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Der vierte Fehler von Gründern: Kaufmännische Unkenntnis

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Ein großes Problem bei Gründern ist die kaufmännische Unkenntnis. (Pixabay.com / Free-Photos)
geschrieben von Carsten Lexa

Eine positive Eigenschaft von Unternehmern ist, dass diese durchweg optimistisch gestimmt sind und eher dazu tendieren, ein gutes anstatt ein schlechtes Ergebnis von einer Aktivität zu erwarten. Doch darf Unkenntnis im Bereich des Kaufmännischen nicht zu Leichtsinn führen.

Der unternehmerische Optimismus ergibt ja auch Sinn. Warum sollte man sich in ein unternehmerisches Abenteuer stützen, wenn man davon ausgeht, dass die Investitionen, der Aufwand und die Anstrengungen umsonst sind?

Unkenntnis bei der Berechnung von Kosten

Grenzenloser Optimismus ist jedoch dort fehl am Platz, wo es um knallharte Kalkulationen geht. Das gilt insbesondere für kaufmännische Aktivitäten. Hier ist leider oftmals zu sehen, dass Gründern gewisse Basiskenntnisse fehlen.

Das geht los bei der korrekten Berechnung von Produktionskosten. Und endet beim Umlegen von fixen Kosten wie Mieten oder Löhnen auf die Anzahl der produzierten Güter oder abgerechneten Stunden.

Unkenntnis bei der Berechnung des Verkaufspreises

Hier endet es aber nicht. Denn sodann geht es um die Frage der Berechnung des Verkaufspreises – zuerst des regulären Preises und dann um Aktionspreise (zum Beispiel bei Produkteinführungen) oder bei Verkaufsevents (zum Beispiel in der Weihnachtszeit).

Die Besonderheit ist hierbei, dass die Gründer auch von etwas leben müssen. Es reicht nicht, dass die Kosten gedeckt sind. Nein, die Gründer müssen sich selbst auch noch einen Unternehmerlohn zahlen. Das heißt: Sie müssen so viel verdienen, dass sie ihre privaten Ausgaben decken können.

Ich erlebe dann teilweise in Gesprächen, dass insbesondere der Unternehmerlohn nicht berücksichtigt wurde (auch nicht im zweiten oder dritten Jahr der Planung der Unternehmensentwicklung) und auch die Gewinnspanne ist nur sehr vage kalkuliert.

Natürlich ist es nicht leicht, einen Gewinn zu planen. Es gibt viele Unsicherheitsfaktoren, die die Planung obsolet werden lassen. Aber ein Gewinn kann unter bestimmten Annahmen kalkuliert werden und genau daran fehlt es immer wieder.

Unkenntnis bei der Besteuerung

Bei alldem muss dann noch berücksichtigt werden, dass eine komplizierete Komponente noch gar nicht angesprochen wurde. Der Staat verlangt seinen Teil in Form von Steuern: Umsatzsteuer, Gewerbesteuer, Körperschaftssteuer, Einkommensteuer.

Es ist nicht wenig, was von Gründern an Kenntnissen und dann an praktischer Umsetzung gefordert wird, zumal der deutsche Gesetzgeber bislang sich leider nicht durchringen konnte, Gründer durch Schaffung eines vereinfachten steuerlichen Rahmens in der ersten Zeit der unternehmerischen Tätigkeit zu unterstützen.

Kenntnis vom geschäftlichen Umfeld

Ein letzter Faktor muss dann noch angesprochen werden: Das allgemeine Umfeld, in dem sich ein Unternehmen etablieren möchte. Gründer sollten nie vergessen, dass es ein Unternehmen ist, was sie aufbauen wollen.

Der Zweck eines Unternehmens ist es, Geld zu verdienen, indem – im besten Fall – eine innovative Lösung für ein drängendes Problem angeboten wird.

Ich erlebe stattdessen immer wieder, dass Spaß und Ernst vermischt wird. Es wird gegründet, weil man gründen möchte, nicht weil man ein Unternehmen bauen will. Aus diesem Grund ist es dann für Gründer nicht so wichtig, dass der Markt, in den man einsteigt, nicht groß ist, dass es nur wenige Kunden gibt, die das Produkt interessieren könnte oder dass gar kein nennenswerter Gewinn einkalkuliert ist.

Dieser Gewinn jedoch lässt das Unternehmen auf Dauer am Markt bestehen. Die fehlende Kalkulation von Gewinnen wird insbesondere problematisch, wenn die Art der Produktion oder die Dienstleistungserbringung es gar nicht zulässt, dass ein nennenswerter Gewinn entsteht.

Eine schwierige Entscheidung mit Folgen

Was können nun Gründer tun? Letztendlich etwas, das nicht immer einfach ist: Für sich prüfen, ob das, was man im Begriff ist, aufzubauen, wirklich ein Unternehmen ist oder mehr eine Liebhaberei.

Stellt man für sich selbst fest, dass es um Liebhaberei geht, dann ist das grundsätzlich nicht schlimm. Man sollte nur rechtzeitig für sich persönlich festlegen, warum man dann den Aufwand (Kosten, Zeit und Nerven) auf sich nimmt, um ein Unternehmen zu gründen.

Kommt man zu dem Ergebnis, dass es tatsächlich ein Unternehmen werden soll, was man im Begriff ist zu gründen, dann kommen Gründer nicht um die Tatsache herum, dass sie sich gewisse Grundkenntnisse aneignen müssen.

Diese Grundkenntnisse reichen von elementaren Kenntnissen in Buchhaltung, Rechnungswesen, Besteuerung (sowohl in Einkommen- als auch Umsatz- und gegebenenfalls Körperschaftssteuer) und Abschreibung von Anschaffungen bis hin zu Marktanalyse, Kundenverhalten und -ansprache bis hin zur Wettbewerbssituation und allgemeinen Veränderungen von Märkten. (Mir ist klar, dass dies jetzt nicht mehr so hip klingt).

Das alles klingt nach Aufwand – und das ist es auch. Aber ich glaube, dass sich der Aufwand lohnt. Und Tausende Gründer, nicht nur in Berlin und München, sondern auch in Würzburg, Erfurt oder Bonn werden mir zustimmen.

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Über den Autor

Carsten Lexa

Carsten Lexa, LL.M. ist seit November 2005 als Rechtsanwalt tätig. Er berät Unternehmen in allen Angelegenheiten wirtschafts- und unternehmensrechtlicher Art. Bei BASIC thinking schreibt er über Start-ups und Unternehmen aus der juristischen Perspektive.

3 Kommentare

  • Coole Website!
    Die positive Einstellung und Verfassung ist in der Tat unglaublich wichtig!
    Nicht nur im Beruf, sondern in jeder Lebenslage..
    Deswegen: stay positiv – Das Maß ist von uns alles selbst abhängig!

    • Vielen Dank für den Kommentar. Die positive Einstellung hilft auf jeden Fall, einfacher auf Lösungen zu kommen bzw. bei Problemen nicht gleich völlig schwarz zu sehen.
      Beste Grüße, Carsten Lexa

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