Marketing Social Media

Plötzlich Fan: Die fragwürdige Facebook-Strategie von ProsiebenSat.1

Facebook Like Seiten Merge Sat.1 ProSieben
geschrieben von Frank Krause

Und auf einmal war ich Fan von „Britt – die Talkshow“, ohne dass ich bei dieser alten Sat.1-Sendung jemals den Like-Button geklickt hätte. So wie mir ging es Anfang 2017 vielen Fans vergangener TV-Formate. Bei ProsiebenSat.1 nutzt man eine nicht ganz unumstrittene Methode, um möglichst schnell organisch generierte Fans unter einer Marke zu bündeln.

Jeder, der sich eine Weile mit Facebook-Markting beschäftigt hat, weiß wie schwer es sein kann, eine große Fanbasis aufzubauen. Vor allem, wenn man kein Budget in dubiose Fan-Quellen oder Facebook-Werbung investieren möchte.

TV-Sendungen haben durch ihre mediale Präsenz oft einen Vorteil. Können sich Menschen dort mit einer Marke identifizieren, fällt der Klick auf den Like-Button deutlich leichter. Doch was ist, wenn es das TV-Format nicht mehr gibt? Sind diese Fans dann verloren? Nicht unbedingt.

Man kann die Seite etwa mit Best-Of-Clips bespielen oder immer wieder auf die neuen Projekte der Macher verweisen. Bei ProsiebenSat.1 hat man allerdings noch eine weitere Methode für sich entdeckt: Das Zusammenlegen alter Facebook-Seiten, um die Fans unter einer gemeinsamen Marke zu bündeln. Und genau das ist mir Anfang 2017 passiert.

Fan ist Fan, von was ist doch egal

Eigentlich war ich Facebook-Fan des Polit-Talks „Eins gegen Eins“, der bis 2013 im Programm von Sat.1 zu sehen war. Seitdem ist dort, bis auf ein paar Hinweise von Claus Strunz auf seinen neuen Job als Moderator der Sendung „Akte“, nicht mehr viel passiert.

Anfang 2017 wurde mir dann plötzlich mitgeteilt, dass diese Seite jetzt „Britt – die Talkshow“ heißt. Postings und Kommentare des Polit-Talks blieben erst einmal erhalten.

Meine erste Vermutung: Vielleicht plant man ja ein neues Format mit Britt und hat so schon einmal knapp 10.000 Fans – auch wenn die Fans eines politischen Talks womöglich gar kein Interesse an einem Krawall-Talk über Liebe, Sex und Fremdgehen haben.

Doch stattdessen war ich Anfang April dann auch nicht mehr Fan von „Britt – die Talkshow“ sondern von „Das bewegt Deutschland„. Alle Postings von „Eins gegen Eins“ sind verschwunden, stattdessen wurden mir alte Postings zur Britt-Talkshow angezeigt.

Mehrere Facebook-Seiten mittels Merge-Funktion zusammengelegt

Was war passiert? Bei ProsiebenSat.1 hat man das Merge-Feature von Facebook genutzt, um mehrere Seiten unter dem Titel „Britt – die Talkshow“ zusammenzulegen. Und das, obwohl Facebook hier eigentlich eindeutige Kriterien hat:

  • Du bist Administrator beider Seiten
  • Deine Seiten haben einen ähnlichen Namen und dasselbe Thema
  • Wenn deine Seiten einen realen Standort haben, haben sie dieselbe Adresse

Den „ähnlichen Namen“ hat man sich Wochen zuvor erst zugelegt und thematisch überschneiden sich ein Polit- und ein Nachmittagstalk nur am Rande.

Trotzdem war ich nun Fan einer noch viel größeren Seite mit über 100.000 Fans, bei der ich nie auf den Like-Button geklickt hatte. Der Zeitpunkt des Zusammenlegens lässt sich in der Entwicklung der Fanzahlen recht eindeutig nachvollziehen.

Screenshot aus dem Analyse-Tool Xovi

Screenshot aus dem Analyse-Tool Xovi

Für ProsiebenSat.1 eine „übliche Vorgehensweise“

Auch Social-Media-Experte Felix Beilharz ist über das Vorgehen verwundert: „Eigentlich ist Facebook beim Zusammenlegen sehr kritisch, wenn die Seiten zu themenfremd sind. Da wird viel abgelehnt“ und begründet das auch mit einem einfachen Beispiel:

Bei themenfremden Seiten werden viele Anfragen abgelehnt, auch um etwa Fake-Gewinnspiel-Seiten das Leben schwerer zu machen. Die haben früher einfach massenweise Fans generiert und sich dann zum Beispiel in ‚Abnehmen mit Acai-Beeren‘ umbenannt und hatten auf einmal zigtausende Fans.

Auf meine Nachfrage bei ProsiebenSat.1 Digital gibt man sich allerdings gelassen: „Das ist eine übliche Vorgehensweise, die hin und wieder Anwendung findet“, denn schließlich könne jeder Fan nach der Umbenennung selbst entscheiden, ob er Fan der Seite bleiben möchte.

Dass nicht viele Ex-Fans davon Gebrauch machen, sieht man in der Fanentwicklung seit der Zusammenlegung. Vielmehr machen sich einige Britt-Fans sogar Hoffnungen, bald wieder etwas Neues von ihr zu sehen.

Ehemalige Fans von Britt machen sich vergeblich Hoffnung auf eine Rückkehr

Ehemalige Fans von Britt machen sich vergeblich Hoffnung auf eine Rückkehr

Kein Einzelfall in den letzten Wochen

Doch die werden wahrscheinlich ebenso enttäuscht aus der Sache herausgehen wie ich. Auf Nachfrage bei ProsiebenSat.1 Digital sagte man mir, dass die neue Seite weder etwas mit Britt Hagedorn oder Claus Strunz zu tun hat, noch dass ein Format unter dem Titel „Das bewegt Deutschland“ geplant ist.

Das lässt wiederum die Vermutung naheliegen, dass auch unter dieser Seite die Fans nur geparkt sind und sie jetzt erst einmal darauf warten müssen, von was sie überhaupt Fan werden sollen.

Von 12.000 auf 22.000 Fans

Wie das aussehen kann, zeigt die Facebook-Seite zur ehemaligen Sat.1-Sendung „Die perfekte Minute“. Deren Fans sind vor ein paar Wochen automatisch Fan der Seite „SAT.1 Show“ geworden, auf der es hauptsächlich um das neue Format „It’s Showtime“ geht.

Auch hier fällt auf, dass die Facebook-Seite Ende April noch knapp 12.000 Fans hatte und jetzt insgesamt auf rund 22.000 Fans kommt. Sogar der Verifiziert-Haken ist geblieben. Nur eines hat man vergessen: Die alte Info-Seite.

Bei "SAT.1 Show" lässt sich erahnen aus welcher Seite die neue Seite hervorgegangen ist

Bei „SAT.1 Show“ lässt sich erahnen aus welcher Seite die neue Seite hervorgegangen ist

Auch auf YouTube verfolgt ProsiebenSat.1 eine interessante Strategie. Wie Studio71 aus alten TV-Sendungen Youtube-Gold macht, steht bei mir im Blog.


Deine Jobbörse in der Digital-Welt

Wir tun jeden Tag, was wir lieben. Das kannst du auch! Über 20.000 Traumjobs in der IT- und Digital-Welt warten nur auf dich in der BASIC thinking-Jobbörse. Gleich reinschauen und entdecken!

Über den Autor

Frank Krause

Medienfuzzi, technikbegeistert und heimlich verliebt ins Fernsehen. Aber das bleibt unter uns, ja?

Kommentieren