Technologie

Start-up-Check! ChargeX – die intelligente Mehrfachsteckdose für Autos

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ChargeX ist schon bei mehreren Unternehmen im Einsatz. (Foto: Screenshot / Website)
geschrieben von Christoph Hausel

In der Serie „Start-up-Check!“ nehmen wir regelmäßig die Geschäftsmodelle von Start-ups unter die Lupe. Wer steckt hinter dem Unternehmen? Was macht das Start-up so besonders und was gibt es zu kritisieren? Heute: ChargeX.

Start-ups. Das klingt nach Erfindergeist, Zukunftstechnologien, neuen Märkten. Doch in der Realität erweisen sich viele der Neugründungen leider oft als eine Mischung aus einer E-Commerce-Idee, planlosen Gründern und wackeligen Zukunftsaussichten.

Dabei gibt es sie durchaus: Die Vordenker, die an den großen Problemen tüfteln und Geschäftsmodelle revolutionieren. Diese zu finden und vorzustellen, ist die Aufgabe des Formats Start-up-Check. Heute: ChargeX aus München.


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Wer steckt hinter ChargeX?

Der Bedarf an Lade-Möglichkeiten für Elektroautos steigt kontinuierlich. Das gilt für Flottenbetreiber, Autohändler, große Unternehmen, Hotels und Parkhäuser. Aber natürlich auch für Privathaushalte.

Ladesäulen müssen dabei meist aufwändig verkabelt werden. Noch dazu sind sie sehr teuer. Besonders schwierig wird es, wenn mehrere Parteien gleichzeitig ihr Fahrzeug laden möchten. Denn dann kann es passieren, dass das Stromnetz schnell überlastet ist.

ChargeX aus München hat mit dem sogenannten Aqueduct eine intelligente Lösung entwickelt, die dieses Problem behebt. Das System besteht aus einer modular erweiterbaren Ladesäule, die ähnlich wie eine Mehrfachsteckdose funktioniert und die Verteilung der Ladung automatisch zeitversetzt vornimmt.

Die Fahrzeuge werden also angesteckt. Das integrierte Last-Management steuert dann den Ladevorgang über einen längeren Zeitraum. Hinter dem Start-up stehen Tobias Wagner, Michael Masnitza und Johannes Engeln, die 2017 mit der Entwicklung ihres Ladesäulenkonzeptes begonnen haben.

Die Idee selbst entstand aus dem Alltag mit Elektroauto. So standen bei einem früheren Arbeitgeber nur sehr wenige Ladepunkte zur Verfügung. Ein Ausbau wäre sehr teuer und aufwändig gewesen.

Die Gründer waren überzeugt, nicht die ersten mit diesem Problem zu sein. Aus der Idee, eine Art Mehrfachsteckdose für E-Autos zu entwickeln, entstand daher nach mehreren Prototypen das heutige Aqueduct.

Für das System hat ChargeX bereits ein Patent angemeldet. Allerdings fehlt bislang die Bestätigung. Das Produkt selbst ist laut den Gründern seit Mitte 2019 im Einsatz. Der Kostenpunkt: 3.999 Euro für das Starterkit bestehend aus vier Modulen. Ein Erweiterungsmodul ist für 999 Euro zu haben.

Im August 2020 haben die Gründer bereits 300 Module verkauft. Somit konnten sie knapp 350.000 Euro Umsatz erwirtschaften. Aktuell lässt sich außerdem eine eichkonforme Pro-Version vorbestellen.

Das Aqueduct kommt auch bei Automobilgrößen gut an. So absolvierten die Gründer 2018 erfolgreich ihre erste Station in der Gläsernen Manufaktor in Dresden, dem Inkubator des Volkswagen-Konzerns.

Am dortigen Volkswagen-Standort wurde die Idee des jungen Unternehmens erstmals in der Praxis umgesetzt. Zeitgleich schloss das Start-up eine Business-Angel-Runde mit einer mittleren sechsstelligen Summe ab.

Ende August 2020 nahm ChargeX bei der TV-Sendung „Die Höhle der Löwen“ teil. Dort konnte das Start-up jedoch aufgrund des noch fehlenden Patents leider keinen Deal aushandeln.

Interessenten können sich jedoch aktuell an einer laufenden Crowd-Funding-Kampagne auf dem Online-Portal Green Rocket beteiligen. Hier kamen bis jetzt 720.800 Euro zusammen.

In den nächsten fünf Jahren planen die Gründer, ihre Ladelösung zu skalieren und flächendeckend Ladepunkte zu installieren. ChargeX soll sich so zum führenden Anbieter von flexibler Lade-Infrastruktur entwickeln, der Elektroautos in Einklang mit dem Stromnetz auflädt.

Was macht ChargeX?

ChargeX stellt mit dem Aqueduct das erste modulare Komplettsystem zum Aufbau von mehreren Ladepunkten für Elektroautos bereit – bei gleichzeitiger Entlastung des Stromnetzes und genau dort, wo tatsächlich Bedarf vorhanden ist.

Zudem bietet ChargeX einen digitalen intelligenten Assistenten für das Last-Management. Dieser ermittelt den Bedarf jedes Fahrers und verteilt die Ladezeit der E-Autos entsprechend.

Möchten also drei Kollegen in der Tiefgarage ihres Bürokomplexes ihre Fahrzeuge laden, die jedoch unterschiedliche Arbeitszeiten und Fahrtwege haben, ermittelt das System den Ladebedarf und verteilt den Strom so, dass alle problemlos an ihr Ziel kommen.

