Wirtschaft

Personenbeförderungsgesetz: Sorry, Taxibranche – deine Argumente sind veraltet

Taxi, Autos, Verkehr
Die Taxibranche sollte lieber ihr Geschäftsmodell erneuern anstatt neue Konzepte zu kritisieren. (Foto: Pixabay.com / Pexels)
geschrieben von Marinela Potor

Das Bundeskabinett berät heute über den Referentenentwurf zum neuen Personenbeförderungsgesetz. Darin sollen Ridepooling-Angebote gesetzlich verankert und reguliert werden. Die Taxibranche wehrt sich dagegen. Es ist ein trauriges, letztes Aufbäumen gegen Innovation und Klimaschutz. Ein Kommentar. 

Personenbeförderungsgesetz. Das Wort klingt genau so umständlich und verstaubt wie es in der aktuellen Praxis auch ist. Ein Relikt aus einer Zeit vor Smartphones, intelligenten Algorithmen und Smart Mobility.

Seit Jahren arbeiten daher Gesetzgeber, Verbände und Unternehmen an einer längst fälligen Neuerung. Der neueste Referentenentwurf soll heute im Bundeskabinett beraten werden.


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Personenbeförderungsgesetz will Ridepooling legalisieren

Es geht dabei vor allem um neue Mobilitätskonzepte im Bereich von Ridepooling. Diese Angebote funktionieren in der Regel so, dass Nutzer bei Bedarf per App ein Fahrzeug bestellen, welches sie an Ort und Stelle abholt. Auf der Strecke plant ein smarter Algorithmus die Route so, dass unterwegs weitere Personen kilometer- und spritsparend mitgenommen werden können.

Ridepooling funktioniert im Prinzip also wie ein modernes Sammeltaxi.

Am Ende kommen Fahrgäste schnell und unkompliziert ans Ziel. Die geteilten Ridespooling-Fahrten sparen aber auch Emissionen und verhindern Staus in Städten. Denn anstatt, dass vier Menschen in vier verschiedenen Taxis ans Ziel befördert werden, passiert das bei Ridepooling in einem einzigen Fahrzeug.

Das spart Kraftstoff oder Energie, reduziert aber auch die Anzahl der Fahrzeuge in unseren Städten, was unterm Strich Staus und schädliche Emissionen vermindert.

Besonders bekannt sind Unternehmen wie Uber oder Lyft, die die Ridepooling-Konzepte erstmals in den USA ausgerollt haben. Seit mehreren Jahren gibt es aber auch deutsche Unternehmen mit ähnlichen Konzepten wie Moia, Ioki oder Door2Door.

Das Problem: Ihre Dienste sind nach aktuellem Personenbeförderungsgesetz in Deutschland eigentlich illegal. Die Unternehmen dürfen derzeit nur per zeitlich begrenzter Sondergenehmigung operieren. Die Novelle zum Personenbeförderungsgesetz soll dies nun ändern und sie aus der gesetzlichen Grauzone holen.

Unter anderem soll dafür die umstrittene Rückkehrpflicht gelockert werden.

Gestzlich verordneter Unsinn

Die Rückkehrpflicht verpflichtet Mietwagen-Anbieter (wie zum Beispiel Ridepooling-Anbieter) dazu, nach jeder abgeschlossenen Fahrt an die Zentrale zurückzukehren. Etwas, das Taxifahrer nicht müssen, was ihnen als Teil des öffentlichen Nahverkehrskonzepts in Städten einen bewussten Betriebsvorteil verschafft.

Nüchtern betrachtet bedeutet das aber, dass viele Fahrzeuge dadurch gesetzlich dazu verpflichtet sind, zusätzliche Leerfahrten zu absolvieren, was weder gut fürs Klima noch für den Verkehr in unseren Städten ist.

Der neueste Entwurf zum Personenbeförderungsgesetz sieht nun vor, diese Pflicht abzuschaffen. Stattdessen sollen für Ridepooling-Dienste konkrete Pooling-Quoten gelten. Auch sollen Kommunen selbst darüber bestimmen, ob und in welcher Form die Rückkehrpflicht lokal umgesetzt wird.

