Da sie als gewichtige Faktoren mit ins Ranking spielen, versuchen viele Verkäufer, mehr oder minder seriös an Bewertungen zu kommen. Amazon schraubt seit einiger Zeit an der Verbesserung der Bewertungen – nun mit einem weiteren Schritt.

Als Händler hat man mehrere Möglichkeiten, seine Produkte bei Amazon mit Bewertungen im Ranking steigen zu lassen: Man bombadiert sein Produkt mit unseriösen Fake-Bewertungen – ein Geschäft ähnlich dem des Like-Kaufs bei Facebook. Oder man geht den richtigen Weg und verschenkt/rabattiert seine Produkte an/für Tester. Voraussetzung hier ist, dass in der Bewertung klar ersichtlich wird, dass es sich nicht um einen regulären Kauf handelt.

Die Gleichung ist einfach: Je mehr gute (4 oder 5 Sterne) Bewertungen mein Produkt hat, desto besser wird es gerankt und erhält dadurch mehr Sichtbarkeit. Für große Marken vielleicht nicht primär entscheidend, weil sie ohnehin schon eine große Community haben, für kleine Unternehmen und Amazon-FBA-Unternehmer aber sehr entscheidend, da man mit relativ kleinem Einsatz (z.B. eben 50 Gratisprodukte) ziemlich viele Bewertungen absahnen kann, die einen nach vorne bringen.

Produktbewertungen: Keine kostenlosen Testmuster mehr, außer…

Nun untersagt Amazon dieses Vorgehen und verbietet gemäß der neuen Richtlinien, dass Produkte kostenlos oder rabattiert an Testkäufer gehen. Die Regelung tritt vorerst in den USA in Kraft, dürfte dann aber auch international ausgerollt werden. Sie betrifft dabei eine sich über die vergangenene Jahre komplett neu aufgebaute Branche, bestehend eben aus den Kleinunternehmern, die ihre Produkte über Amazon vertreiben und den ganzen seriösen und unseriösen Agenturen und Vermittlern für Produktbewertungen.

Amazon wäre aber nicht Amazon, wenn es nicht selbst auch davon profitieren würde. So gibt es nämlich doch eine kleine Ausnahme: Das Amazon Vine Programm. Darüber verteilt Amazon die Testmuster künftig exklusiv an vertrauenswürdige Tester. Hier habe man zudem noch Ideen, den Einfluss von Amazon Vine weiter auszubauen, schreibt Amazon-VP Chee Chew. Die Bewertungen via Amazon Vine werden dann extra gekennzeichnet und sind somit klar als Testmuster-Bewertung zu erkennen.

Rezensionsexemplare für Bücher weiterhin zugelassen

Zudem gelten für Vine-Rezensionen besondere Regeln, etwa zeigt Amazon pro Produkt nur eine bestimmte Anzahl an Vine-Bewertungen an. So bleibt für die Nutzer das Verhältnis zwischen realen Käufern und den mit einem Gratismuster bestückten Testern im Gleichgewicht.

Nicht betroffen ist übrigens die Buch- und E-Book-Branche. Hier will Amazon vorerst weiter Rezensionsexemplare auch außerhalb von seinem Vine-Programm zulassen. Erst vor wenigen Wochen gab es übrigens – ebenfalls in den USA – die Änderung, dass man Bewertungen verfassen darf, wenn man schon für insgesamt 50 Euro eingekauft hat. Damit wollte man verhindern, dass die schwarzen Schafe Fakeaccounts anlegen und damit dann Produktbewertungen verfassen. Nun geht man einen weiteren Schritt zur Verbesserung der Authentizität – mit noch offenem Ausgang für die kleinen Unternehmer.


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Über den Autor

Tobias Gillen

Tobias Gillen ist seit August 2014 Chefredakteur und seit Mai 2015 Geschäftsführer von BASIC thinking. Erreichen kann man ihn immer per E-Mail oder in den Netzwerken.

3 Kommentare

  • Je nach Produkt steht in den Bewertungen der Anbieter selbst oder eben „nur“ das Angebot im Fokus. Gerade bei Gebrauchtware, wo ich seit 2003 oft Alleinanbieter oder Anbieter neben wenigen anderen bin, schaffe ich einen kaufentscheidenden Mehrwert durch eine fabrikfrische Hülle für die VHS, die DVD oder die blu ray.

    Bei amazon wird in erster Linie nach einem Produkt gesucht und nur bei mehreren Anbietern mit gleichem Preis der Händler etwas genauer angeschaut. Der praktische Nutzen von Bewertungen ist begrenzt.

    • Klar, bei wenig Konkurrenz. Aber in der Regel hat man eine Fülle an Anbietern. Da wird es dann schon wichtiger.
      Und der praktische Nutzen ist natürlich in erster Linie beim Ranking wichtig. Keine Bewertungen = (meistens) schlechtes Ranking.

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