Windkanal-Effizienz-Zentrum: Einrichten eines Tiguan im Thermofunktionskanal (Foto: Volkswagen AG)

Volkswagen eröffnet „Windkanal-Effizienz-Zentrum”

Ekki Kern
von Ekki Kern
Windkanal-Effizienz-Zentrum: Einrichten eines Tiguan im Thermofunktionskanal (Foto: Volkswagen AG)

Tüchtig Wind machen: Volkswagen-Pkw, Teil des VW-Konzerns, hat in Wolfsburg ein sogenanntes Windkanal-Effizienz-Zentrum gebaut. Natürlich gehe es darum, Kraftstoffverbräuche und Emissionen weiter zu senken, sagt das Unternehmen.

Zumindest was das Verkünden positiver Nachrichten angeht, ist Volkswagen in der Automobilbranche wohl mit führend. Nun hat der Konzern bekanntgegeben, dass man im Zuge der angepeilten und häufig betonten „Modell- und Technologieoffensive” der Marke in Wolfsburg ein neues sogenanntes Windkanal-Effizienz-Zentrum (WEZ) eröffnet habe, das angeblich zu den modernsten und effizientesten in der Branche zählt.

Das WEZ mit einer Grundfläche von 8.800 Quadratmetern sei für Messungen nach WLTP (Worldwide Harmonized Light Vehicle Test Procedures) zertifiziert. Fahrzeuge könnten bei Windgeschwindigkeiten bis zu 250 km/h wie im realen Straßenbetrieb getestet werden, um Luftwiderstände und somit Kraftstoffverbräuche und Emissionen zu senken, heißt es.

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Fahrsimulationen installiert

Außerdem seien Fahrsimulationen für alle weltweit gängigen Klima- und Umweltbedingungen zwischen minus 30 und plus 60 Grad Celsius möglich. Herbert Diess, Vorstandsvorsitzender der Marke Volkswagen, sagt, das Windkanal-Effizienz-Zentrum biete optimale Bedingungen, um unter anderem die Verbrauchswerte der wachsenden Modellpalette weiter zu verbessern.

Die Aerodynamik, sagt Entwicklungsvorstand Frank Welsch, sei „ein entscheidender Stellhebel für mehr Effizienz und weniger Emissionen”. Dank des neuen Zentrums sei die Marke Volkswagen auch auf weiteren Entwicklungsfeldern wie Aeroakustik und elektrische Reichweite für die Zukunft „hervorragend aufgestellt”.

Im Windkanal für Aerodynamik und -akustik sorgt vor allem die sogenannte Laufbandwaage dafür, dass der reale Fahrbetrieb simuliert werden kann. Dabei steht jedes Rad auf einem eigenen Laufband. Somit sind Drehbewegungen der Räder analog einer Straßenfahrt möglich. Die Waage mit eingebautem Kamerasystem richtet jedes Modell in weniger als fünf Minuten vollautomatisch für den Test ein. Bisher seien dafür etwa dreißig Minuten nötig gewesen, heißt es vom Unternehmen.

Kanal akustisch gedämmt

Die akustische Dämmung des Kanals mache ihn zu einem der leisesten Automobil-Windkanäle weltweit, sagt Volkswagen. Bei 160 km/h Windgeschwindigkeit erreiche er lediglich einen Schalldruckpegel von 65 Dezibel, vergleichbar mit Fernsehen in Zimmerlautstärke oder normalem Gespräch.

Der Thermofunktionskanal, der neben Sonne und Regen nach einer Pilotphase auch Schnee erzeugen werde, lasse gegenüber dem bisherigen Windkanal deutlich mehr Erprobungen unter realen Bedingungen zu, heißt es. Kernstück sei ein „hochmoderner Allrad-Rollenprüfstand”, der ebenfalls alle Anforderungen an Straßentests berücksichtige.

Mit dem neuen WEZ reduziere die Marke Volkswagen den Aufwand für Tests in entfernten Gebieten erheblich, heißt es. Spürbar würden sich zudem die Wege in der Zusammenarbeit zwischen Entwicklungsbereichen wie Fahrzeugsicherheit, Design, Akustik und Komfort verkürzen, so auch durch einen zentralen Werkstattbereich.

Der Grundstein für das WEZ wurde schon im Juni 2014 gelegt. Windkanäle seien für Zulassungen und vielfältige Detailverbesserungen am Fahrzeug „nach wie vor unentbehrlich”, sagt Volkswagen. Auf diese Weise könne ein Luftwiderstandswert in etwa 20 Minuten bestimmt werden, eine Computer-Berechnung würde hingegen Tage dauern.

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Ekki ist Medienjournalist und probiert Technologien gerne aus, entdeckt dabei aber nicht selten die Vorzüge des Analogen. Diskutieren über das alles kann man mit ihm ganz hervorragend, für die Zeitung schreibt er über Medien und Verbraucherthemen, privat für seinen Watchblog Radiowatcher.