Das klingt fair, logisch und ökologisch. Wenn da nicht zahlreiche Transportlobbyverbände wären, die sich bislang gegen nahezu jede Form der Neuerung sperren.

Trauriges Schauspiel eines obsoleten Geschäftsmodells

So hat der Bundesverband Taxi und Mietwagen e.V. den neuesten Entwurf kritisiert, weil er angeblich ein Hintertürchen für Dienste wie Uber öffne. Der Autoclub Europa sowie die Eisenbahn- und Verkehrsgesellschaft befürchten wiederum „Sozialdumping“ und die Schaffung eines neuen Niedriglohnsektors.

Ob das tatsächlich so ist, sei mal dahingestellt. Für mich ist dieser Kritikreflex aber auch ein trauriges Schauspiel einer Branche, die mittlerweile so veraltet und ineffizient ist sowie komplett am Zeitgeist vorbeigeht, und die sich nun mit letzter Kraft und dem Schreckensgespenst der bösen US-Tech-Firmen gegen Innovation und Fortschritt wehrt.

Natürlich tut sie das.

Schließlich würde Ridepooling das Angebot der Taxibranche weitestgehend überflüssig machen. Zumindest in seiner aktuellen Form. Genau deshalb sind Unternehmen wie Uber oder Lyft ja disruptiv.

Sie haben mit neuer Technologie einfach bessere, praktischere Lösungen geschaffen und bislang werden Nutzer nur durch Gesetze davon abgehalten, diese tatsächlich zu nutzen.

Wir halten damit veraltete Transportmodelle am Tropf, obwohl es eigentlich bessere und nachhaltigere Konzepte gibt.

Ridepooling in Deutschland ist nicht Uber

Ich sage nicht, dass Uber ein Unternehmen ist, das man sich zum Vorbild nehmen sollte.

Die meisten Ridehailing-Fahrten von Anbietern wie Uber und Lyft sind tatsächlich überhaupt nicht nachhaltig, erzeugen sogar mehr Verkehr in den Städten und über die Arbeitsbedingungen bei Uber kann man auch nur traurig den Kopf schütteln.

Nur: Keins der deutschen Ridepooling-Unternehmen agiert meines Wissens wie Uber. Sie alle arbeiten mit ausgebildeten Fahrern, haben ihre eigenen Smart-Mobility-Technologien entwickelt und bemühen sich darum, ihre Fahrten so klimaverträglich wie möglich zu machen.

Zumal sie tatsächlich oft mit den Kommunen vor Ort zusammenarbeiten und so ihre Fahrzeuge an die Öffis anbinden, sodass sie Fahrten mit öffentlichen Transportmitteln sogar fördern.

Auf der anderen Seite haben wir Taxifahrer, die ihre Schichten an langsamen Tagen größtenteils damit verbringen, ihre Autos in Reihe zu parken und auf Aufträge zu warten, die mal kommen und oftmals auch nicht.

Für die Fahrer ist das Zeitverschwendung, für die Taxiunternehmen Ressourcenvergeudung. Als Kunde kann man Taxis meist weder per App bestellen, bezahlen noch nachverfolgen, wo die Fahrer überhaupt sind.

Einmal haben wir beispielsweise 15 Minuten auf einen Taxifahrer gewartet, der am falschen Restaurant stand – und mussten umständlich über die Zentrale klären, wer jetzt wo steht, um einander zu finden. Das ist nicht die Regel. Aber es ist ein Beispiel dafür, dass auch die Taxibranche von neuen Technologien profitieren könnte, um ihr Angebot zu verbessern.

Je mehr sie sich dagegen sperrt, desto schneller bedingt sie ihren eigenen Untergang.

Protest statt neue Ideen

Denn an sich wären Taxis mit smarter Technologie weiterhin eine gute Ergänzung zum Ridepooling, etwa für Fahrten, die man nicht teilen möchte oder auch für Uhrzeiten, in denen keine Ridepooling-Dienste agieren.

Es ist daher bezeichnend, dass die Branche nur die Konkurrenz und die Neuerungen kritisiert, aber nicht auch selbst anfängt das eigene Geschäftsmodell zu hinterfragen, zu erneuern oder auch kundenfreundlicher zu machen.

