Unternehmen

Gründer: Und ewig blockt die Bürokratie

Münzen, Geld, Kugelschreiber, Erträge. Gewinn
geschrieben von Carsten Lexa

Fragt man Gründer, was für sie der größte Bremsklotz bei der Entwicklung ihres Unternehmens ist, dann erwartet man Antworten wie „fehlendes Kapital“ oder „Kundenmangel“. Tatsächlich nennen aber die meisten Gründer die bürokratischen Anforderungen als größtes Hemmnis.

Unter bürokratische Anforderungen sind dabei zu verstehen die unzähligen Meldepflichten, zu leistenden Angaben und die unnötigen Wege und unterschiedlichen Stellen, mit denen sich Gründer abgeben müssen.

Viele Anlaufstellen im Rahmen der Gründung

So müssen sich Gründer schon zum Start des Unternehmens mit dem Gewerbeamt, dem Finanzamt, dem Handelsregister, der IHK und gegebenenfalls einem Notar befassen.

Dabei natürlich sind diese Ämter und Behörden regelmäßig nicht in einem Gebäude untergebracht und die Vereinbarung von Terminen folgt auch nicht einem einheitlichen Schema, von online-Terminvereinbarungen, etc. ganz zu schweigen. Und auch eine Abstimmung zwischen den einzelnen Behörden und Stellen erleben Gründer selten.

Und sind dann noch Zulassungen erforderlich – z.B. für bestimmte Produkte oder Produktionsstätten -, dann stellt sich Gründern oftmals die Frage, welche Abteilung welcher Behörde zuständig ist. Das herauszufinden kostet Zeit und schafft nicht unerheblichen Aufwand.

Bürokratie auch nach der Gründung

Aber auch nach der Gründung kommen auf junge Unternehmen diverse Schwierigkeiten zu. So müssen diese z.B. regelmäßig monatlich eine Umsatzsteuererklärung abgeben – in der Anfangszeit, wenn die Ein- und Ausgaben noch gering sind, eigentlich nur bedingt nötig. Das erzeugt aber Aufwand.

Und auch Umsatzsteuerzahlungen sind oftmals zu leisten, wenn Waren ausgeliefert worden sind, nicht erst dann, wenn diese Kunden bezahlt haben. Für viele junge Unternehmen ein großes Problem, da sie die erforderliche Liquidität nicht zur Verfügung haben und sich mit einem Darlehen behelfen müssen, um die Zeit zwischen der Auslieferung und dem Eingang des Geldes vom Kunden zu überbrücken. Das jedoch schafft erneut unnötigen Aufwand.

Generelle Anforderungen

Und dann gibt es noch die zahllosen Regelungen wie Anforderungen an Büroräume oder Arbeitszeiten – die teilweise noch aus Zeiten stammen, als Arbeitnehmer überwiegend körperlich tätig waren. Darüber hinaus wünschen sich sogar viele Arbeitnehmer, auch mal 14 oder noch mehr Stunden am Tag arbeiten zu können, um dann Freizeit anzusammeln.

Selbst wenn sich Arbeitgeber und Arbeitnehmer einig sind, wäre das nicht möglich, der das junge Unternehmen als Arbeitgeber muss sogar aktiv tätig werden, dass die Arbeitnehmer nicht zu viel arbeiten. Tun sie das nicht, drohen Bußgelder.

Und ewig blockt die Bürokratie

Wie kann man nun jungen Unternehmen helfen, sich auf das zu konzentrieren, was eigentlich am Anfang am wichtigsten ist – Produkte und Dienstleistungen entwickeln und vertreiben, Kunden gewinnen, Arbeitsplätze schaffen, etc.?

Ansätze gibt es viele. So wird schon lange gefordert, das gesamte Meldewesen über eine Online-Plattform abzuwickeln. Lösungen für das Leisten von Unterschriften, Prüfung von Identitäten und Erstellungen von Foto- oder Fingerabdruckbildern gibt es ja schon. Andere Länder wie Estland bekommen das ja auch hin, warum klappt es nicht in Deutschland?

Darüber hinaus würde mit dieser Plattform auch gleich ein Problem beseitigt werden, das viele Gründe als „sekundäres“, aber dennoch bestehendes Problem nennen: Generelle Erreichbarkeit von Mitarbeitern in der Verwaltung und die zur Verfügung stehenden Sprechzeiten im Besonderen. Einer Online-Plattform ist es egal, ob eine Anmeldung um 22 Uhr am Abend abgegeben wird.

Und auch bei den steuerlichen Hindernissen könnten Erleichterungen geschaffen werden. Hilfreich wäre es dabei sicherlich, wenn man die Abschaffung von solchen Hindernissen nicht als „unnötige Hilfestellung für reiche Unternehmer“ sieht, sondern als „Unterstützung von Menschen, die das Risiko des Betriebs eines Unternehmens“ auf sich nehmen, so Arbeitsplätze schaffen und letztendlich Steuern zahlen werden.

