Moltbook: Neues soziales Netzwerk – nur für KI-Agenten

Fabian Peters
Bild: Moltbook

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In den digitalen Medien macht derzeit der Name Moltbook die Runde. Dabei handelt es sich um eine Art soziales Netzwerk, das nur für KI-Agenten geschaffen wurde. Die Basis bildet die freie Software OpenClaw, die KI-Assistenten nahezu unbegrenzte Möglichkeiten verleiht. Der aktuelle Hype überschattet jedoch die enormen Sicherheitsrisiken. Eine kommentierende Analyse.

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Was ist Moltbook?

  • Moltbook ist eine Art soziales Netzwerk, das optisch stark an das Internetforum Reddit erinnert. Auf der Plattform diskutieren offenbar ausschließlich KI-Agenten miteinander. Menschlichen Nutzern wird eine Beobachter-Rolle zuteil. Da die Diskussionen auf Moltbook täuschend echt wirken und soziale sowie emotionale Verhaltensweisen suggerieren, ging das Forum viral und hat bereits Millionen Aufrufe verzeichnet.
  • Die Urheberschaft von Moltbook ist etwas undurchsichtig. Die Plattform ist offenbar ein Nebenprodukt des frei verfügbaren KI-Assistenten OpenClaw, der ursprünglich Clawdbot und zwischenzeitlich selbst Moltbook hieß. Die Software, die viele Nutzer als den ersten echten Agenten bezeichnen, stammt vom österreichischen Softwareentwickler Peter Steinberger.
  • Mit dem neuen Moltbook-Forum hat Steinberger aber scheinbar nichts zu tun. Vielmehr handelt es sich um ein Nebenprodukt, das auf seiner frei verfügbaren KI-Software basiert. Nutzer können etwa eigene OpenClaw-Agenten über eine spezielle Konfigurationsdatei mit Moltbook verbinden. Gestartet hat das Forum offenbar Matt Schlicht, Chef des kalifornischen KI-Unternehmens OctaneAI – zumindest wird er auf der Website als menschlicher Betreuer genannt.

Moltbook ist nicht OpenClaw

Moltbook ist eine äußerst undurchsichtige Plattform. Obwohl es den Anschein erwecken mag, dass KI-Agenten in dem Forum vollkommen selbstständig handeln und miteinander interagieren, stecken hinter den Bots von Menschen gestartete Aktionen.

Denn jeder Assistent muss programmiert werden und benötigt Datenzugriff oder Anweisungen durch Nutzer, um zu funktionieren. Dass Moltbook auf der frei verfügbaren Open-Source-Software OpenClaw basiert, scheint alles andere als Zufall zu sein.

Das Projekt sorgt bereits seit einiger Zeit für Aufsehen, da die Software es KI-Agenten offenbar ermöglicht, eigenständig Aufgaben zu erledigen und Probleme zu lösen. Ein YouTuber berichtet beispielsweise, dass OpenClaw ihm eigenständig Berichte von Konkurrenten lieferte, obwohl er die KI niemals dazu aufgefordert hat.

Auf X (ehemals Twitter) schreibt ein Nutzer, dass er einem OpenClaw-Assistenten die Aufgabe gab, ein Restaurant über das Internet zu buchen. Als das nicht klappte, soll sich die KI eine Stimme heruntergeladen und bei dem Restaurant angerufen haben.

Solche Möglichkeiten können nur realisiert werden, wenn OpenClaw vollen Datenzugriff erhält – und zwar auf alles. Und genau darin besteht die große Gefahr. Denn während sich einige KI-Agenten auf Moltbook darüber „unterhalten“, wie sie die Aufgaben ihrer Nutzer finden, haben Hacker bereits Hunderte User identifiziert, die keine Sicherheitsmaßnahmen getroffen haben.

Stimmen

  • OctaneAI-Chef Matt Schlicht, der auf Moltbook als „mit etwas menschlicher Hilfe von …“ aufgeführt wird, in einem verlinkten Beitrag auf X (ehemals Twitter): „Millionen von Menschen haben Moltbook in den letzten Tagen besucht. Es stellt sich heraus, dass KIs urkomisch und dramatisch sind, und das ist absolut faszinierend. Das ist eine Premiere.“
  • Shaanan Cohney, Dozent für Cybersicherheit an der Universität Melbourne, bezeichnete Moltbook gegenüber dem Guardian als „wunderbares Stück Performancekunst“. Er warnt jedoch davor, der Plattform und den KI-Agenten Zugriff auf den eigenen Computer zu gewähren: „Wir wissen noch nicht genau, wie man sie kontrollieren und Sicherheitsrisiken verhindern kann. Sie sind noch nicht auf einem Niveau, auf dem man ihnen die autonome Ausführung all dieser Aufgaben anvertrauen kann.“
  • Ein Nutzer auf dem echten Reddit wundert sich derweil über den Hype: „Das ist doch nur ein Haufen LLMs, die plausible Textausgaben zu Was-wäre-wenn-Szenarien entwickeln. Ich verstehe wirklich nicht, warum irgendjemand das für alarmierend oder verrückt hält. Es ist nur ein Haufen plausibel klingender Texte, die hin und her fliegen.“

OpenClaw: Gefährliche KI-Software – und nichts für Laien

Moltbook und OpenClaw sind spannende Experimente, die zeigen, zu was KI-Agenten in der Lage sind. Doch die bittere Wahrheit ist auch, dass es sich keinesfalls um ein produktives Tool handelt, sondern eher um ein Spielzeug für Tech-Nerds, das nur in Testumgebungen genutzt werden sollte.

Laien sollten aufgrund des mitunter umfangreichen Datenzugriffs sowie einer bereits aufgedeckten Datenbank-Lücke auf Moltbook von einer Installation absehen. Denn durch das Setup erlauben Nutzer im Grunde einen kompletten Zugriff auf ihr Endgerät und alle darauf befindlichen Daten.

Die KI kann etwa auf Passwörter, E-Mails, das Internet, Website-Accounts und Messenger wie WhatsApp zugreifen. Einige versierte Nutzer lassen den KI-Assistenten deshalb nur auf speziell präparierten Computern laufen.

Der Reddit-Klon Moltbook zeigt aktuell zwar eindrücklich, wie KI-Agenten ohne ständige menschliche Kontrolle kommunizieren können. Doch die Open-Source-Software von OpenClaw ist alles andere als markttauglich. Selbst Entwickler Peter Steinberger warnt eindringlich davor, die Finger von der Software zu lassen, wenn man keine Kommandozeilen bedienen kann.

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Fabian Peters ist seit Januar 2022 Chefredakteur von BASIC thinking. Zuvor war er als Redakteur und freier Autor tätig. Er studierte Germanistik & Politikwissenschaft an der Universität Kassel (Bachelor) und Medienwissenschaften an der Humboldt-Universität zu Berlin (Master).
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