Das ist natürlich sehr verallgemeinernd. Ich kenne durchaus engagierte Taxiunternehmen, die sehr kreativ sind, mit E-Mobilität experimentieren und wirklich tollen, kundenfreundlichen Service anbieten.

In der aktuellen Debatte um das neue Personenbeförderungsgesetz komme ich aber nicht umhin, die Branche als Dinosaurier zu sehen. Sie versteckt sich hinter veralteten Regelungen, sperrt sich vor Neuerungen und als Begründung dafür muss dann die Drohung mit dem bösen, großen Uber-Monster herhalten.

Dabei hat Deutschland hier eine Chance einen eigenen Mittelweg zu finden, der weder in der analogen Vergangenheit steckenbleiben noch in Ausbeutung enden muss.

Egal, wie die Entscheidung zur Novelle im Personenbeförderungsgesetz heute ausfällt: Die Reform wird über kurz oder lang kommen, weil die neuen Geschäftsmodelle einfach zukunftsorientierter sind.

Dann hoffe ich aber, dass die Taxibranche bis dahin nicht die gesamte Zeit allein mit Protesten vergeudet hat, sondern selbst zukunftsgerechtere Lösungen anbieten wird.

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Über den Autor

Marinela Potor

Marinela Potor ist Journalistin mit einer Leidenschaft für alles, was mobil ist. Sie selbst pendelt regelmäßig vorwiegend zwischen Europa, Südamerika und den USA hin und her und berichtet über Mobilitäts- und Technologietrends aus der ganzen Welt. Seit 2016 ist sie Chefredakteurin von Mobility Mag.

10 Kommentare

  • Tja, so sieht es von außen aus. Die Taxibranche ist nicht gegen ein neues Modell. Das sind Ideen die die Branche schon vor Jahren hatte, uns aber schlichtweg verboten sind. Daran ändert sich leider auch nix mit der Novellierung.
    Taxiuntenehmen ist eine mehrfach Besetzung im Fahrzeug, an einzelden Kunden verboten. Taxen ist immer der kürzeste Weg vorgeschrieben. Taxi muss 24/7 das ganze Jahr durch fahren und zur Verfügung stehen. Das nennt man Betriebspflicht. Im Gegensatz zu den neuen Verkehrsformen, die nur zu den besten Zeiten fahren und dadurch erhebliche Personalkosten einsparen. Ein weitere muss bleibt auch für Taxi, die Tarifpflicht. Taxen wird der Fahrpreis vorgeschrieben, den neuen Modellen nicht. Dort wurde schnelle Preiswechsel schon öfter beobachtet, gerede wenn viel zu tun ist, wurden sie sogar deutlich teurer als der Taxitarif. Konzepte für Taxi Sammelfahrten zu Bus und Bahn, Anrufbus usw gibt es schon ewig, oft von den Kommunen eingestampft und nicht wiederbelebt.
    Taxi per App bestellen gibt es auch schon lange. Machen aber viele nicht, durch die Fehltouren. Taxi hat auch eine Beförderungspflicht, wir können kaum Kunden ablehnen. Auch diese gilt, wiederum nicht bei den neuen Modellen. Dort können sie als Kunde auch ganz einfach mal gesperrt werden. Abgesehen davon befördern Taxen auch sehr viele Kranke, zur Chemo, Bestrahlung, Dialyse usw. Alles Menschen die nicht in Bus und Bahn dürfen und sich kein Shuttle teilen dürften, leider zum lächerlichen Krankenkassentarif. Aber auch der wird vorgesetzt. Taxi befördert auch Menschen die Hilfe brauchen, beim ein und aussteigen, nehmen Gepäck und Hilfsmittel mit, wie Rollator. Auch das schließen die neuen Modelle von vorne rein aus.
    Taxi hat sehr hohe Anforderungen an die Fahrzeuge, zb jährlich TÜV, Versicherungskosten, gerade für die Fahrgäste, nur um einige zu nennen. Das müssen die neuen Modelle nicht.
    Die Taxibranche ist nicht gegen die Novellierung, sie möchte sie fair. Moja, Clever Shuttle und Co möchten in der Stadt auf Taxiplätzen stehen, die Busspur Mitbenutzung, teilweise sogar Staatliche Förderung, wie von Berlkönig gefordert (die Taxi auch nicht bekommt). Alle kleinen Vorteile die das Taxi hat. Aber die Pflichten nicht.
    Die Novellierung sieht aber genau das vor. Taxi bleibt Taxi, mit allen Pflichten. Die neuen Modelle bekommen mehr Freiheiten, ohne Pflichten. Das ist was jedem Taxifahrer und Unternehmer aufstößt.
    Und wer soll Poolriding auf dem Land anbieten? Genau, die bestehenden Taxiunternehmer.
    Warum wollen die neuen Modelle dies den nicht?
    Aber ja, her mit den neuen Pool Riding ist ja für den einzenden schön günstig. Merken wird der Kunde erst, was er verloren hat, wenn er zu Betriebsarten Zeiten kein Fahrdienst mehr bekommt, auch wenn er ins Krankenhaus muss…
    Oder diese Fahrten 3x so teuer wird, wie mit dem veralteten Taxi, da ja dann für diese Unternehmen keine Tarifpflicht gilt.

