In der Serie „Start-up-Check!“ nehmen wir regelmäßig die Geschäftsmodelle von Start-ups unter die Lupe. Was steckt hinter dem Unternehmen? Was macht das Start-up so besonders und was gibt es zu kritisieren? Heute: Avelios Medical.
Start-ups: Das klingt nach Erfindergeist, Zukunftstechnologien, neuen Märkten. Doch in der Realität erweisen sich viele der Neugründungen leider oft als eine Mischung aus einer E-Commerce-Idee, planlosen Gründern und wackeligen Zukunftsaussichten.
Dabei gibt es sie durchaus: die Vordenker, die an den großen Problemen tüfteln und Geschäftsmodelle revolutionieren. Sie zu finden und vorzustellen, ist die Aufgabe des Formats „Start-up-Check“. Heute: Avelios Medical, MedTech-Start-up aus München.
Was steckt hinter Avelios Medical?
- Branche: MedTech / HealthTech
- Gründer: Christian Albrecht (CEO), Nicolas Jakob, Dr. Sebastian Krammer
- Gründungsjahr: 2020, München
- Geschäftsmodell: SaaS-Plattform mit modularer Krankenhaussoftware (KIS 2.0) im monatlichen Abo, on-premise oder in der Cloud, ergänzend zu bestehenden Systemen
- Ziel: Erstklassige Patientenversorgung durch digitale Klinikprozesse, strukturierte Daten und integrierter KI
Krankenhäuser beschäftigen hoch qualifiziertes Personal, doch ihre veralteten IT-Systeme bremsen einen effizienten Arbeitsalltag aus. Eine harte These, aber Alltag in den meisten Krankenhäusern. Wie stark diese Belastung tatsächlich ist, zeigt eine Befragung von 39 Krankenhäusern durch KPMG: Vor allem die bestehende Krankenhaussoftware sorgt für erhebliche Unzufriedenheit.
Ebenfalls erschreckend: Laut der Deutschen Krankenhausgesellschaft verbringen Ärzte und Pflegekräfte täglich im Durchschnitt drei Stunden mit Dokumentationsarbeiten, die häufig keinen direkten Nutzen für die Behandlung der Patienten haben. Zeit, die in der Versorgung fehlt und den Druck im Klinikalltag weiter erhöht.
Die Lösung: Modulare Kliniksoftware statt Komplettaustausch
Vor diesem Hintergrund gründeten Christian Albrecht, Nicolas Jakob und Dr. Sebastian Krammer im Jahr 2020 Avelios Medical. Das Start-up ging dabei ursprünglich aus einem KI-Forschungsprojekt an der Uniklinik hervor.
Daraus entstand KIS 2.0, eine modulare Krankenhaussoftware, die papierbasierte Prozesse digitalisiert. Patientenaufnahme, Behandlungsdokumentation, Abrechnung, Terminplanung erfolgen automatisiert.
Daten wie Vitalparameter, Therapieverläufe, Laborwerte und Behandlungsnotizen werden einmal erfasst und stehen ausschließlich autorisiertem Klinikpersonal systemweit im Klinikbereich zur Verfügung, streng DSGVO-konform.
Die Cloud-native Lösung lässt sich flexibel in der Cloud oder lokal betreiben und modular wie Lego neben bestehenden Systemen einbinden, ohne dass eine Komplettumstellung der IT erforderlich ist.
Hervorzuheben ist insbesondere die integrierte KI: Sie reduziert den Dokumentationsaufwand erheblich, indem sie pro Behandlung bis zu 2.000 strukturierte Patientendaten automatisch generiert. Das soll klinische Entscheidungen erleichtern und interne Forschung verbessern.
Geschäftsmodell und Praxisbeweis
Das Geschäftsmodell folgt einem klaren SaaS-Ansatz. Krankenhäuser zahlen eine monatliche Abonnementgebühr statt hoher Einmalinvestitionen. Updates, Support und die Integration in bestehende IT-Systeme sind enthalten.
Avelios Medical wird bereits bei den Sana Kliniken, der LMU München und der Medizinischen Hochschule Hannover eingesetzt. Die Kernversprechen:
- mehr Patienten pro Tag durch Zeitersparnis aufgrund weniger administrativen Aufwands,
- bessere Behandlungen durch strukturierte Daten sowie
- eine langfristig KI-fähige Systembasis.
Skalierung: Markt, Kapital und strukturelle Hürden
In der Series-A-Runde investierten Sequoia Capital, Revent und der High-Tech Gründerfonds (HTGF) 30 Millionen Euro. Mit dem Kapital soll die Software auf dem deutschen Klinikmarkt skaliert und für erste internationale Pilotprojekte vorbereitet werden.
„Ich glaube, das Potenzial der personalisierten Medizin wird nach wie vor unterschätzt“, so CEO Christian Albrecht gegenüber dem Handelsblatt.
Vor allem die Vorsorge basiert heute auf Annahmen, die für alle gelten sollen. Dabei könnten wir mit einer besseren Datengrundlage viel individueller agieren – nicht nur reaktiv, wenn jemand krank ist, sondern besonders proaktiv, etwa auf Basis genetischer Informationen. Das würde die Versorgung deutlich verbessern.
Der Markt ist vorhanden: Rund 2.000 Krankenhäuser in Deutschland und Milliardenförderungen aus dem Krankenhauszukunftsgesetz (KHZG) schaffen Investitionsspielraum. Der strukturelle Vorteil von Avelios Medical liegt im modularen Einstieg.
Fazit: Avelios Medical als möglicher Standard für moderne Krankenhaus-IT
Avelios Medical verbindet KI-Forschung direkt mit dem Klinikalltag und löst damit ein drängendes Problem: veraltete IT, die Ärzten und Pflegekräften wertvolle Zeit raubt. Mit Kunden wie den Sana Kliniken, starken Investoren und einem skalierbaren SaaS-Modell positioniert sich das Start-up als Gamechanger.
KIS 2.0 könnte zum neuen Standard moderner Krankenhaussoftware werden und dem Gesundheitssystem somit wertvolle Zeit für Patienten zurückgeben.
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