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Real Madrid TV: Was bedeutet der Wechsel des Klub-Senders zu Facebook Live?

Real Madrid TV
geschrieben von Philipp Ostsieker

Real Madrid hat 110 Millionen Video-Views in sozialen Medien generiert, seit die Inhalte des eigenen Klub-TV-Senders bei Facebook Live ausgestrahlt werden. Was das für die neuen Medienmarken rund um den Sport bedeutet.

Im Rahmen des diesjährigen Champions-League-Finals haben sich die “Königlichen” dafür mit Grabyo, einer Cloud-basierten Video-Plattform für Live-Medienrechte und TV-Sender, zusammen getan. Zweck: Real Madrid TV soll entlinearisiert und unabhängig von traditionellen Sendern ausgestrahlt werden. Seitdem waren die Madrilenen 128 Mal live auf Facebook (Stand 26.10.), konnten dabei 110 Millionen Video Views generieren und sind alles in allem mehr als eine Milliarden Mal in verschiedenen Feeds aufgetaucht. Die Inhalte bestehen aus Blicken hinter die Kulissen, News oder Schulterblicken.

In einer Zeit, in der sich Fußballklubs darum bemühen eine globale Anhängerschaft über eine Vielzahl von Plattformen zu erreichen, wird die Reichweite, die über traditionelle Satelliten- oder Kabelanbieter zur Verfügung steht, nach und nach etwas unattraktiver. Ein Beispiel sind regionale Beschränkungen wie etwa bei Pay-TV-Angeboten. Die Entscheidung pro Facebook erlaubt es dem Verein, nicht nur eine größere Nutzerschaft zu erreichen, sondern auch das Potenzial von OTT-Inhalten (Over-the-top-Content) hervorzuheben.

Das Vorgehen ist ein weiterer Schritt in der Reihe von Experimenten der spanischen “La Liga” hinsichtlich Livestreaming im Zuge des Wettbewerbs zur englischen Premier League. Besonders bei den europäischen Top-Klubs wird dieser Trend eher zunehmen, um ihre Präsenz in neuen Märkten verstärken zu können.

Grabyo zeigt den Klubs die Optionen von Facebook Live

Gareth Capon, CEO bei Grabyo, sprach mit The Drum über die Ergebnisse. Gemäß seiner Aussage hat sich das Verhalten von Sportfans bezüglich der Nutzung verschiedener Klub-Inhalte verändert. „Die Ergebnisse zeigen uns, dass sich die Nachfrage für professionell produzierte, exklusive Inhalte nicht verringert hat. Lediglich die Art und Weise der Nutzung hat sich verändert“, sagt Capon. „Einer der großen Herausforderungen für die Klubs war es immer, dass diese linearen TV-Kanäle selten ‚live‘ gewesen sind, sondern eine Reihe von On-Demand-Inhalten angeboten haben, die als TV-Shows verpackt wurden. Den Sendern fehlte es an den wirklich bedeutsamen Inhalten für die Fans, nämlich Live-Übertragungen der Premier League, Serie A oder der Champions League. Noch wichtiger: Fußball-Fans verbringen immer mehr Zeit auf sozialen Plattformen.“

Sein Unternehmen Grabyo hat sich diese Entwicklung zunutze gemacht, indem es mit Sportrechteinhabern zusammen arbeitet, um vor allem mit der eigenen Expertise bei der Distribution der vorhandenen Inhalte inklusive der Monetarisierung via Branded-Content-Optionen sowie Multi-Plattform-Ansätzen zu unterstützen. Gareth Capon behauptet, dass die Monetarisierung auf Facebook Live „mit Facebook Branded Content gerade erst begonnen“ hat und sich weiter entwickeln wird. So testet Facebook in den USA aktuell In-Stream Advertising für eine limitierte Anzahl an Partnern.

Das Projekt mit Real Madrid TV zeigt, dass es auf Basis einer bemerkenswerten Reichweite eine Vielzahl an Möglichkeiten für Werbung und Sponsoring gibt. Wenn man die Optionen von Targeting und Lokalisierung der Facebook-Werbung in regionalen Märkten bedenkt, wird es tatsächlich sehr interessant.

Live Sport bald nur noch bei Facebook & Twitter?

Ein interessanter Aspekt dieses Werbe-Potenzials ist die Generierung von Daten aus der Nutzerschaft heraus. Capon betont, dass die Interkationswerte der Fans via Facebook Live “ein großartiges Signal dafür sind, dass Content-Häppchen für die Fans von größter Bedeutung sind”. Auf dieser Basis arbeitet Grabyo an neuen Produkten, um noch tiefere Insights für Partner anbieten zu können und um mit Hilfe von Facebook-Daten die Inhalte mit dem höchsten Potenzial zur Aktivierung zu ermitteln.

Verdrängen Social-Media-Plattformen nun beim Thema Live Streaming vollständig die etablierten TV-Sender? Trotz Rechte-Deals wie jenem von Twitter mit der NFL, ist diese Aussage aktuell noch zu viel des Guten. Immerhin arbeiten die Sender mit einem sehr reifen Geschäftsmodell und sind aktuell noch eher in der Lage, im Rahmen ihrer Aktivitäten auch Gewinne zu erzielen.

Dennoch: Die starke Entwicklung von OTT in der TV-Distribution führt dazu, dass immer mehr digitale Player direkt in Rechte investieren. Damit steigt zumindest der Wettbewerb für die etablierten Unternehmen, die ihr klassisches Modell zumindest hinterfragen müssen.

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Über den Autor

Philipp Ostsieker

Philipp Ostsieker ist Medienmanager und Digitalstratege aus Hamburg. Neben seiner hauptberuflichen Tätigkeit schreibt Philipp für BASIC thinking die Kolumne „Matchplan“, in der er über den Tellerrand blickt und durch die innovativen Ideen der Sportbranche führt.

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