  • Sorry, Frau Potor, Ihre Argumente sind schlecht recherchiert!

    Normalerweise halte ich mich mit Kritik an Artikeln zurück, die Meinungsfreiheit deckt auch bis zu einem gewissen Grad ab, wenn jemand sich irrt oder wissentlich Falschinformationen verbreitet, um daraus eine Argumentation aufzubauen und jemanden zu attackieren.

    In diesem Fall erlaube ich mir aber eine deutliche Kritik an diesem Artikel, der verschiedene unwahre Tatsachenbehauptungen aneinanderreiht, um damit eine Branche pauschal zu verunglimpfen.

    Das Personenbeförderungsgesetz ist ein Verbraucherschutzgesetz, mit dem der Staat eine Versorgung mit individuellen, verlässlichen und bezahlbaren Mobilitätsangeboten für die Bürger garantiert. Das geht nicht ohne Regeln und so wurde das Personenbeförderungsgesetz über die letzten Jahrzehnte mehrfach überarbeitet und den aktuellen Entwicklungen angepasst. Dazu gehört auch die von Ihnen kritisierte Rückkehrpflicht für Mietwagen.

    Auch wenn Sie es nicht hören wollen: Das Ridepooling ist vom Taxigewerbe erfunden worden, um zum Beispiel nachts an Bahnhöfen in Kleinstädten die Zuggäste sicher, effizient und komfortabel nach Hause zu bringen. In vielen Gemeinden gibt es auch heute noch mit großem Erfolg das Sammeltaxi.

    Ein Ridepooling, so wie es jetzt umgesetzt werden soll, schafft entgegen Ihrer Aussage erst einmal neue Fahrzeugflotten und damit das Gegenteil von dem, was Sie schreiben. Den Verkehr mit neuen, zusätzlichen Fahrzeugen reduzieren zu wollen, ist höchstens langfristig möglich.

    Die Taxi-Branche ist nicht gegen Ride-Pooling, ganz im Gegenteil. Gerade in ländlichen Regionen kann Ride-Pooling wesentlich effizienter und umweltschonender sein, als ein Busbetrieb.

    Rückkehrpflicht

    Bevor man über die angeblich unsinnige Rückkehrpflicht schreibt, sollte man sie verstehen. Und es hilft auch, zu recherchieren, warum sie eingeführt wurde.

    Dazu muss man etwas ausholen, aber ich mache es kurz: Taxi ist Teil des Öffentlichen Personennahverkehrs und hat deshalb viele Pflichten (Betriebspflicht, Beförderungspflicht, Tarifpflicht, etc.). Taxi ist Teil der Mobilitätsvorsorge, deshalb sind die Pflichten auch ok. Jeder Fahrgast kann sich darauf verlassen, dass er zu jeder Zeit zu klaren Kosten von A nach B gebracht wird.

    Der private Mietwagen dagegen hatte keine Pflichten und kann deshalb bis heute anders kalkulieren. Er galt als Nische, quasi als luxuriöse Alternative mit Chauffeur.

