Premier-League-Rechte: Tech-Giganten ohne Chance?

Premier-League-Rechte: Tech-Giganten ohne Chance?

Philipp Ostsieker
Pexels

Es halten sich hartnäckige Gerüchte, dass die großen amerikanischen Tech-Unternehmen um Premier-League-Rechte mitbieten werden. Die Experten von Enders Analysis glauben, dass diese Gerüchte gezielt von der Liga gestreut werden. Sind die Gerüchte um die Tech-Giganten also nur Mittel zum Zweck, damit die Platzhirschen Sky und BT ihre Gebote erhöhen?

Worauf es hauptsächlich ankommt, ist Geld. Um über zwei Milliarden Pfund hat sich der Preis für die Premier-League-Rechte in UK erhöht, nachdem sich BT 2013 für Sportübertragungen im großen Stil entschieden hatte. Dies geht aus Berechnungen von Enders Analysis und Ofcom hervor.

Und der Preis wird voraussichtlich weiter steigen – dank des intensiven Wettbewerbs von BT und Sky. Ein Analyst der Investment Bank Citi behauptete gegenüber dem Guardian, dass die Kosten für die Premier-League-Rechte um 40 bis 45 Prozent ansteigen werden. Die Auktion gilt den drei Saisons ab 2019/20. Träfe die Einschätzung ein, würde dies ein Wachstum von 600 Millionen Pfund pro Jahr bedeuten. Aufgrund des Konkurrenzkampfes zahlt BT derzeit für Fußball so viel wie Sky im Jahr 2007 für sein komplettes Sportangebot zahlte.

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Angesichts dieser Kosten müsste sich jeder neue Investor mindestens zehn Milliarden Pfund für die Premier-League-Rechte beiseite liegen. So tat es BT schon 2012, berichtete Enders Analysis in einem Report. Nach Meinung der Analysten bedeuten die enormen Rechte-Kosten, dass ein „Herantasten“ an die Premier League nicht möglich sei. Genau dies hatten die Tech-Giganten Amazon, Facebook, Google und Netflix offenbar gehofft.

Premier League: Ein lohnendes Invest?

Es ist nicht so, dass die vier Tech-Giganten knapp bei Kasse wären. Netflix und Amazon haben 4,58 Milliarden Pfund bzw. 3,43 Milliarden Pfund in Inhalte investiert. Facebook hat im letzten Jahr einen Umsatz von 21,1 Milliarden Pfund erzielt, das Google-Mutterunternehmen Alphabet realisierte ganze 68,3 Milliarden Pfund.

Anscheinend hat sich die Premier League aber als nicht so lukrativ erwiesen wie es sich einige Bieter vorstellen. Weder BT noch Sky sind profitable Pay-TV-Sportsender, wenn es nach der Einschätzung von Enders geht. Die Analysten gehen noch weiter: auf Sportinhalte fallen 66 Prozent der Ausgaben, aber nur ein achtprozentiger Anteil auf die Zuschauerzahlen über alle Kanäle.

„Meiner Meinung nach zielt all das Gerede um die Premier League nur darauf ab, Verwirrung und Angst zu sähen, und so zu tun, als ob ihr Produkt magische und mystische Eigenschaften hat, was sie nicht haben“. Das behauptet Claire Enders, Gründerin und CEO von Enders Analysis beim Westminster Media Forum.

Was wollen die Tech-Giganten?

Netflix umwirbt einige Premier-League-Klubs für etwaige Dokumentation. Anfang des Jahres erklärten die Verantwortlichen gegenüber ihren Investoren, dass die Akquise von Sportrechten nach dem Vorbild Amazon „keine Strategie ist, die für uns sinnvoll ist.“ […] Der Fokus liegt demnach darauf, TV- und Filminhalte weiter zu stärken.

Dass Amazon hohe Summen für die Premier League springen lassen will, erscheint kurzfristig unrealistisch. Noch ist nicht klar, wie sich die ambitionierte NFL-Wette auszahlen wird. Der Stream zum ersten Spiel erreichte durchschnittlich 370.000 Zuschauer. Verglichen mit 14,6 Millionen im klassischen TV ist dieser Wert gering. Mit den ersten vier Spielen von NFL Thursday Night Football erzielte Amazon 7,1 Millionen Views.

Facebook hat ein grundlegendes Interesse an der Premier League dargelegt. Ein etwaiges Investment würde sich deutlich auf die Gewinnspannen in UK auswirken. Enders schätzt den UK-Umsatz von Facebook auf etwa über eine Milliarde Pfund. Um die die Rechte mitzubieten, würde ein „teures Experiment“ bedeuten. Enders weiter: „Deshalb denke ich, dass Facebook absolut verrückt wäre, um die Premier League mitzubieten. Es ist ein gigantisches Investment…ich finde das unvorstellbar.“

Google war bislang offenbar nicht gewillt, Facebook und Amazon hinsichtlich ihrer Gebote für Sportrechte nachzueifern.

Die Analystin empfiehlt den Tech-Giganten, zu einem späteren Zeitpunkt für internationale Rechte oder nicht-exklusive Streaming-Rechte in UK zu bieten. Sie sollten aber berücksichtigen, dass Sky und BT sich intensiv um die Verbreitung ihrer Inhalte über digitale Kanäle kümmern. Es sei daher „unwahrscheinlich, dass die Liga bereit wäre, den Wert der wichtigsten Streaming-Pakete auf diese Weise zu verwässern.“

„Wir glauben nicht, dass einer von ihnen in der Position oder überhaupt motiviert sind, für wichtige Pakete zu bieten“, fasst Enders zusammen. Bald werden wir erfahren, wie ernstzunehmend die Gerüchte um die Tech-Giganten sind.

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Philipp Ostsieker ist Medien- und Digitalmanager aus Hamburg. Neben seiner hauptberuflichen Tätigkeit als selbstständiger Digital Content Strategist schreibt Philipp für BASIC thinking die Kolumne „Matchplan“, in der er über den Tellerrand blickt und durch die innovativen Ideen der Sportbranche führt.