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Champions-League-Finale 2018: Kloppo will den Pott!

Philipp Ostsieker

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Auf so ein Finale haben Fußballfans lange warten müssen: Zwei offensivstarke Mannschaften mit den Torjägern dieser Saison treffen in Kiew aufeinander und damit dürften reichlich Tore garantiert sein. Zumal bis auf eine Ausnahme beide Teams in den letzten 5 Partien ohne Tor oder Gegentor blieb.

Denn während Ronaldo wettbewerbsübergreifend auf 43 Saisontreffer kommt, ist Liverpools Superstar Salah mit 44 Treffern sogar noch treffsicherer unterwegs. Und die gesamte Klopp-Truppe ist sowieso weniger aufs Verteidigen als vielmehr aufs Tore schießen aus. Denn Liverpools magisches Offensivtrio säumte den Weg ins Finale mit sagenhaften 31 Toren.

Bei Real Madrid lief in diesem Jahr nicht alles rund, darum war man manchmal mehr als in den anderen Spielzeiten von Ronaldos Treffsicherheit abhängig – 15 Tore schoss der Portugiese in dieser Champions-League-Saison und benötigte dafür lediglich 33 Torschüsse. Gibt es jedoch Freistoß nahe am Liverpooler Strafraum bedeutet das nicht zwingend Gefahr. In dieser Saison schoss Real Madrid noch kein Freistoßtor. Stattdessen waren die Spanier sehr erfolgreich vom Punkt. Hierbei bevorzugt der portugiesische Superstar die Ecke links unten vom Torhüter oder rechts oben – mit leichter Verzögerung im Anlauf.

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Erhält Liverpool jedoch einen Freistoß, dürfte zumindest Klopps Stirn auf Anspannung Level 3 steigen. 10 Tore erzielten die Engländer nach einem ruhenden Ball, 4 davon per Freistoß.

Glücksfaktor im Finale

Bei Liverpool weisen 18 der 46 Saisontore in der Champions League einen Zufallsfaktor auf. Bei Real Madrid sind es lediglich 6 Stück – in 3 Jahren. Bei Liverpool ist es jedoch nicht das Glück am Pfosten, sondern das Ergebnis ihres Gegenpressings, da sie die Ballverluste und Fehlpässe ihrer Gegner gedankenschnell antizipierten und in erfolgreiche Angriffe umwandelten.

Elchtest für die Abwehrreihen

Es stellt sich somit eigentlich nicht die Frage, welche Angriffsreihe trifft, sondern welche Abwehr zuerst die Lücken offenbart. Dass Linksverteidiger Marcelo bei Real schon immer seine Position mehr als Empfehlung empfand und bisweilen noch vor den eigentlichen Angreifern am gegnerischen Strafraum auftauchte, könnte in einem Finale teuer werden. Keiner verliert mehr Bälle als Marcelo (39). Das dürfte Salah und Klopps Tempo-Fußball-Philosophie freuen. Und auch auf der anderen Seite wird Real Madrid viel zu tun bekommen. Denn Mané hat bei Liverpool die meisten 1:1-Duelle in dieser Champions League Saison gewonnen (42). Allerdings traf Marcelo auch bereits 2 mal und ist damit hinter Ronaldo und gleichauf mit Benzema der zweitbeste Angreifer des weißen Ballett seit der Gruppenphase.

Für Real als Sieger spricht die große Erfahrung – es ist das dritte Endspiel in Folge, dass die Madrilenen gewinnen können. Das Team ist an den wichtigsten Positionen seit Jahren zusammengeblieben und eingespielt. Allerdings blieb Ronaldo im Halbfinal-Duell gegen die Bayern ohne Torerfolg. Zudem hatte Madrid auch in der Runde zuvor Probleme mit Juventus Turin und schlussendlich Glück, dass man spät einen Elfmeter bekam.

Gegen den Finalfluch hilft nur der Henkelpott

Jürgen Klopp steht in seinem zweiten Champions-League-Finale und weiß, dass er es wieder als Underdog angeht. Seine Abwehr steht vor der größtmöglichen Herausforderung, einen der besten Stürmer des letzten Jahrzehnts kalt zu stellen, nachdem man bereits in den Runde zuvor reichlich Probleme mit weniger begabten Angreifern hatte.

Die Lösung wird, wie die gesamte Saison über, der überfallartige Angriffsstil der Liverpooler sein. Insgesamt schoss Liverpool 23 Tore im Umschaltverhalten, Real Madrid lediglich 10 Stück. Während Madrid den Ball knapp 33,9 Minuten in den eigenen Reihen hielt, waren es bei Liverpool nur 29,9 Minuten. Zudem schlägt der Torhüter der Engländer den Ball deutlich öfter lang und weit auf die Flügel (16 vs. 12) als sein Kollege aus Madrid. Bei Real wird der Ball eher kurz gespielt und zum Aufbau bei Stratege Toni Kroos abgeliefert. Es wird also auch ein Finale der Spielstile – schnell und vorrangig über den rechten Flügel kommend oder der Positionsangriff des weißen Balletts durch das Zentrum.

Gewinner wird in jedem Fall der Fußballfan sein – denn er bekommt Tore, Titel und vielleicht Kloppos Torjubel mehr als einmal präsentiert.

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Philipp Ostsieker ist Medien- und Digitalmanager aus Hamburg. Neben seiner hauptberuflichen Tätigkeit als selbstständiger Digital Content Strategist schreibt Philipp für BASIC thinking die Kolumne „Matchplan“, in der er über den Tellerrand blickt und durch die innovativen Ideen der Sportbranche führt.