    Die Rückkehrpflicht wurde 1982 eingeführt, weil die sich stark vermehrenden privaten Mietwagen damit begannen, sich so verhalten, als wären sie Taxis. Das lag auch am neu eingeführten Funk. Sie warteten in der Stadt auf neue Fahrgäste und belegten dabei Parkplätze, fuhren herum oder warteten in zweiter Reihe. Das schuf Verkehrsprobleme in den Städten und ein Ungleichgewicht. Die Taxis hatten die Pflichten, die Mietwagen nicht. Deshalb hat der Gesetzgeber dann die Rückkehrpflicht eingeführt.

    Fakt ist, dass die Rückkehrpflicht nicht zu mehr Leerfahrten führt. Der Anteil an Leerfahrten liegt bei Taxis und Mietwagen bei jeweils rund 50 Prozent.

    Digitale Geschäftsmodelle

    Da es bei dem Referentenentwurf explizit darum geht, den Markt für digitale Geschäftsmodelle zu öffnen, also nicht um soziale Gerechtigkeit und Umweltaspekte, wird der Markt auch für die Gig-Economy geöffnet. Plattformen, die abhängige, aber selbstständige Fahrer auf Zuruf nutzen, ohne Steuern und Sozialabgaben zu leisten.

    Natürlich führt es zu einem Ungleichgewicht, wenn die einen Marktteilnehmer sich an Gesetze halten und ihren Beitrag leisten und andere, wie UBER, weder deutsche Gesetze noch Gerichtsurteile akzeptieren. Daran ist nichts sexy, es ist einfach ein Skandal.

    Es gibt ausreichend Belege dafür, dass UBER Fahrer bei 12 bis 15 Stunden Arbeitszeit kaum genug verdienen, um ihren Lebensunterhalt zahlen zu können. Und es gibt auch Belege dafür, dass manche UBER Fahrer Hartz4 beziehen und schwarz arbeiten. Durch das Sub-Subunternehmer Prinzip ist UBER daran natürlich nicht schuld, die Verantwortung wird immer weitergeschoben. Machen Sie sich mal die Mühe die Geschäftsbedingungen von UBER zu lesen, sie werden staunen.

    Stellen Sie sich mal vor, Ihr Chef wäre ein Algorithmus: Der würde Ihre Texte bewerten und Sie mal durchlassen, mal nicht. Er würde Aufträge mal durchleiten, mal andere Journalisten bevorzugen. Er würde bis zu 30% von Ihrem Honorar beanspruchen und Sie vor dem Ausschalten Ihres Computers dazu auffordern noch weiter zu schreiben. Bei nachlässiger Recherche könnte er sie auch einfach mal sperren oder ihren Zugang dauerhaft deaktivieren. Das alles ohne Begründungen, einfach so. Sie haben keinen Ansprechpartner, niemand ist für Sie da, wenn Sie mal reden möchten. Schöne, neue Welt.

    Wenn Sie schreiben, dass man Taxis meist nicht per App bestellen kann, dann frage ich mich, wie sehr Sie sich überhaupt mit den digitalen Möglichkeiten und Geschäftsmodellen der Taxi-Branche beschäftigt haben. Ich behaupte: Gar nicht.

    Denn sonst wüssten Sie, dass es seit über zehn Jahren (!) verschiedene Taxi-Apps gibt, mit denen man komfortabel Taxis bestellen, die Anfahrt verfolgen und nach der Fahrt auch bezahlen kann. Taxi Deutschland, Taxi.eu und Cab4me sind drei Belege dafür. Es gehört aber auch zur Wahrheit dazu, dass die Mehrheit der Taxi-Kunden tatsächlich noch am liebsten über das Telefon ihr Taxi ordert. Dass die Taxi-Zentralen natürlich auch voll digitalisiert sind, brauche ich wohl nicht weiter auszuführen.

    Die Hauptkritik, dass das Taxi-Gewerbe sich nur deshalb gegen Neuerungen sperrt, weil es selbst keine Neuerungen hervorbringt, ist daher schlichtweg falsch.

    Der Punkt liegt ganz woanders: Das Taxi-Gewerbe besteht in Deutschland aus 700 Taxi-Zentralen und 21.000 Unternehmern, von denen die meisten ein Fahrzeug betreiben. Das Gewerbe ist also sehr kleinteilig und daher ist es schwierig, einheitliche Lösungen einzuführen.

