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Sind ETFs wirklich gefährlich?

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Unsplash.com / Omid Armin
geschrieben von Christian Erxleben

Immer mehr Menschen eröffnen ein Depot und legen einen Sparplan auf einen ETF wie den MSCI World an. Das Investment gilt als sicher und günstig. Doch die Kritik an ETFs wächst. Fondsmanager kritisieren die Anlageform. Was steckt dahinter? Worauf musst du bei ETFs achten?

Was ist ein ETF?

Ein ETF ist ein börsengehandelter Fonds, der sein Geld in Unternehmen investiert, die selbst an der Börse gehandelt werden. Die Verwaltung erfolgt dabei lediglich passiv, weil ein ETF einen bestimmten Index wie den DAX oder den S&P500 passiv nachbildet. Die Replikation erfolgt dabei automatisch.

Im Gegensatz dazu werden Investmentfonds von Banken in der Regel aktiv durch einen oder mehrere Fondsmanager verwaltet. In der Theorie besteht so bei klassischen Investmentfonds die Möglichkeit, kurzfristig auf globale Entwicklungen zu reagieren.

Warum sind ETFs und ETF-Sparpläne so beliebt?

Die Antwort darauf ist simpel: Ein ETF bringt die zwei wichtigsten Faktoren für eine attraktive Geldanlage mit. Insbesondere große ETFs wie der MSCI World, der 1.561 Unternehmen aus 23 Industrie-Ländern abbildet, ermöglichen ein breites Investment mit minimalen Aufwand.

Außerdem liegt die jährliche Rendite bei World-ETFs im Durchschnitt bei sechs bis sieben Prozent. Sie schlagen somit den Markt in der Regel auf lange Sicht. Zudem ermöglichen es Neobroker wie Trade Republic, einen kostenlosen ETF-Sparplan anzulegen.

Wer sich nicht von kurzfristigen Schwankungen an der Börse irritieren lässt, kann mit einem ETF-Sparplan über Jahrzehnte hinweg folglich eine interessante Geldanlage aufbauen, die (voraussichtlich) eine ordentliche Rendite abwirft.

Warum stehen ETFs in der Kritik?

Doch nicht jeder springt auf den ETF-Zug auf. Insbesondere Vermögensberater und Fondsmanager sehen den Trend der passiv-verwalteten, börsengehandelten Fonds kritisch.

So schreibt beispielsweise Lukas Adams, Vermögensberater bei der nachhaltigen GLS Bank:

Ein wachsender Teil der Finanzwelt sieht ETFs mit Sorge, weil ihr Anteil am Markt rasant wächst. Sie bilden stets herrschende Trends ab, während Fondsmanager*innen kurzfristige Bewegungen auch aussitzen können. Man weiß heute einfach noch nicht, wie sich das bei einer echten Krise auswirken wird. Einen Vorgeschmack gab es beispielsweise im August 2015, als wirtschaftliche Turbulenzen in China ETFs an der US-Börse derart stark abstürzen ließen, dass sie mehrfach vom Handel ausgesetzt werden mussten. Hinzu kommt, dass viele ETFs bei Weitem nicht so simpel und transparent sind, wie viele denken.

Daraus ergeben sich primär zwei Kritikpunkte: das Risiko und die Transparenz.

1. Das Risiko bei ETFs

Eine Geldanlage an der Börse – egal ob in Form von Aktien oder ETFs – bildet stets das Risiko des Totalverlusts. Crash-Szenarien wie die Finanzkrise oder der Absturz zu Beginn der Corona-Krise im Frühjahr 2020 lassen sich unmöglich vorhersagen.

Wer in einen ETF investiert, der beispielsweise den DAX nachbildet, wird in diesen Situationen kurzfristig massive Verluste einfahren – zumindest, wenn er seine Anteile verkauft.

Wer dagegen investiert bleibt und die Krise aussitzt, hat bei Indizes wie dem DAX oder dem Dow Jones die Chance, weiter zu wachsen. Die historische Entwicklung zeigt: Kurzfristige Einbrüche wie in den Jahren 2008 und 2020 sind langfristig auf zehn oder 20 Jahre irrelevant.

Essenziell ist es, in den Momenten der Krise nicht panisch zu werden, sondern die Krise auszusitzen.

2. Die Transparenz bei ETFs

Der zweite Punkt – die teilweise mangelnde Transparenz – ist hingegen berechtigt. Das gilt insbesondere für nachhaltige ETFs. Das Problem dabei ist, dass der Begriff der Nachhaltigkeit nicht genau definiert oder geschützt ist.

So enthalten ETFs wie der MSCI World SRI (Social Responsible Investment) beispielsweise Firmen wie McDonalds oder den Ölkonzern Total. Ob diese Firmen nachhaltig sind, muss jeder Aktionär selbst entscheiden.

