Technologie

Start-up-Check! Mui Lab: Dieses Start-up entwickelt smartes Holz für dein Zuhause

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Das Mui Board vereint Technologie mit unauffälligem Holz-Design. (Foto: Screenshot / Website)
geschrieben von Christoph Hausel

In der Serie „Start-up-Check!“ nehmen wir regelmäßig die Geschäftsmodelle von Start-ups unter die Lupe. Wer steckt hinter dem Unternehmen? Was macht das Start-up so besonders und was gibt es zu kritisieren? Heute: Mui Lab.

Start-ups. Das klingt nach Erfindergeist, Zukunftstechnologien, neuen Märkten. Doch in der Realität erweisen sich viele der Neugründungen leider oft als eine Mischung aus einer E-Commerce-Idee, planlosen Gründern und wackeligen Zukunftsaussichten.

Dabei gibt es sie durchaus: Die Vordenker, die an den großen Problemen tüfteln und Geschäftsmodelle revolutionieren. Diese zu finden und vorzustellen, ist die Aufgabe des Formats Start-up-Check. Heute: Mui Lab aus Kyoto in Japan.


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Wer steckt hinter Mui Lab?

Zugegeben – ein schlichtes Holzbrett an eine Wand montiert, assoziiert man in erster Linie wohl mit einem minimalistischen Design-Objekt. Aber der Schein trügt. Das Mui Board ist das erste Smart-Home-Touchpanel, das aus Holz gefertigt wurde.

Es soll in der hektischen digitalen Welt als Ruhepol im eigenen Zuhause dienen und wurde deshalb als störungsfreies Calm Design Interface konzipiert. Das Board ermöglicht es Nutzern so, sich voll auf Freunde, Familie und verschiedene Tätigkeiten zu konzentrieren, während sie trotzdem digital vernetzt bleiben.

Die Entwickler wurden dabei von der daoistischen Philosophie des „Mui shizen“ inspiriert, die für Harmonie zwischen Mensch, Natur und Technik sorgt.

Holz in einen Touchscreen zu verwandeln, ist natürlich alles andere als einfach. Da Mui Lab allerdings aus einem Unternehmen hervorgeht, das Touch-Technologie für globale Unternehmen entwickelt und herstellt, war die Grundexpertise bereits vorhanden.

Das Gründerteam um Kaz Oki musste trotzdem lang sowie mit verschiedenen Holzarten und Verarbeitungstechniken experimentieren, um ein Produkt zu entwickeln, das die Vorteile und die Haptik von Holz aufweist, aber genauso reaktionsschnell und klar lesbar ist wie ein herkömmliches Display.

Nachdem diese Hürde gemeistert war, erstellte das junge Unternehmen eine Kampagne auf Kickstarter – und das mit vollem Erfolg. Sie brachte nicht nur das nötige Geld für den Start der kommerziellen Produktion ein, sondern wurde auch als „Best of Kickstarter 2019“ prämiert.

Mui Lab wurde außerdem mit dem CES Innovation Award 2019 ausgezeichnet. Das Mui Board war im Super Early Bird für 499 US-Dollar erhältlich, der eigentliche Ladenpreis liegt bei rund 999 US-Dollar. Die Auslieferung der ersten Geräte verzögerte sich und ging erst im März 2020 über die Bühne.

Was macht Mui Lab?

Das Ziel der Hersteller ist es, mit dem Mui Board Smart-Home-Technologie so unaufdringlich wie möglich in die eigenen vier Wände zu integrieren, ohne dazu ständig das Smartphone in die Hand nehmen zu müssen.

Das 570 Millimeter lange, 73 Millimeter hohe und 26 Millimeter tiefe Holzpanel lässt sich bequem an der Wand montieren und ist im inaktiven Zustand ein schlichtes Design-Element.

Erst wenn es aktiviert wird, erscheint das Display und gewährt so Zugriff auf Wetter, Nachrichten, Kalender, den Google Assistant sowie andere Smart-Home-Geräte. Auch einen „Bitte nicht stören“-Modus gibt es. Die Informationen, die hier angezeigt werden, lassen sich mit IFTTT on top selbst konfigurieren.

Auf Wunsch lassen sich über das Panel auch Thermostate regeln und Lampen dimmen. Ein Lautsprecher und ein Mikrofon sind ebenfalls enthalten. Damit kann der User das Board nutzen, selbst wenn er keine Lust hat, vom Sofa aufzustehen.