    Die pauschale Behauptung, dass das Taxi-Gewerbe sich gegen alle Neuerungen sperrt, entbehrt jeder Grundlage. Der Bundesverband Taxi und Mietwagen hat, ebenso wie Taxi Deutschland, sehr genau die Entwürfe analysiert und aufgezeigt, welche Auswirkungen manche Änderungen haben werden. Das ist nicht nur legitim, es ist sogar dringend erforderlich.

    Lesen Sie gerne mal unser Schwarzbuch Neue Mobilität. Ich habe es unter „Website“ verlinkt. Wir haben es geschrieben, um einige der Falschbehauptungen rund um die neue Mobilität den tatsächlichen Fakten gegenüberzustellen. Es finden auch Links zu Studien darin, die aufzeigen, welche Fehler in anderen Ländern bereits gemacht wurden, Fehler, die wir nicht wiederholen sollten.

    Freundliche Grüße,

    Markus Burgdorf
    Sprecher Taxi Deutschland

    • Vielen Dank für Ihre ausführliche Darstellung, Herr Burgdorf – die leider unerklärlicherweise bei uns im Spam gelandet ist und wir daher erst jetzt entdeckt haben. Wir bitten das zu entschuldigen.

      Ich geben Ihnen Recht, dass das Thema komplexer ist, als es in einem kurzen Meinungsbild widergegeben werden kann, was man natürlich auch an den ausführlichen Kommentaren hier sieht.

      Ich möchte daher nur kurz auf Ihre Anmerkungen eingehen – und würde Ihnen darüber hinaus anbieten, dass Sie mich kontaktieren und wir darüber sprechen, wie wir das Thema evtl. auch in anderer Form bei uns aufgreifen können.

      Rückkehrpflicht

      50% Leerfahrquote für Taxis und Mietwagen werden nicht besser, nur weil es ähnlich läuft. Es ist zu viel. Das muss besser werden.

      Ridepooling

      Es ist vermutlich die Ur-Form des Transports, bevor jeder die Mittel und Wege hatte, mit eigenem Fahrzeug unterwegs zu sein. Wichtig ist doch: Wie können wir diese eigentlich sinnvolle Form der Fortbewegung aktuell mit allen Anbietern in Deutschland einbinden – und zwar nicht zu US-Uber-Arbeitsbedingungen?

      Taxi-Apps mag es geben, funktionieren in der Praxis in meiner Erfahrung aber eher mau. Das mag an der Technologie oder an den Kunden liegen, das wäre vermutlich ein eigenes großes Randthema.

      Darüber hinaus gilt mein Gesprächsangebot (https://www.basicthinking.de/blog/imprint/).

  • Hier wird eine provokante Überschrift gewählt, um irgendwas gegen die Novelle zu äußern – um das Taxi in irgendweiser schlecht darstellen zu lassen.

    Im Text geht es dann etwa um eMobilität – und dass wird dann als besonders „innovativ“ dargestellt. Dass Problem ist, dass dazu auch die Ladeinfrastruktur geschaffen werden muss. Dass ist in Berlin im Flottenbetrieb nicht so einfach von heute auf morgen realisierbar. Es gibt aber große eMobilitäts- Flotten in München vom Taxi Zentrum München TZM München von Gregor Beiner (siehe: https://www.youtube.com/watch?v=v5UyWnPFFH4).

    Dass ist aber nicht 1:1 zu vergleichen: CleverShuttle wird über die Deutsche Bahn, und so dem Staat mit Millionen subventioniert, dass Taxigewerbe handelt komplett auf eigene Rechnung.

    Somit hinkt der Vergleich – am Ende zielt es dann darauf ab, weshalb eine Novelle nötig wäre – schlecht recherchiert, absolut tendenziös und einseitig. Es geht dem Autor nicht um eine neutrale, sachliche Dabatte. So wird hier auch die Rückkehrpflicht zitiert, welche ja eben durch die Novelle so aufgeweicht und durchlöchert ist, dass sie das Papier nicht wert ist, auf dass sie geschrieben wird.

    Dass ganze ist eine Lobbyaktion im Namen Uber/ FreeNow, um bestehende Mobilität als Teil der Daseinsvorsorge (für Alter, Schwache etc.) zu zerstören; klar kaputt machen kann jeder.

