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Boykott von US-Konzernen: Deutsche Software-Anbieter profitieren

Maria Gramsch
Bild: Mit ChatGPT generiert (KI).

Immer mehr Kunden in Europa distanzieren sich von Tech-Konzernen aus den USA. Die Gründe dafür sind vielschichtig, haben unter anderem aber unmittelbar mit dem Kurs von US-Präsident Donald Trump zu tun. Viele deutsche Software-Anbieter profitieren davon. 

Große Tech-Konzerne aus den USA wie Microsoft, Amazon, Google oder Meta haben weltweit eine enorme Marktmacht. Doch vor allem seit dem Amtsantritt von US-Präsident Donald Trump stellen sich viele Nutzern in Europa die Frage, wie groß die Abhängigkeit von US-Konzernen sein sollte.

Dabei spielt unter anderem die finanzielle Unterstützung und die Nähe der Big-Tech-Unternehmen zu US-Präsident Donald Trump eine entscheidende Rolle. Aber Datenschutzbedenken kommen immer wieder auf.

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Im Hause Microsoft wird man angesichts dieser kritischen Stimmung offenbar nervös. Denn der US-Konzern hat sich nun mit einem langen Schreiben an seine europäischen Kunden gewandt. Die „neue digitale Zusicherungen für Europa“ stammt aus der Feder von Brad Smith, Vice Chair und Präsident von Microsoft.

Auf Distanz zu US-Konzernen: Wie Microsoft EU-Kunden halten will

Smith geht in seinem Blogbeitrag unter anderem auf die digitale Resilienz Europas ein. Diese wolle der Konzern „auch in Zeiten geopolitischer Volatilität“ aufrechterhalten. Damit das in der Realität klappen kann, will der US-Konzern eine europäische Cloud aufbauen. Die Cloud-Dienste sollen künftig von Unternehmenseinheiten mit Sitz in Europa betrieben werden.

Auch die Rechenzentren und Vorstände der Tochterfirmen sollen einem europäischen Board of Directors unterstehen, „das sich ausschließlich aus europäischen Staatsbürgern zusammensetzt und unter europäischen Gesetzen arbeitet“.

Durch die Aufnahme einer neuen europäischen Verpflichtung zur digitalen Resilienz in alle unsere Verträge mit europäischen Regierungen und der Europäischen Kommission wird diese Verpflichtung für die Microsoft Corporation und alle ihre Tochtergesellschaften rechtsverbindlich.

Dabei schließt Microsoft nicht einmal Konflikte mit der US-Regierung aus. „In dem unerwarteten Fall, dass wir von einer Regierung irgendwo auf der Welt angewiesen werden, unsere Cloud-Tätigkeiten in Europa auszusetzen oder ganz einzustellen, verpflichten wir uns, solche Maßnahmen mit allen uns zur Verfügung stehenden rechtlichen Mitteln schnell und kraftvoll anzufechten – auch durch Rechtsstreitigkeiten vor Gericht“, so Smith.

Deutsche Software-Unternehmen profitieren

Doch während Microsoft versucht, die Wogen zu glätten, haben sich offenbar schon etliche Kunden vom Windows-Konzern abgewandt. Das zeigt auch „ein deutlich gestiegenes Interesse“ an Cloud-Lösungen und Server-Produkten seit Jahresbeginn, beispielsweise bei dem deutschen Unternehmen Ionos, wie CEO Achim Weiß gegenüber dem RND bestätigt.

„In Gesprächen wird dabei regelmäßig die politische Entwicklung in den USA als Grund genannt“, erklärt Weiß. „Eine besonders hohe Nachfrage sehen wir vor allem in regulierten Branchen wie dem Gesundheitswesen und der Energiewirtschaft, aber auch in der Rüstungsindustrie.“

Diese Tendenz bestätigt auch das Unternehmen Nextcloud, das Clouddienste und Office-Programme anbietet. Seit dem Amtsantritt von Donald Trump habe sich das Interesse an den Produkten des Unternehmens verdreifacht, erklärt Geschäftsführer Frank Karlitschek gegenüber dem RND. Auch die Deutsche Telekom verzeichnet ein wachsendes Interesse an seinen Cloud-Diensten.

Viele der Anfragen würden aus Verwaltungen innerhalb und außerhalb Europas kommen. Aber auch aus dem Bildungs- und dem Gesundheitsbereich, in dem Daten besonderen Schutz benötigen. „Viele wollen nun wechseln, weil sie Diensten aus den USA nicht mehr vertrauen“, so Karlitschek.

Angst vor Erpressung durch Trump

Das Land Schleswig-Holstein zieht derzeit beispielsweise auf Nexcloud um. Statt aus die Office-Software von Microsoft will man in den Behörden künftig aus das freie Libre-Office setzen. Als Betriebssystem soll anstelle von Windows derweil das Open-Source-Betriebssystem Linux zum Einsatz kommen.

Die Entscheidungen wurden zwar bereits vor dem erneuten Amtsantritt Trumps getroffen, nach der gewonnen Wahl jedoch schneller vorangetrieben. Bei viele Kunden hegen wiederum Bedenken, dass US-Dienste durch Donald Trump in Deutschland und der EU abgeschaltet werden oder als Druckmittel in Form von Sanktionen genutzt werden könnten.

Eine weitere Sorge: Die Preise für US-Dienste könnten aufgrund von Zollstreitigkeiten steigen. Preissteigerung allgemein offenbaren mit Blick auf die Monopolstellung einiger Anbieter zudem die Gefahr einer digitalen Abhängigkeit. Viele Kunden und Unternehmen befürchten außerdem Industriespionage. Beispielsweise nutzen US-Konzerne Daten von EU-Nutzern vermehrt, um ihre KI-Modelle zu trainieren.

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Maria ist freie Journalistin und technische Mitarbeiterin an der Universität Leipzig. Seit 2021 arbeitet sie als freie Autorin für BASIC thinking. Maria lebt und paddelt in Leipzig und arbeitet hier unter anderem für die Leipziger Produktionsfirma schmidtFilm. Sie hat einen Bachelor in BWL von der DHBW Karlsruhe und einen Master in Journalistik von der Universität Leipzig.