Hier wäre längerfristiges Denken angesagt, als nur kurzfristig möglichst lückenlos und umfassen dem Staat Steuerzahlungen zuzuführen. Die Abgabe von Umsatzsteuervoranmeldungen nicht jeden Monat sondern nur alle 3 oder 6 Monate würde dem Staat nicht sonderlich belasten (wir sprechen ja nicht über gestandene Unternehmen mit Millionenumsätzen, sondern über junge Unternehmen mit gar keinen oder geringen Umsätzen), junge Unternehmen aber stark entlasten.

Und auch Zahlungspflichten an Geldeingänge zu koppeln und nicht an ausgelieferte Produkte würde junge Unternehmen stark entlasten, da ihre Liquidität geschont wird – zugunsten von wichtigeren Dingen wie Marketing und Vertrieb, was ja letztendlich im Erfolgsfalle wieder dem Staat in Form von mehr Steuern zugutekommen würde.

Steuern runter für junge Unternehmen?

Und schließlich – mal zum Nachdenken – noch eine völlig verrückte Idee: Warum befreit man nicht jungen Unternehmen, z.B. bis zu zwei Jahren, und bis zu einer bestimmten Gewinngrenze, etwa 25.000 Euro oder gar 50.000 Euro, von der Pflicht zur Zahlung von Steuern auf diese Gewinne? Gleich zum Verständnis: Es geht nicht um die Abschaffung von Umsatzsteuer oder der Pflicht zur Zahlung von Sozialabgaben für Mitarbeiter.

Es geht vielmehr darum, dass Unternehmen in der Anfangsphase das Geld sicherlich für andere, volkswirtschaftlich und langfristig betrachtet sinnvollere Zwecke einsetzen können. Der Staat könnte den Ausfall dieser Steuereinnahmen sicherlich verkraften (insbesondere wenn man sich das aktuelle Steueraufkommen anschaut) und (junge) Menschen bekommen ein starkes Argument, sich gegen eine Anstellung und für das Risiko einer Gründung zu entscheiden.

Ach, noch ein Hinweis: Wem die oben genannten Wünsche wie Utopie vorkommen – Mexiko hat diese umgesetzt. Sollte Deutschland das nicht auch können?


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Über den Autor

Carsten Lexa

Carsten Lexa, LL.M. ist seit November 2005 als Rechtsanwalt tätig. Er berät Unternehmen in allen Angelegenheiten wirtschafts- und unternehmensrechtlicher Art. Bei BASIC thinking schreibt er über Start-ups und Unternehmen aus der juristischen Perspektive.

2 Kommentare

  • Danke für diesen guten Beitrag, das Thema Bürokratie ist eine große Belastung für alle Unternehmer und natürlich insbesondere für Gründer. Die Vorschläge sind alle sehr sinnvoll. Ganz besonders wichtig ist der Hinweis auf Estland: Dort kann man alle bürokratischen Verfahren online erledigen, über eine zentrale Plattform (die auch jeder Bürger privat nutzen kann). Das Beispiel belegt eindeutig: es geht. Estland ist uns rund 20 Jahre voraus – die deutsche Politik darf das nicht länger auf sich sitzen lassen.

  • „Hilfreich wäre es dabei sicherlich, wenn man die Abschaffung von solchen Hindernissen nicht als „unnötige Hilfestellung für reiche Unternehmer“ sieht, sondern als „Unterstützung von Menschen, die das Risiko des Betriebs eines Unternehmens“ auf sich nehmen, so Arbeitsplätze schaffen und letztendlich Steuern zahlen werden.“ Stimmt!
    Hier wäre längerfristiges Denken angesagt, als nur kurzfristig möglichst lückenlos und umfassen dem Staat Steuerzahlungen zuzuführen.“
    Wir haben das generelle Problem, dass (sicher nicht nur in Deutschland) Gesetze vor allem von den Menschen gemacht werden, die selbst noch nie einen Arbeitsplatz geschaffen und auf eigenes Risiko erhalten haben. Ausgezeichnete Unternehmer und unternehmerisch denkende Persönlichkeiten wie Alexander Kulitz, Dr. Dietlind Tiemann oder Doris Barnett sind die Ausnahme im Hohen Haus und nicht etwa die Regel. Das Grunddenken in Deutschland ist ein Verbotsdenken: Alles, was nicht ausdrücklich erlaubt ist, ist verboten. Eine Innovationskultur setzt das Gegenteil voraus: Alles, was nicht ausdrücklich verboten ist, ist erlaubt. Eine „Gründerkultur“, die sich auf Fördermittel für Gründungen beschränkt, und den jungen Unternehmen anschließend in die Taschen greift, bis sie die Hosen verlieren, verdient den Namen „Kultur“ nicht. Jedes Jahr werden nicht nur mehrere hunderttausend Gewerbe angemeldet, sondern leider auch abgemeldet. Wenn wir diesen enormen Verschleiß an volkswirtschaftlicher Initiative wenigsten um nur drei oder vier Prozent senken könnten, wäre schon viel gewonnen. Aber dafür bedarf es tatsächlich nicht nur des Um“denkens“, sondern des Um“fühlens“. Wer in jedem Unternehmer einen noch nicht enttarnten Steuerhinterzieher vermutet, wird dazu kaum in der Lage sein.

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