    UBER verlangt dann wie der ARD- Beitrag zu dem Thema bereits aufgedeckt hat (soviel zur schlechten Recherche) teilweise über Sozialbetrug und Ausbeutung Margen von rund 30%. Für diese „Innovation“ wird dann ein Fahrer ausgebeutet, der 35% von seinem Umsatz abdrücken muss (wie der ARD- Beitrag nahelegt).

    Dass das nur durch Ausbeutung, Sozialbetrug etc. geht, legt nicht nur der Beitrag nahe, sondern auch die Logik.

    Dies ist der Grund, weshalb Taxis über Jahre für faire Behandlung von allen Branchen demonstriert haben. Jedoch wurden sie all die Jahre ignoriert. Denn anders als die so genannten Mietwagen von Uber und FreeNow, haben im Beispiel Berlin alle Taxis ein fiskalisches, manipulationssicheres Taxameter installiert. Davon kein Wort in dem Artikel.

    • Hallo Pommes,
      zunächst nochmals der Hinweis, es handelt sich bei dem Text um einen Kommentar, nicht um einen Bericht. Kommentare sind eine Meinungsabbildung eines Autors oder einer Autorin (in dem Fall meine), die man teilen kann oder auch durchaus nicht, was völlig okay ist. Das heißt aber nicht, dass dahinter eine Lobby steht. Im Idealfall starten wir damit einen Austausch, auch wenn ich verstehe, dass der Taxibetrieb kein Ponyhof ist. Die Sache ist aber doch die: Es gibt eine Veränderung insgesamt in Städten, in Deutschland, in der Welt, um Mobilität – einem der großen Verursacher von Emissionen – nachhaltiger zu gestalten. Ridepooling (bitte nicht gleichsetzen mit Uber!) ist eins von verschiedenen Instrumenten dafür. Dazu gibt es auch in Deutschland einige Versuche, die aber gesetzlich an ihre Grenzen stoßen. Und wenn man hier versucht etwas zu ändern, regt sich die Taxibranche auf, weil es NATÜRLICH den Status Quo verändert, da Ridepooling nirgendwo gesetzlich verankert ist. Die sichtbare Reaktion, zumindest in der öffentlichen Kommunikation nach außen, ist aber von der Taxibranche: Wir wollen das nicht (mal ganz pauschal gesagt, es gibt immer Ausnahmen). Es ist doch klar, dass man solche drastischen Neuerungen disktutieren muss und dass es sicherlich auch sehr komplex ist in den Einzelheiten. Doch wenn – zumindest in öffentlichen Statements der Verbände – immer nur zu lesen ist: Wir wollen alles so belassen, wie es ist, dann kommt man ja auch nicht weiter. Anstatt also zu sagen, „die bösen Ridepooler“ – was können Taxiunternehmen anders machen oder sagen oder wie können wir die Taxibranche besser mit in ein nachhaltiges Konzept einbinden? Dazu gibt es individuelle Ansätze (ja, auch E-Mobilität, wobei das noch in der Breite schwierig ist, ganz klar), aber einen Branchenansatz kenne ich dazu nicht. Wäre aber schön.

      • Naja sie beziehen dass auf die Novelle die uns am Ende die Existenz nehmen wird – und für UBER wird der Markt geöffnet. Dass als Innovation zu verkaufen, ist einfach extrem unsachlich. Ob dass Meinung ist oder nicht, ist egal, man muss sich schon an die Sachlage halten und auch sachlich argumentieren. Man kann nicht irgendetwas behaupten; und uns dadurch die Existenzgrundlage nehmen. Wo sind denn die Verantwortlichen für die E- Ladestruktur? Und was hat dass überhaupt mit der Novelle zu tun – UBER ist doch die Emobilität egal.

