Das Projekt „Grids & Benefits“ hat dynamische Stromtarife unter die Lupe genommen und zeigt nun, dass Stromnetze damit tatsächlich spürbar entlastet werden können. Gleichzeitig bringen diese auch finanzielle Vorteile für Verbraucher.
Mit dem wachsenden Anteil erneuerbarer Energien am Strommix wird die Stromerzeugung zunehmend wetterabhängig. Solar- und Windkraftanlagen sind naturgemäß auf Sonneneinstrahlung oder starken Wind angewiesen.
In Zeiten von Windflauten oder Dunkelheit hingegen können diese Anlagen deutlich weniger Strom produzieren. Diese Schwankungen gelten als zentrale Herausforderung für die Energiewende und erfordern neue Wege, um Erzeugung und Verbrauch im Stromsystem besser aufeinander abzustimmen.
Dynamische Stromtarife gelten als ein Teil der Lösung, denn diese passen den Strompreis flexibel an Angebot und Nachfrage im Netz an. Das kann beispielsweise abhängig von Tageszeit oder aktueller Auslastung sein.
Sie sollen außerdem als Anregung für Verbraucher dienen, den Strom dann zu nutzen, wenn er reichlich und günstig verfügbar ist. Doch wie wirksam kann der Einsatz von dynamischen Stromtarifen für die Entlastung des Stromnetzes wirklich sein?
Das Innovationsprojekt „Grids & Benefits“ hat genau das in einem Pilotprojekt unter die Lupe genommen. Dabei wurde untersucht, wie Verbraucher auf variable Preissignale reagieren – und ob sich das Laden von E-Autos messbar in Zeiten mit geringerer Netzauslastung verschieben lässt.
„Grids & Benefits“ testet den Einfluss dynamischer Strompreise
Im Rahmen des Projekts „Grids & Benefits“ wurde erstmals in der Praxis untersucht, welchen Einfluss dynamische Strompreise tatsächlich auf das Verhalten von Stromkunden und die Auslastung der Netze haben können. In einem Pilotversuch wurde dabei getestet, ob die Information über variable Preise Verbraucher dazu bewegen können, die Ladevorgänge von E-Autos gezielt zu verschieben.
Unter der Leitung der gemeinnützigen UnternehmerTUM GmbH waren Partner aus der gesamten Wertschöpfungskette an dem Projekt beteiligt. Dazu gehörten unter anderem die RWTH Aachen Universität, EWE Netz, Maingau Energie, Octopus Energy und The Mobility House Energy.
Gemeinsam wurde zunächst ein Grundkonzept für die Berechnung dynamischer Arbeitspreise erarbeitet. Dieses kann Verbrauchern variable Preissignale liefern und gleichzeitig die Netzauslastung gezielt steuern.
Das sich anschließende Pilotprojekt bestand aus zwei zentralen Elementen. So wurden beispielsweise vergünstigte Ladepreise an öffentlichen Ladepunkten als Anreiz für die Nutzung anderer Ladezeitfenster getestet.
Am zweiten Teil der Pilotphase waren 500 Kunden von The Mobility House und Octopus Energy beteiligt. Hier wurde das Laden zu Hause mit dynamischen Netzentgelten unter die Lupe genommen. Über mehrere Monate wurde hier gemessen, welche Auswirkungen die automatisiert Optimierung der Ladevorgänge hat.
Welche Auswirkungen können dynamische Strompreise haben?
Das Innovationsprojekt „Grids & Benefits“ konnze zeigen, dass gezielte Preissignale an Verbraucher die Verschiebung von Ladevorgängen erheblich beeinflussen können. Demnach seien rund 70 Prozent der Ladevorgänge im Vergleich zu Ladeplänen mit statischen Netzentgelt tatsächlich verschoben worden.
Dadurch konnten 20 Prozent der geladenen Energie in andere Zeitfenster verschoben werden. Vor allem aus den typischen Spitzenlastzeiten morgens und abends konnte somit die Netzbelastung deutlich reduziert werden.
Doch nicht nur das Netz profitiert von den geänderten Ladezeitpunkten. Denn auch für Verbraucher birgt die zeitliche Verschiebung der Ladevorgänge einen finanziellen Vorteil.
So wurden beispielsweise die künden von Maingau Energie über vergünstigte Ladezeitfenster über die „Autostrom App“ informiert. Die Testkunden wurden dabei in zwei Gruppen unterteilt: eine erhielt eine Information bei einer Preisreduzierung von zehn Cent, die zweite bei einer einer Preisreduzierung von 20 Cent je Kilowattstunde.
Bei der Kontrollgruppe mit zehn Cent Rabatt pro Kilowattstunde konnten die Projektverantwortlichen einen Anstieg von zwei Prozent der Ladevorgänge messen. Bei der Gruppe mit 20 Cent Ersparnis je Kilowattstunde verlagerten sich zehn Prozent der Ladevorgänge in die sogenannten „supergrünen Stunden“.
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