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Kein Mensch braucht NFTs!

Digitalkunst, digitales Kunstwerk, NFTs
Unsplash.com / Efe Kumaz
geschrieben von Marinela Potor

NFTs sind der letzte Schrei in der Technologie- und Kunstwelt. Sie werden als Rettung der Digitalkunst gehypt und erzielen Millionenerträge. Doch sind sie auch sinnvoll? Braucht die Welt NFTs? Helfen sie Künstlern? Nein! Ein Kommentar.  

69,3 Millionen US-Dollar für ein Digitalkunstwerk von Beeple. 590.000 US-Dollar für das Meme der Nyan Cat. NFTs verkaufen sich derzeit wie heiße Semmeln und ich verstehe es einfach nicht.

Je länger jemand darüber nachdenkt, was NFTs eigentlich sind und vor allem, was man damit erwirbt, desto eher muss man eigentlich zu dem Schluss kommen, dass die Welt die Non-fungible Tokens wirklich nicht braucht.


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NFTs: Millionen für Angeberrechte

Denn was genau kauft jemand, wenn er einen NFT erwirbt? Ein Echtheitszertifikat für ein Digitalprodukt. Aber nicht etwa für ein Digitalprodukt, das dann ausschließlich den Käufer:innen gehört. Das würde ich ja sogar noch verstehen.

Wenn eine Person 69 Millionen US-Dollar für ein Beeple-Kunstwerk zahlen möchte, an dem sie dann die alleinigen Rechte hält, das nur sie in einem digitalen Bilderrahmen ausstellen und auch nur sie im Netz verbreiten darf, wären NFTs völlig nachvollziehbar. Doch das passiert ja nicht, wenn jemand einen NFT erwirbt.

Die Beeple-Bilder oder das Nyan-Cat-Meme werden doch weiterhin fröhlich im Netz verbreitet. Und, das ist für mich das Erstaunlichste, das Erlebnis einer Bild- oder Videodatei ist exakt identisch.

Kein Unterschied zwischen Original und Kopie

Der Käufer des Beeple-Werks, Vignesh Sundaresan, kann nun natürlich sein erstandenes Kunstwerk in sämtlichen Digitalformen genießen, in einem Digitalrahmen etwa oder per VR.

Nur: Das kann ich auch. Und wir sehen die EXAKT GLEICHE Datei. Genau das unterscheidet digitale Dateien schließlich von einzigartigen Leinwandkunstwerken. Die Kopie und das Original sind identisch.

Wer Millionen für NFTs hinblättert, hat also kein einmaliges Kunsterlebnis. Vielmehr zahlt er für die Angeberrechte daran, dass er die erste jemals erstellte Datei besitzt.

Das ist in etwa so als ob jemand eine Million für einen Ferrari zahlt, den es im Aldi gratis zum Mitnehmen gibt. In jeder anderen Situation würde man sagen: Dumm gelaufen.

Die Metaebene der NFT-Kunst

Ich vermute daher vielmehr, dass Investoren wie Vignesh Sundaresan eher deshalb viel Geld für NFTs zahlen, weil sie darauf spekulieren, dass die Technologie ihnen in Zukunft mehr als Angeberrechte zuspricht.

Teilweise sind sie auch in Technologien involviert, wie etwa Kryptowährungen, die direkt vom NFT-Hype profitieren. Es ist also in ihrem Sinne, dass NFTs grundlos gehypt werden.

NFTs helfen der Kunstwelt nicht

Nun behaupten NFT-Befürworter:innen immer wieder, dass die Non-fungible Tokens den Künstler:innen helfen, die nun endlich durch die Tokens Anerkennung finden und angemessen bezahlt werden. Auch das halte ich, gelinde gesagt, für naiv.