Fest steht jedoch, dass nicht jeder nachhaltige ETF auch wirklich nachhaltig ist. Umso wichtiger ist es, vor einem Investment die genaue Zusammensetzung eines ETFs zu analysieren. Die ETF-Anbieter schlüsseln alle Positionen transparent auf den eigenen Seiten auf.

Bevor ökologisch oder nachhaltig motivierte Investoren also beispielsweise eine Ölfirma im Depot liegen haben, sollten sie sich ausführlich informieren. Das gilt allerdings für jede Form der Geldanlage. Wer genau hinschaut, kann sich auch vom Marketing der Indexfonds-Anbieter nicht täuschen lassen.

Warum kritisieren gerade Fondsmanager die ETFs?

Die Antwort darauf ist so logisch wie naheliegend: Weil ihr eigenes Geschäft in Gefahr ist. Fondsmanager und Banken haben ein natürliches Interesse daran, dass Anleger:innen ihr Geld bei ihnen investieren. Schließlich verdienen sie durch die Provision und andere Faktoren Geld.

Natürlich klingt eine garantierte Rendite von zwei oder drei Prozent auf 50 Jahre interessant. Dass die tatsächliche Rendite jedoch bei sechs, sieben oder sogar zehn Prozent liegt, verraten Fondsmanager und Vertreter:innen oftmals nicht.

Wer sich die Zusammensetzung der Investmentfonds von Banken und Versicherungsgesellschaften ansieht, stellt schnell fest, dass es sich dabei in zahlreichen Fällen auch lediglich um eine Form von abgespeckten World-Fonds handelt.

Diese kann jeder Anleger heute problemlos und nach eigenen Interessen nachbilden, ohne teuer für das Gehalt von Fondsmanagern und Anlageausschüssen zu bezahlen. Und durch Broker wie Trade Republic, bei denen die Sparplan-Ausführung kostenlos ist, sinken die Kosten und Hürden nochmals.

Sind ETFs eine gute Geldanlage?

Natürlich liegt es im Auge des Betrachters, was gut und was schlecht ist. Fest steht jedoch, dass Aktionäre, die sich vor einem Investment detailliert mit einer Geldanlage beschäftigen, in einem ETF eine sehr sichere, renditestarke Investment-Möglichkeit haben.

Um nicht auf das Greenwashing von Anbietern hereinzufallen, ist es für nachhaltige Investoren wichtig, die Zusammensetzung eines ETFs vor dem Investment detailliert zu überprüfen, weil Nachhaltigkeit kein geschützter Begriff ist.

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Zuletzt brauchen ETF-Investoren in der Krise die notwendige Ruhe. Auch wenn es schwer fällt, den ETF bei minus 30 Prozent nicht zu verkaufen, ist insbesondere bei langfristigen Investments wichtig, die Schwächephasen auszusitzen.

Genau das ist übrigens eines der größten Probleme bei Rentenfonds, die zu einem bestimmten Zeitpunkt fällig werden. Wenn der Verkauf der Anteile durch die Fondsgesellschaft in ein Krisenjahr wie 2020 fällt, fällt die Rendite zugleich schlechter aus.

ETF ist nicht gleich ETF

An dieser Stelle wollen wir noch einen letzten Hinweis zum Umgang mit ETFs geben. Wenn wir von ETFs in diesem Text gesprochen haben, reden wir von großen Indexfonds wie dem MSCI World oder Replikationen von DAX, S&P500 und Co.

Wer dagegen in kleine Special-Interest-ETFs zu Nischenthemen wie Wasserstoff oder Automatisierung investiert, kann sich selbstverständlich nicht darauf verlassen, dass sich eine komplette Branche wieder erholt, wenn die Wartezeit nur lange genug ist.

Alle genannten Unternehmen und die dazugehörigen Aktien stellen explizit keine Anlageempfehlung dar. Die Rendite sollte nicht der einzige Faktor für ein Investment sein.

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Über den Autor

Christian Erxleben

Christian Erxleben ist seit Ende 2017 Chefredakteur von BASIC thinking. Zuvor war er als Ressortleiter Social Media und Head of Social Media bei BASIC thinking tätig. Durch seine Arbeit im Social-Media- und Marketing-Ressort der INTERNET WORLD Business, am Newsdesk von Focus Online und durch sein Journalismus-Studium sowie sein redaktionelles Volontariat hat er in den Bereichen der Redaktion und des Social Media Managements mehrjährige, fundierte Erfahrung gesammelt. Beruflich und privat beschäftigt er sich mit Social Media, New-Work-Konzepten und persönlicher Entwicklung.

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