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Taktile: Deutsches KI-Start-up will Finanzbranche umkrempeln

Christoph Hausel
Taktile

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In der Serie „Start-up-Check!“ nehmen wir regelmäßig die Geschäftsmodelle von Start-ups unter die Lupe. Was steckt hinter dem Unternehmen? Was macht das Start-up so besonders und was gibt es zu kritisieren? Heute: Taktile.

Start-ups: Das klingt nach Erfindergeist, Zukunftstechnologien, neuen Märkten. Doch in der Realität erweisen sich viele der Neugründungen leider oft als eine Mischung aus einer E-Commerce-Idee, planlosen Gründern und wackeligen Zukunftsaussichten.

Dabei gibt es sie durchaus: die Vordenker, die an den großen Problemen tüfteln und Geschäftsmodelle revolutionieren. Sie zu finden und vorzustellen, ist die Aufgabe des Formats Start-up-Check. Heute: Taktile, FinTech-Start-up aus Berlin.

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Was ist Taktile?

Branche: FinTech
Gründer: Maik Taro Wehmeyer und Dr. Maximilian Eber
Gründungsjahr: 2020, Berlin
Branche: KI-Fintech

Unternehmen in regulierten Branchen wie Finanzen oder Versicherungen stehen vor einem fundamentalen Problem: Die Technologie, mit der Entscheidungen (beispielsweise Kreditvergabe, Betrugserkennung, Compliance-Checks) umgesetzt werden, ist oft starr, fragmentiert und schwer anpassbar.

Änderungen an Entscheidungslogiken sind teuer, fehleranfällig und langsam, denn sie erfordern häufig Eingriffe von IT-Teams oder externen Dienstleistern.

Taktile, 2020 von Maik Taro Wehmeyer (CEO) und Maximilian Eber (CPTO) gegründet, bricht diese Barriere auf: Die Plattform der beiden Harvard-Absolventen erlaubt es Fachabteilungen (Risk, Produkt, Compliance etc.), Entscheidungsprozesse selbst zu modellieren, zu testen, zu optimieren und produktiv zu setzen.

Kleine Anpassungen müssen so nicht erst durch die IT-Abteilung gehen. Damit wird Adaptive Decisioning möglich (also Entscheidungen, die sich dynamisch an Markt und Datenumfeld anpassen).

Wie funktioniert Taktile?

Die Lösung von Taktile gliedert sich in mehrere Schlüsselelemente:

  • Decision Workbench: Ein Interface, über das Regeln, Abläufe und Entscheidungslogiken modelliert werden – mit grafischem Ansatz, minimalem Coding-Einsatz.
  • Data Marketplace und Daten-Integrationen: Anbindung externer Datenquellen und Anbieter, um Entscheidungsprozesse mit zusätzlichen Signalen anzureichern.
  • Optimization und Testing Tools: Simulationen, A/B-Tests, Szenariotests und Versionierung, um Änderungen vor dem Produktivbetrieb zu evaluieren.
  • Agentic AI und KI-Unterstützung: Intelligente Module, die Routineentscheidungen automatisieren, Logikvorschläge machen oder komplexe Regelwerke assistiert optimieren.

Der Anspruch der beiden Gründer ist es, Technologie und Fachlogik so zu verschränken, dass Domainexperten und nicht nur Entwickler direkt mitgestalten können, bei gleichzeitiger Professionalität im Betrieb.

„Wir waren von Tag eins an überzeugt, dass wir das Leben vieler Menschen verbessern können“, so CEO Maik Taro Wehmeyer gegenüber starting-up.de.

Durch uns treffen zum Beispiel Banken informiertere Entscheidungen für ihre Kundinnen und Kunden. Dank der fortlaufenden Kontrolle unserer Plattform durch erfahrene Risikoexpertinnen und -experten, können selbst stark regulierte Unternehmen im Finanzsektor KI in Anwendungen für Risikobereiche integrieren.

Stärken und Wettbewerb

Taktile punktet mit einer klaren Domänenorientierung und technischer Tiefe: Fachabteilungen können Entscheidungsprozesse eigenständig gestalten und bleiben dabei dennoch in einem stabilen, regulierten Rahmen. Besonders wertvoll ist zudem die hohe Anpassungsfähigkeit der Plattform – sie ermöglicht schnelle Änderungen, iterative Tests und damit eine deutlich agilere Arbeitsweise.

Ein weiterer Pluspunkt ist der konsequente Fokus auf Vertrauen und Compliance: Sicherheits-, Audit- und Dokumentationsanforderungen werden ernst genommen, was in stark regulierten Sektoren unverzichtbar ist.

Schließlich unterstreichen namhafte Investoren (Index Ventures, Tiger Global, Lakestar, Speedinvest, Allianz X) und die Höhe der Finanzierung die Marktvalidierung und das Wachstumspotenzial des Start-ups.

Dennoch stehen Herausforderungen im Raum. Der Wettbewerb durch etablierte Anbieter und spezialisierte Nischenlösungen bleibt präsent. Ebenso ist die Nachvollziehbarkeit von KI-gestützten Entscheidungen ein kritischer Faktor, da gerade in sensiblen Finanzbereichen Transparenz Pflicht ist.

Hinzu kommen regulatorische Hürden und die Notwendigkeit, sich an unterschiedliche Marktbedingungen anzupassen. Und nicht zuletzt erfordert der Einsatz solcher Systeme Vertrauen – Fachabteilungen müssen überzeugt sein, dass die Plattform zuverlässig und nachvollziehbar arbeitet.

Taktile: Ausblick und Potenzial

Wenn Taktile erfolgreich in weitere Branchen expandiert, etwa Versicherungen, Gesundheitswesen, Retail Finance, und KI-gestützte Entscheidungsagenten in kritische Workflows integriert, könnte sich der Wettbewerb vom reinen Automatisieren hin zur intelligenten Steuerung von Entscheidungen verschieben.

Die Frage ist nicht mehr „automatisieren oder nicht“, sondern wie man adaptiv, nachvollziehbar und betriebssicher entscheidet. Hier will sich Taktile positionieren. Mit dem frischen Kapital dürfte der Fokus nun auf der Internationalisierung, dem Ausbau von Vertriebs-/Partnernetzen und der Weiterentwicklung der KI-Komponenten liegen.

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Christoph Hausel, studierter Jurist und erfahrener Kommunikationsprofi, ist Co-Owner & Managing Director von ELEMENT C. Zudem steht er zahlreichen Acceleratoren als Mentor und Experte zur Seite: next media accelerator, MediaLab Bayern und Wayra. 2002 gründete er die Kommunikationsagentur ELEMENT C. Damals als reine PR-Agentur konzipiert, fokussiert sich ELEMENT C seit 2005 auf die interdisziplinäre Verknüpfung von PR und Design, um ein langfristiges Markenbewusstsein zu schaffen.