  • Hi Marinela, wie kommst Du denn darauf, dass sich das Taxi gegen das Ridepooling stellt ?
    Wir sind doch froh, wenn wir Arbeit haben. Wir möchten bei Änderungen von Gesetzen aber gerne fair berücksichtigt werden. Taxis für Ridepooling und -sharing sind reichlich vorhanden, man muss uns nur lassen. Wir haben leider nicht so viel Geld für Lobbyismus und um alles öffentlich mit Werbung zu pflastern und die Vorteile des Taxis den Kunden näher zu bringen. Uber und Co. können das, denn sie sind Konzerne mit Milliarden Euro Kapital aber hauptsächlich den Aktionären verpflichtet.
    Glaubst Du wirklich, dass ein Unternehmen mit Mietwagen und Fahrern diese mit Mindestlohn bezahlen kann, wenn diese bei niedriger Nachfrage durchschnittlich 5-10% günstiger fahren, dann 30 % Provision an Uber zahlen und die 16 (19)% Mwst. abführen ?
    Am Tage hat man vielleicht eine Durchschnittsgeschwindigkeit von 15-20 km/h. Dadurch ist der Umsatz pro Stunde begrenzt. Leerfahrten zum Kunden kosten Zeit und schmälern auch den Gewinn.
    Viele dieser Unternehmen geben nach 18-20 Monaten auf. Bis dahin sind die Fahrer in prekären Arbeitsbedingungen, meistens auf 450€ Basis beschäftigt und kassieren noch Wohngeld und Hartz IV. Fahren sie mehr ein als sie verdienen dürfen, wird es oft schwarz ausgezahlt. Berliner Taxis haben bereits Fiskaltaxameter mit signierter Aufzeichnung von Arbeitszeit und Umsätzen, Unternehmer mit diesen Mietwagen nicht. Arbeitszeiten von mehr als 12 h sind dort die Regel und niemand kontrolliert es. Taxiunternehmer zahlen in Deutschland Steuern, Uber versteuert in den Niederlanden.
    Taxi ist ein Teil des ÖPNV und falls es noch nicht bekannt ist, in Berlin kann man über die BVG-App auch ein Taxi bestellen.
    Nachhaltig ist es auch nicht, wenn über 4000 Mietwagen zusätzlich durch sinnloses Rumfahren den Verkehr belasten und den Anwohnern die Parkplätze wegnehmen statt zu ihrem Betriebssitz zurück zu fahren und den Wagen dort abzustellen.
    Und zum Thema professionelle Fahrer. Jeder mit einer Fahrerlaubnis und einem Gesundheitszeugnis von einem speziellen Arzt kann für Uber fahren. Er braucht weder grossartige Fahrpraxis, Ortskenntnisse oder bestimmte Fach- und deutsche Sprachkenntnisse. Nennt man das ‚professioneller Fahrer‘?
    Die Politik rollt den Konzernen den roten Teppich aus und lässt das Taxigewerbe am langen Arm verhungern. In Berlin sind schon über 1000 Taxen weniger auf der Strasse und finanzielle Unterstützung wie die „Novemberhilfe“ gibt es für Taxibetriebe nicht.
    Es mag vermeintlich etwas teurer sein, mit dem Taxi zu fahren aber wir haben von der Gemeinde/Senat verordnete Festpreise pro Kilometer, egal wie stark die Nachfrage ist.
    Das ist verlässlich und Verbraucherschutz.

    • Hi Micha,
      danke für deine Einwände, die ich in vielen Punkten auch teile. Ridepooling ist das Eine – Uber hat damit angefangen und das Modell ins Rollen gebracht, es ist aber im Prinzip nicht das, was man wirklich unter Ridepooling versteht, bzw. was die deutschen Anbieter wie Ioki oder Berlkönig oder auch Hopper damit umsetzen. In der Praxis ist Uber – nach US-Modell – problematisch (weil dabei natürlich auch größtenteils gar kein Pooling passiert), was ich auch anspreche. Es ist schade, dass immer am Ende nur ein „Anti-Uber“ Gespräch entsteht, was genau mein Problem in der öffentlichen Debatte der Taxi-Verbände ist. Am Ende läuft es (fast) immer darauf hinaus. Ridepooling an sich ist aber eine tolle Option, für guten Transport und nachhaltigen Transport. Wenn wir das immer nur auf „Uber“ beschränken, geben wir dem Modell selbst keine Chance und dann fangen wir auch nie an darüber zu sprechen, wie man es ANDERS als Uber gestalten kann. Daher mal anders gefragt: Wie würde denn für dich eine gute neue Novelle aussehen, die Taxiunternehmen mehr Raum für Innovation lässt, gleichzeitig aber auch (faires) Ridepooling erlaubt?

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