PayPal Geschäftsmodell

PayPal verliert sein Mojo: Geschäftsmodell vor dem Aus?

Fabian Peters
Bild: Mit ChatGPT generiert (KI)

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PayPal steht aktuell vor einer ungewissen Zukunft. Nachdem die Ergebnisse aus dem vierten Quartal 2025 hinter den Erwartungen zurückgeblieben sind, rutschte die Aktie um mehr als 20 Prozent ab. Gleichzeitig verkündete das Unternehmen einen Wechsel auf dem Chefsessel. Eine kommentierende Analyse.

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PayPal bekommt neuen CEO

  • PayPal hat am 4. Februar Zahlen für das vierte Quartal 2025 vorgelegt. Das Unternehmen meldete zwar einen bereinigten Gewinn in Höhe von 1,23 US-Dollar pro Aktie, doch Marktbeobachter hatten mit mehr gerechnet. Auch beim Umsatz blieb der Zahlungsdienstleister mit 8,68 Milliarden US-Dollar hinter den Erwartungen zurück. Vor allem das Wachstum bei Online-Checkouts verlor an Schwung und verlangsamte sich auf ein Prozent. Im Vorjahr war diese Sparte noch um sechs Prozent gewachsen.
  • Als Grund für die schwachen Zahlen nannte PayPal den schwächelnden US-Einzelhandel sowie Belastungen im internationalen Geschäft. Mit der Absetzung des bisherigen CEO Alex Chriss sorgte das Unternehmen zudem für einen Paukenschlag. Er soll ab März von HP-Chef Enrique Lores abgelöst werden. In der Zwischenzeit übernimmt PayPal-Finanzchef Jamie Miller interimsweise.
  • Die PayPal-Aktie rutschte innerhalb kürzester Zeit um mehr als 20 Prozent ab und liegt jetzt bei rund 34 Euro (Stand: 6. Februar 2026). So niedrig war der Kurs zuletzt im Jahr 2018. Dabei kannte die PayPal-Aktie seit dem Börsengang lange nur eine Richtung: nach oben. Im Zuge der Corona-Pandemie erreichte sie 2022 mit 250 Euro ihren Höhepunkt. Seither ging es bergab.

Die Börse verliert das Vertrauen in PayPal

Auf den ersten Blick wirken die aktuellen Quartalszahlen von PayPal gar nicht mal so schlecht. Schließlich schreibt das Unternehmen keinen Verlust und wächst nach wie vor – wenn auch minimal. Doch an der Börse zählt nicht das Heute, sondern das Morgen.

Auf den zweiten Blick befindet sich PayPal aber auf dem absteigenden Ast. In der Vergangenheit war das Unternehmen etwa dafür bekannt, die Erwartungen und Prognosen an der Börse zu übertreffen – und zwar regelmäßig.

Diese Zeit scheint vorbei zu sein. Denn das finanzielle Herzstück von PayPal, der Zahlungs-Checkout in Online-Shops, wächst kaum noch. Der abrupte Kursabsturz ist deshalb aber eher ein Vertrauensverlust als ein Ausdruck akuter Schwäche.

Zugegeben: Der scheidende CEO Alex Chriss hatte es nach den überragenden Zahlen in den Corona-Jahren nicht leicht, PayPal wieder auf Kurs zu bringen. Doch das einstige Musterunternehmen muss sich vorwerfen lassen, sich zu lange auf seinem Geschäftsmodell ausgeruht zu haben. Trends wie das Zahlen per Smartphone oder ein „Buy now, pay later“-Angebot wurden stattdessen verpennt.

Stimmen

  • Der neue Interims-CEO Jamie Miller zu den aktuellen Quartalszahlen: „Im Jahr 2025 haben wir unseren Umsatz und unseren Gewinn pro Aktie gesteigert und damit die Stärke unserer Plattform unterstrichen. Gleichzeitig war unsere Umsetzung nicht ganz zufriedenstellend, insbesondere im Bereich des Marken-Checkouts. Wie heute bekannt gegeben wurde, spiegelt die Ernennung von Enrique Lores zum nächsten Präsidenten und CEO von PayPal durch den Vorstand das klare Bekenntnis zur Stärkung der Umsetzung, Innovation und Ergebnisse wider.“
  • Der designierte CEO Enrique Lores in einem Statement: „Die Zahlungsverkehrsbranche verändert sich schneller denn je – angetrieben durch neue Technologien, Vorschriften, ein wettbewerbsintensives Umfeld sowie die rasante Beschleunigung von KI, die den Handel täglich neu gestaltet.“ Lores freue sich darauf, „die Umsetzung neuer Innovationen zu beschleunigen und die Zukunft digitaler Zahlungen und des digitalen Handels mitzugestalten.“
  • David Marcus, der von 2014 bis 2018 das Präsidentenamt bei PayPal bekleidete, in einem Beitrag auf X (ehemals Twitter): „Ich behaupte nicht, dass ich jede Entscheidung anders getroffen hätte. Im Laufe der Zeit verlor das Unternehmen, das alle Vorteile hatte und das bedeutendste und relevanteste Zahlungsunternehmen unserer Zeit hätte werden können, sein Mojo, seinen Produktvorteil und seine Wettbewerbsfähigkeit in einem Markt, der sich vor unseren Augen neu ordnet und neu erfindet.“

Vom Branchen-Primus zum Payment-Dinosaurier?

Die große Frage lautet: Wie will PayPal künftig Geld verdienen, wenn der bisherige Goldesel schwächelt? Bislang sehen die Prognosen für 2026 zumindest eher ernüchternd aus. Denn: Mit Konkurrenz-Angeboten wie Apple Pay, Google Pay, der europäischen Initiative Wero oder Echtzeitüberweisungen in der EU wächst der Druck auf den PayPal-Checkout von allen Seiten.

Das Unternehmen, das zunehmend wie ein Payment-Dinosaurier wirkt, benötigt deshalb dringend eine neue Einnahmequelle. Doch auch bei anderen Trends wie „Buy now, pay later“-Angeboten hat man der Konkurrenz bereits das Feld überlassen – vor allem Klarna.

PayPal hatte zwar früh ein führendes US-Unternehmen in diesem Bereich übernommen, das Thema aber lange eher stiefmütterlich behandelt. Der Versuch, eine Aufholjagd zu starten, wäre deshalb äußerst riskant.

PayPal ist zwar nach wie vor einer der führenden Zahlungsanbieter, doch die glorreichen Zeiten scheinen vorbei zu sein – auch, weil sich viele Händler aufgrund von Sicherheitspannen wie im Sommer 2025 von der Zahlungsmethode verabschiedet haben.

Das Unternehmen steht deshalb vor einem Scheideweg: Entweder gelingt ein glaubwürdiger Neustart mit klarer Strategie – etwa durch einen Zukauf. Oder der Konzern bleibt das, was Kritiker längst in ihm sehen – ein One-Trick-Pony in einer Branche, in der Geduld keinen Stellenwert hat.

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Fabian Peters ist seit Januar 2022 Chefredakteur von BASIC thinking. Zuvor war er als Redakteur und freier Autor tätig. Er studierte Germanistik & Politikwissenschaft an der Universität Kassel (Bachelor) und Medienwissenschaften an der Humboldt-Universität zu Berlin (Master).
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