Was macht ChargeX so besonders?

Um die Anlage in Betrieb zu nehmen, braucht es lediglich einen Anschluss zur Hausversorgung. Der Elektriker installiert dabei nur das Startmodul. Die Erweiterungsmodule können ohne Fachkenntnisse integriert werden.

Das Plug-and-Play-Prinzip vermeidet also den langwierigen Installationsprozess und die Verlegung von Kabeln von der Hauptleitung zu jeder einzelnen Wallbox.

Das integrierte Sicherheitssystem sorgt dafür, dass es nicht zu einer Überlastung des Stromnetzes kommt. Ein weiterer Vorteil: Ist ein Modul defekt, muss lediglich dieses Gerät ausgetauscht werden. Das System selbst läuft ohne Ausfälle weiter.

Durch das Laden je nach individuellem Bedarf ist das Last-Management optimiert. Das bedeutet: Es können mehr Autos pro Anschluss geladen werden als mit herkömmlichen Lösungen.

Abhängig vom Stromnetz und davon welches Fahrzeug wann wieder fahren soll, wird der Strom über die verfügbare Zeit bis zur Abfahrt auf die einzelnen Fahrzeuge verteilt.

Das System ist außerdem selbstlernend und erkennt Potenziale für die modulare Erweiterung. Damit unterstützt es die Kunden bei der künftigen Bedarfsabschätzung.

Jeder Nutzer erhält außerdem auf Wunsch einen individuellen Charging Pass. Damit ist er berechtigt, den Ladevorgang zu starten. Auch können die Nutzer weitere Informationen zum Fahrzeug und zum Ladeprofil hinterlegen. Die Abrechnung der geladenen Energie erfolgt automatisch im Hintergrund.

Mit dem sogenannten Priority Pass profitieren Kunden von ungefähr 100 Kilometer Reichweite (20 Kilowattstunden). Diese gelangen priorisiert in das Elektroauto. Der Vorgang lässt sich bis zu fünf Mal wiederholen.

Der Charging Assistant, der ab Ende 2020 verfügbar sein soll, unterstützt den Kunden bei längeren Strecken oder besonderen Abfahrtzeiten. Er zeigt dabei nicht nur die aktuelle Energiemenge an, sondern hilft auch bei der Routenplanung.

Gibt es Kritikpunkte?

ChargeX hat definitiv großes Potenzial. Zum einen wird der globale Markt für Lade-Infrastrukturen in diesem Jahr mit ungefähr 4,5 Milliarden Euro bewertet. 2025 sogar mit 16 Milliarden Euro.

Zum anderen ist das gesteuerte Laden über mehrere Stunden hinweg wie geschaffen für den Einsatz an Flughäfen, Park&Ride-Parkplätzen, in Einkaufszentren oder großen Unternehmen. Kein Wunder also, dass das Team von ChargeX bereits Großkunden wie Volkswagen, Thüga und Veolia überzeugen konnte.

Allerdings muss man berücksichtigen, dass immer nur ein Fahrzeug geladen wird. Das ist der üblichen Kapazität des Hauptanschlusses geschuldet. Der tatsächlich limitierende Faktor des Systems ist die Zeit. Ist genügend Zeit für die Ladungen verfügbar, sind auch acht Ladungen möglich.

Aqueduct soll zudem etwa 50 Prozent günstiger sein als die Konkurrenz. Was zunächst einmal gut klingt, ist allerdings relativ zu sehen, da die Preisspannen der Wallboxen sehr groß sind – in Abhängigkeit zu deren Funktionalität.

Unternehmen profitieren natürlich trotzdem, da sie im Vergleich zu anderen Herstellern durch das modulare Konzept die hohen und komplexen Anfangsinvestititonen umgehen. Weitere Pluspunkte gibt es, da das System nachträglich bedarfsorientiert ausbaufähig ist.

Fazit

Mit ihrem innovaten Smart-Charging-Konzept wollen die drei Gründer die Energiewende aktiv mitgestalten, Emissionen im Transportsektor reduzieren und das Elektroauto durch eine flächendeckende Lade-Infrastruktur für alle zugänglich machen.

Dabei folgen sie dem Motto: Jeder Stellplatz ist irgendwann ein Ladeplatz. Allein das verdient einen großen Daumen nach oben.

Ich drücke ChargeX die Daumen, dass sie ihren bisherigen Erfolg auch in Zukunft ausbauen und so einen wertvollen Beitrag für unsere Umwelt leisten können. Und es bleibt ihnen natürlich zu wünschen, dass ihr Konzept bald patentiert ist.


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Über den Autor

Christoph Hausel

Co-Owner & Managing Director von ELEMENT C

Christoph Hausel, studierter Jurist und erfahrener Kommunikationsprofi, steht zahlreichen Acceleratoren / Inkubatoren und VCs als Mentor und Experte zur Seite: next media accelerator, initiiert von der dpa, MediaLab Bayern, Münchner Ideen-Inkubator für den digitalen Journalismus, Wayra, der Startup-Track von Telefónica und den STARTUP TEENS.

2002 gründete er die Kommunikationsagentur ELEMENT C. Damals als reine PR-Agentur konzipiert, fokussiert sich ELEMENT C seit 2005 auf die interdisziplinäre Verknüpfung von PR und Design, um ein langfristiges Markenbewusstsein zu schaffen.

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