Was macht Mui Lab so besonders?

Die meisten smarten Geräte auf dem Markt sind darauf ausgerichtet, unser Leben einfacher und bequemer zu gestalten. Der Trend geht dabei zu immer mehr Funktionen – man nehme nur Smart-TVs, intelligente Lautsprecher oder auch das Smartphone an sich.

Im Alltag mögen diese Geräte zwar eine große Hilfe sein. Allerdings lässt sich der User auch leichter ablenken. Das wirkt sich nicht nur auf das Wohlbefinden, sondern auch auf das Sozialleben aus.

Ein Beispiel: Man möchte nur fix das Wetter auf seinem Smartphone checken, sieht aber gleichzeitig, dass man eine neue Nachricht erhalten oder jemand ein neues Foto auf Instagram gepostet hat.

Ehe man es sich versieht, hat man Stunden auf dem Smartphone verbracht und im Zweifel sogar vergessen, die Wetter-App zu öffnen.

Die Gründer haben deshalb die Schnittstelle zwischen Mensch und Maschine neu überdacht und mit dem Mui Board ein Gerät entwickelt, das Ruhe und Zusammengehörigkeit fördert, aber gleichzeitig die Vorteile des Smart Homes integriert. Stichwort: Calm Technology.

Dazu kommt, dass Holz ästhetisch ansprechender ist und damit eine heimeligere Atmosphäre in das eigene Zuhause bringt. Holz ist ein natürliches warmes Material und wirkt demnach längst nicht so kalt wie ein schwarzer Bildschirm. Mui Lab möchte so eine Harmonie zwischen Mensch, Natur und Technologie schaffen.

Kunden können auch selbst an ihrem Board werkeln: Mit dem speziellen Entwickler-Kit, das einen Raspberry Pi enthält, lassen sich neue und originelle UI/UX-Services für die Geräte entwickeln.

Gibt es Kritikpunkte?

Minimalistisch, natürlich und dennoch innovativ – im Vergleich zu anderen Smart-Home-Geräten auf dem Markt ist das Mui Board eine Wohltat fürs Auge, da es ohne grelles Licht oder kalte Displays auskommt.

Dank des Gehäuses, welches in verschiedenen Holzvarianten verfügbar ist, fügt es sich außerdem besonders harmonisch in die verschiedensten Wohnungen und Häuser ein.

Weitere Pluspunkte gibt dafür, dass der User weniger abgelenkt ist und sich eher auf Familie und Freunde konzentriert, anstatt ständig das Smartphone in der Hand zu haben. Auf die entsprechenden Funktionen muss er trotzdem nicht verzichten.

Diese sind bei aller Innovation zum Trotz jedoch sehr einfach gehalten. Weitere Geräte müssten im Zweifel also zusätzlich integriert werden. So kann Musik beispielsweise über Sonos-Lautsprecher wiedergegeben werden, während smarte Lampen gedimmt und diverse Thermostate gesteuert werden können.

Ob das den Ladenpreis von rund 999 US-Dollar rechtfertigt, ist daher fraglich.

Fazit

Ich denke, dass Calm Technology in unserer schnelllebigen digitalen Zeit zu einem wichtigen Trend wird.

Der User profitiert zwar nach wie vor von allen technologischen Vorteilen, wird aber trotzdem daran erinnert, das Smartphone und sonstige Gräte aus der Hand zu legen, bewusst abzuschalten und sich Freunden und Familie zu widmen.

Hier ist das Mui Board ein interessanter Produktauftakt. Ich bin gespannt, wie sich nicht nur das Unternehmen, sondern auch der Markt an sich weiterentwickeln wird.

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Über den Autor

Christoph Hausel

Co-Owner & Managing Director von ELEMENT C

Christoph Hausel, studierter Jurist und erfahrener Kommunikationsprofi, steht zahlreichen Acceleratoren / Inkubatoren und VCs als Mentor und Experte zur Seite: next media accelerator, initiiert von der dpa, MediaLab Bayern, Münchner Ideen-Inkubator für den digitalen Journalismus, Wayra, der Startup-Track von Telefónica und den STARTUP TEENS.

2002 gründete er die Kommunikationsagentur ELEMENT C. Damals als reine PR-Agentur konzipiert, fokussiert sich ELEMENT C seit 2005 auf die interdisziplinäre Verknüpfung von PR und Design, um ein langfristiges Markenbewusstsein zu schaffen.

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