Digitales Social Media

Moderne Kommunikation: Rettet das Betreff

Betreffzeile
geschrieben von Guido Augustin

Wie souverän jonglieren wir zwischen Messengern hin und her… Übrigens: Wenn ich nicht mehr weiß, wer mir wo geschrieben hat, heißt das Unified Mesaging. Das Schlimme: Dabei wird eine zarte Spezies immer weiter bedroht, zu deren Schutz ich hier aufrufe: Rettet das Betreff!

Dieses possierliche Tierchen steht einer E-Mail voran, gibt ihr ein Thema, unserer Kommunikation Struktur – und hat doch den Sprung in die nächste Generation der Kommunikation nicht geschafft. Schon eine SMS lebte ohne Betreff, eine Messenger-Nachricht sowieso. Und das ist sehr viel bedauerlicher als die gerne beklagte Verrohung der Sitten, Simplifizierung der Rechtschreibung oder der Totalverlust der Interpunktion in der digitalen Welt.

Denn das Betreff setzt Zeichen, wirft Schlaglichter, öffnet Kladden, in die wir all die vielen Informationen – davon die meisten ja doch unnütz – schnell sortieren können. Und selbst dort, wo es bis heute überlebt, wird es geschunden.

Das Thema gehört ins Betreff!

Das Thema gehört ins Betreff – und nicht der Text. Dennoch gibt es immer wieder Zeitgenossen, die die zarte Zeile mit Monstren wie „Hallo ich kann heute Abend leider nicht dazu kommen richtet schöne Grüße aus bis bald Eure Michaela“ beschweren und den eigentlichen Mailtext freilassen, allenfalls durch Werbung des Kostenlos-E-Mail-Anbieters garniert.

Noch gröber sind die Multimailer ohne Sinn und Verstand. Die diskutieren in großen Mailverteilern und entwickeln mangels jeder Sorgfalt Betreff-Ungetümer, die nicht nur viel über das Mail-Programm der Anwender verraten, sondern auch über ihren unsensiblen Umgang mit dem zarten Betreff: „RE(AW:)/-Re:(Antwort):AW)(FWD):wg. Der Mail“

Virengeprüft und unlesbar

Meine persönlichen Lieblingslieblinge: Systemadministratoren, die ihre Virenscanner ungehemmt ins zarte Betreff stoßen lassen. Gerade im Banken- und Versicherungsbereich sehr beliebt. Original-Zitat: „[ANBIETERNAME virengeprüft – ohne Gewähr, dass alle bekannten Viren und deren Varianten erkannt wurden.] [Viren geprüft durch XXX – ohne Gewähr, dass alle bekannten Viren und deren Varianten erkannt wurden.]“ Danach käme dann das Thema.

Doch womöglich gibt es Hoffnung: Denn vereinzelt finden sich noch feine Seelen, die das Betreff respektieren, es hegen und pflegen. So mögen seine Lebensräume kleiner werden, doch es könnte überleben. Diese wunderbaren Menschen schätzen die kleine Form und nutzen diese zarte Form der Kommunikation, wie eine zufällige Berührung im Gedränge, eine Botschaft, mehr verschwiegen als verraten. „Braver Sascha“ steht da, oder „An Dich denken“, im Erfolgsfall auch „Oh Mann!“ oder „Vertrautheit“. Und ja, das geht auch im Business: „Dampf machen bitte“, „Wie schön, dass es Sie gibt“ oder „Ja und?“ mögen dafür exemplarisch stehen.

Nur ein oberflächlicher, unwissender Zeitgenosse stutzt hier und glaubt, das Betreff habe nichts mit dem eigentlichen Text zu tun. Dabei sind es zarte Lichter im Düstern des Überflusses, Leuchttürme in der Flut. Dankbar, wer solche Betreffs lesen darf.

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Über den Autor

Guido Augustin

Guido Augustin ist Geschäftsführer Kommunikation bei dem analysebasierten Beratungsunternehmen forum! Für „Guidos Wochenpost“ schreibt er über tolle Texte, mehr Geschäft und ein schöneres Leben. „Guidos Wochenpost“ kann man hier abonnieren.

9 Kommentare

  • Mal ne blöde Frage. Nutzt du „das“ Betreff um es als Kreatur darzustellen, oder ist das tatsächlich ein Rechtschreibfehler? (Woohoo ich bin auch mal ein Grammatik-Nazi :D).
    Ist mir eigentlich nur aufgefallen, weil es im kompletten Text kontinuierlich weiter geführt wird. Deshalb wollte ich doch mal nachfragen 🙂

    Zum Thema: Ich nutze den Betreff auch sehr gerne in der E-Mail Kommunikation. Ab und an fällt mir zwar keine gute Überschrift ein, aber generell mag ich es auch nicht, eine Mail ohne Betreffzeile zu verschicken. Manche Mailprogramme weisen ja auch zum Glück noch darauf hin, dass die Betreffzeile leer ist.

  • So gerne ich diesen Artikel auch lesen würde, so sehr springt mir „das Betreff“ ins Auge. Der Duden sagt: Betreff – Substantiv, maskulin also der Betreff.

    • Das stimmt, Natalie, das sagt der Duden. Aber der schreibt nicht für Basic Thinking, sondern ich ;o) Im Ernst: Ja, ich weiß das und danke für den Kommentar, ich habe bewusst den Genus im Rahmen selbstverordneter künstlerischer Freiheit geändert, um dem possierlich Tierchen „Betreff“ die Ehre zu erweisen, die ihm gebührt. Ob das dann so irgendwann auch im Duden, wer weiß?

      Alles Liebe Guido

  • Nicht zu vergessen all die Leute, die kein Adreßbuch pflegen, sondern sich stattdessen eine alte E-Mail raussuchen und den längst nicht mehr gültigen Betreff nicht durch einen aktuellen ersetzen…

    Ich bin ebenfalls eine überzeugte Verfechterin, Nutzerin und Bewahrerin des guten Betreffs, habe diesen Appell also sehr gerne gelesen. 🙂

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