Ja, wenn Künstler:innen ihre eigenen Kunstwerke als NFTs tokenisieren und dann damit Millionen verdienen, stimmt die Theorie. Nur: Wer hindert mich daran, ein x-beliebiges Meme aus dem Netz zu fischen, es zu tokenisieren und damit reich zu werden, ohne dass die Originalkünstler:innen jemals einen Cent dafür sehen?

Genau, niemand! Es gibt keine klaren Urheberrechtsregelungen für NFTs, sodass die Digitalkünstler:innen jetzt eher fürchten müssen, dass jemand vor ihnen ihre eigenen Werke tokenisiert und damit Fremde mit ihrer Kunst Geld verdienen.

Der einzige Schutz für Digitalkünstler:innen ist das Urheberrecht – und dafür braucht man keine NFTs.

Wer Digitalkünstlern helfen möchte, sollte sie engagieren

Fair wäre es, wenn erstens nur die Künstler:innen selbst ihre Kunst derart tokenisieren dürften. Bei Memes, deren Herkunft selten jemand kennt, ist das schon wieder kompliziert. Doch für Originalwerke oder Musik wäre das durchaus machbar.

Und dann müsste eine Art Tantiemen-System an die NFTs gebunden sein, bei dem Künstler:innen bei jedem Verbreiten ihrer Werke prozentual bezahlt werden, wie es etwa das „Disaster Girl“ mit ihrem eigenen Meme getan hat. Wenn es aber keine derartigen vertraglichen Regelungen gibt, haben Künstler:innen das Nachsehen.

Auch hier hätte das aber weniger etwas mit NFTs zu tun, sondern eher mit den Rechten zur Weiterverbreitung von Kunst im Internet.

NFTs unterstützen Künstler:innen also nicht ernsthaft. Wer wirklich zeigen will, dass er digitale Kunst wertschätzt, der engagiert Digitalkünstler:innen und zahlt für Auftragsarbeiten.

Wir brauchen Menschen, die Geld bezahlen

Wer schon ein paar Millionen herumliegen hat, kann doch ganz einfach Beeple oder seine liebsten Digitalkünstler:innen direkt kontaktieren und sagen: „Erstelle bitte ein Originalkunstwerk für mich. Ich bezahle dich dafür.“

Damit hätte man nicht nur ein persönliches Kunstwerk, das nicht jede beliebige Person im Netz verteilen kann, man hätte auch den Künstler:innen geholfen. Denn wir brauchen keine NFTs, um Digitalkünstler:innen wertzuschätzen. Wir brauchen Menschen, die sie direkt dafür bezahlen.

Haben NFTs eine Zukunft?

Die Zukunft von NFTs hängt davon ab, wie sich die Technologie weiterentwickelt. Denn die Grundidee, digitales Gut zu authentifizieren und per Blockchain abzusichern, ist ja sehr gut.

Doch an der Umsetzung hapert es momentan noch. Bislang sind es die Websites, die die NFTs tokenisieren und authentifizieren, die als Verifizierungsplattform gelten. Doch was passiert, wenn das Unternehmen dahinter pleite geht? Was passiert dann mit den Tokens? Im Moment sind sie dann mehr oder weniger wertlos.

Und wenn das Zertifikat wegfällt: Was unterscheidet dann meine Datei von allen anderen Kopien? Genau, absolut nichts! Bei einem Picasso können immerhin Experten die Echtheit überprüfen. Doch bei einem Digitalkunstwerk hat man dann so am Ende Millionen für eine Datei gezahlt, die absolut keinen Wert hat.

In dieser Form braucht kein Mensch die Tokens, weder heute noch in Zukunft!

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Über den Autor

Marinela Potor

Marinela Potor ist Journalistin mit einer Leidenschaft für alles, was mobil ist. Sie selbst pendelt regelmäßig vorwiegend zwischen Europa, Südamerika und den USA hin und her und berichtet über Mobilitäts- und Technologietrends aus der ganzen Welt. Seit 2016 ist sie Chefredakteurin von Mobility Mag.

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