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Wie nachhaltig ist eigentlich die deutsche Tech-Branche?

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Unsplash.com / Verne Ho
geschrieben von Marinela Potor

Wie nachhaltig ist eigentlich die deutsche Tech-Branche? Dieser Frage ist eine Deloitte-Umfrage nachgegangen. Das Ergebnis: Deutsche Unternehmen sind nicht so nachhaltig wie sie behaupten. 

Die deutsche Tech-Branche spricht zwar gerne von Nachhaltigkeit. Doch beim nachhaltigen Handeln hapert es noch. Das ist das Ergebnis der diesjährigen Technology Sustainability Survey unter 173 Expert:innen aus deutschen Tech-Unternehmen des Beratungsunternehmens Deloitte.

So gaben über zwei Drittel (67 Prozent) der befragten Führungskräfte zu, eine Diskrepanz zwischen kommuniziertem und tatsächlichem Engagement wahrzunehmen.


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Besonders groß klafft diese Lücke in größeren Unternehmen mit mehr als 10.000 Mitarbeitenden auseinander. Hier sagten sogar 82 Prozent der Befragten, dass die postulierte und die gelebte Nachhaltigkeit weit voneinander entfernt seien.

Deutsche Tech-Branche will nachhaltig sein, aber…

Dabei möchte die Tech-Branche in Deutschland durchaus nachhaltig sein. In der Deloitte-Umfrage sagten 86 Prozent der Führungskräfte, dass sie Nachhaltigkeit als einen wesentlichen Bestandteil ihrer Geschäftstätigkeit sehen.

Interessanterweise wächst der Stellenwert von Nachhaltigkeit mit der Größe des Unternehmens. Das heißt: Große Konzerne haben oftmals ehrgeizigere Ziele. Das erklärt auch, warum es insbesondere hier zwischen Wunsch zur Nachhaltigkeit und Umsetzung eine größere Diskrepanz gibt.

In kleineren Tech-Unternehmen spielt Nachhaltigkeit dagegen eine geringere Rolle. So gaben rund 33 Prozent aller kleineren Betriebe zu, dass das Thema bei ihnen keine so große Bedeutsamkeit habe.

Das wiederum liegt aber auch daran, dass diese Betriebe nicht die gleichen Ressourcen und Kompetenzen haben wie große Konzerne, um Nachhaltigkeitsstrategien zu entwickeln.

Tech-Branche: Wo drückt der Schuh?

Die größte Herausforderung bei der Umsetzung der Nachhaltigkeitsziele sieht die Tech-Branche in Deutschland in den Rohstoffen. Denn nicht nachhaltige Rohstoffe zu ersetzen, ist gar nicht so leicht.

Gleichzeitig würden nachhaltigere Produkte auch die Preise erhöhen, weswegen hier viele Unternehmen noch zögern. Viele Unternehmen geben auch an, dass ihnen das nötige Know-how fehle.

Lobenswert ist aber, dass nur die wenigsten befragten Führungskräfte die Umsetzungsprobleme in ihren Mitarbeitenden (14 Prozent) oder im Management (10 Prozent) oder beim Staat (14 Prozent) sehen.

Nachhaltig nur dann, wenn es sich finanziell lohnt

Die Deloitte-Umfrage offenbart außerdem, wann deutsche Unternehmen nachhaltig agieren – nämlich vor allem dann, wenn sich daraus klare wirtschaftliche Vorteile ergeben. Das heißt: Kaum ein deutsches Technologieunternehmen ist aus ethischen Gründen nachhaltig.

Die meisten Betriebe wollen durch Nachhaltigkeit ihren Gewinn steigern. Das wird besonders deutlich, wenn man sich anschaut, was Führungskräfte in der Deloitte-Umfrage als größte Treiber für nachhaltige Strategien nannten.

  • 57 Prozent der Tech-Unternehmen wollen nachhaltig agieren, um Betriebskosten zu senken.
  • 47 Prozent geht es vor allem darum, neue Marktanteile zu gewinnen und in neue Märkte zu expandieren.
  • 42 Prozent wollen damit die Kundennachfrage steigern und
  • 23 Prozent wollen damit ihre Margen verbessern.

Lediglich sechs Prozent der Befragten gaben „Nachhaltigkeit um der Nachhaltigkeit willen“ als Grund für ihre Bemühungen an.

Insgesamt gebe es aber durchaus ein tiefes Verständnis für das Thema „Nachhaltigkeit“ in der deutschen Tech-Branche, sagt Wolfgang Falter, Partner und Leiter Sustainability Services Board bei Deloitte. „Nachhaltigkeit ist kein Trend, sondern eine Notwendigkeit. Erfolgreiche Unternehmen verstehen es, die Wechselwirkungen zwischen Wertschöpfungsketten, Gesellschaft und Umwelt wirksam zu managen.“

Kaum ein Unternehmen denkt ganzheitlich

Wenn es um Nachhaltigkeit geht, verstehen die meisten Unternehmen darunter zudem lediglich ökologische Maßnahmen. Die wenigsten denken dabei an soziale oder ökonomische Aspekte. Lediglich acht Prozent aller Unternehmen denken Nachhaltigkeit ganzheitlich.

Genau das muss sich aber ändern, so die Einschätzung der Studienautor:innen von Deloitte: „Ein wichtiger Schritt hin zu mehr Nachhaltigkeit sind die Umsetzung ganzheitlicher Strategien.“

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Über den Autor

Marinela Potor

Marinela Potor ist Journalistin mit einer Leidenschaft für alles, was mobil ist. Sie selbst pendelt regelmäßig vorwiegend zwischen Europa, Südamerika und den USA hin und her und berichtet über Mobilitäts- und Technologietrends aus der ganzen Welt. Seit 2016 ist sie Chefredakteurin von Mobility Mag.

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