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Daten für die Nachhaltigkeit: Diese Städte wurden umweltfreundlich und barrierefrei

Credit: The City Fix
geschrieben von Felix Baumann

Auch, wenn man wenig in den Nachrichten davon liest: Viele Städte weltweit gehen inzwischen immer umfangreicher gegen den Klimawandel vor. Neben der Verbesserung der Lebensbedingungen der Einwohner geht es auch unter anderem darum, die Ziele des Pariser Klimaabkommens zu erreichen. Ein Mittel hierfür ist die Erhöhung der Effektivität und Nachhaltigkeit des Stadtverkehrs.

Dafür braucht es aber mehr, als die Förderung des ÖPNV oder das Einführen von Umweltzonen. Und zwar Daten. Daten werden für die nachhaltige Stadtplanung immer wichtiger, um Maßnahmen an der richtigen Stelle ergreifen zu können. Außerdem muss nach der Umsetzung dieser Maßnahmen weiterhin die Effektivität von diesen beobachtet und dokumentiert werden.

Hier zeigen wir euch 4 Städte, in denen die Effektivität des Transportsystems optimiert wurde. Dabei wurde neben dem Zugang zu Fortbewegungsmitteln mit geringem CO2-Ausstoß auch die soziale Inklusion verbessert:

Indonesien: Semarang City

Seitdem im Jahr 2009 ein System mit Expressbussen entwickelt wurde, konnten über 14.000 Tonnen CO2 eingespart werden. Das System mit dem Namen “Trans Semarang” hatte dabei das Ziel, den Bürger zum Umstieg auf die öffentlichen Verkehrsmittel zu bewegen. Das Projekt war letztendlich so erfolgreich, dass das System demnächst um 7 Verkehrskorridore erweitert wird.

„Trans Semarang“ in Semarang City (Credit: Trans Semarang)

Weiterhin wurden Daten gesammelt und ausgewertet, um den “Trans Semarang” optimal auf die Geschlechter zuzuschneiden. Dazu wurden Bushaltestellen mit besserer Beleuchtung ausgestattet, mehr Sitzplätze eingebaut und der Zugang für Frauen, Senioren und mobilitätseingeschränkte Fahrgäste erleichtert.

Damit zeigt Semerang City, wie Daten über den Transport und die Geschlechter zu einer nachhaltigen und einfach zugänglichen Stadt führen können.

Österreich: Wien

Aber auch unsere Nachbarn in Österreich nutzen und analysieren schon länger Daten über Mobilität. Nach der aktuellen Mobilitätsplanung der Stadt soll die Datensammlung bis 2025 sogar noch ausgebaut werden und die so gewonnenen Kenntnisse dezentral abgespeichert werden. Der Fokus liegt dabei auf Aspekten wie Alter, Bildungsstand und Geschlecht.

Bisher gesammelte Daten konnten genutzt werden, um die Fortbewegung von Fußgängern zu erleichtern. Beispiele hierfür sind die Installation von Straßenbeleuchtungen oder der Bau von Rampen:

Eine barrierefreie Treppe inmitten von Wien (Credit: Josef Lex/Flickr)

Ecuador: Quito

Ecuador hat 2011 eine Studie zur Mobilität durchgeführt. Das Ergebnis war, dass 68 Prozent der Frauen bisher Opfer von sexueller Gewalt in der Öffentlichkeit wurden. Mit einer neuen, geschlechterspezifischen Herangehensweise an den Transportsektor, wurden gleichzeitig alle O-Bushaltestellen modernisiert, sodass diese nun im Einklang mit den örtlichen Sicherheitskriterien stehen. Inzwischen haben 43 der 44 Haltestellen Glastüren, die einen sicheren Transport und einen sicheren Aufenthalt gewährleisten. Nur durch die Konsolidierung von Daten war hier eine Optimierung möglich.

In Ecuador sind O-Bushaltestellen jetzt gläsern (Credit: Wikimedia Commons / waldopics)

Brasilien: São Paulo

Unsere Reise setzen wir nun in Brasilien fort. Hier sind Fahrrad- und Fußgängerunfälle ein zunehmendes Problem. Daher nutzen viele Einwohner von São Paulo lieber das Auto, anstatt auf umweltfreundliche Alternativen umzusteigen. Eine Umfrage aus dem Jahr 2016 bestätigt diesen Fakt, da 76 Prozent der Frauen angaben, dass sie wegen mangelnder Sicherheit nicht mit dem Rad fahren. 60 Prozent der Frauen gaben an, dass sie Radfahren nur auf abgesteckten Wegen sicher fänden. Zwischen 2014 und 2015 hat die Stadt bereits 238 Kilometer an neuen Fahrradwegen verlegt und das Ergebnis war überragend. Die Anzahl der Fahrradfahrer stieg enorm an. Gerade diese Form der Fortbewegung hilft São Paulo dabei, die ausgestoßene Menge an Treibhausgasen zu reduzieren.

In São Paulo wird für Bürger der Anreiz geschaffen auf das Fahrrad umzusteigen (Credit: dcomercio.com.br)

Mobilität variiert je nach Geschlecht

Ein wichtiger Aspekt für die Mobilität von morgen ist die Ausrichtung des Verkehrs auf die Geschlechter. Forscher zeigten, dass Männer häufiger mit privaten Fahrzeugen auf langen Strecken unterwegs sind als Frauen. Weiterhin pendeln Männer eher nur zur Arbeit während Frauen mehrere Fahrten miteinander verbinden (bspw. Arbeit, Einkauf, Wohnung). Allgemein nutzen Frauen den öffentlichen Nahverkehr häufiger, geben für diesen mehr Geld aus (aufgrund von Mitreisenden wie bspw. Kindern) und legen deutlich mehr Wege zu Fuß zurück. Dies passiert meist in Zeiten außerhalb der Hauptverkehrszeit, um Belästigungen und Gewalt zu vermeiden.

Fazit: Daten für Nachhaltigkeit

Wie ich euch oben gezeigt habe, gibt es viele Paradebeispiele, wie Daten den öffentlichen Verkehr deutlich verbessern können. Wir sollten häufiger Straßen und Verkehrsmittel auf Basis von aktuellen Zahlen und Befragungen ausbauen und uns nicht nur auf Berechnungen und Prognosen verlassen. Denn nur, wenn klar ist, wo der Bedarf ist, kann dieser optimal befriedigt werden.

Via The City Fix

mittwald

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Über den Autor

Felix Baumann

Felix Baumann ist seit März 2022 Redakteur bei Basic Thinking. Bereits vorher schrieb er 4 Jahre für den Online-Blog Mobilegeeks, der 2022 in Basic Thinking aufging. Nebenher arbeitet Felix in einem IT-Unternehmen und beschäftigt sich daher nicht nur beim Schreiben mit zukunftsfähigen Technologien.

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