Tesla Absturz Robotik

Vom Autobauer zum Robotik-Konzern: Tesla droht der absolute Absturz

Fabian Peters
Bild: Tesla

Anzeige

Tesla stellt die Produktion seiner Premium-Elektroautos Model S und Model X ein, um Kapazitäten für die Massenproduktion des Optimus-Roboters und des Roboter-Taxis Cybercab freizumachen. Die strategische Neuausrichtung markiert einen Pivot vom Autohersteller zum KI- und Robotik-Konzern – und zwar mit erheblichen Risiken. Eine kommentierende Analyse.

BREAK THE NEWS BASIC thinking

Unser exklusives Format »Break the News«, in dem wir aktuelle Nachrichten in ihre Einzelteile zerlegen, erscheint immer zuerst in UPDATE, unserem täglichen Tech-Briefing. Hier kannst du dich über 10.000 anderen Lesern anschließen und dich kostenlos anmelden:

Mit deiner Anmeldung bestätigst du unsere Datenschutzerklärung

Tesla ist kein Autobauer mehr

  • Tesla will sein Model S und Model X im Laufe des Jahres aus dem Programm nehmen und die Produktion einstellen. Das teilte CEO Elon Musk am Rande einer Bilanzkonferenz mit. Der Schritt kommt einer strategischen Neuausrichtung des Unternehmens gleich. Die einstigen Vorzeigemodelle wurden in den vergangenen Jahren deutlich von den Modellen 3 und Y überflügelt. Das Model S und Model X machten 2025 gerade einmal drei Prozent vom Umsatz aus.
  • Tesla will in den frei werdenden Produktionslinien durch das Aus für das Model S und Model X künftig seinen humanoiden Roboter Optimus und das autonome Cybercab-Taxi herstellen. Laut Elon Musk soll die Produktion des Cybercab noch in diesem Jahr starten. Seine Hoffnung: Das Fahrzeug könne alle anderen Tesla-Modelle zahlenmäßig langfristig übertrumpfen. Die Massenproduktion des Tesla Optimus dürfte frühestens 2027 starten.
  • Tesla musste 2025 erstmals in seiner Unternehmensgeschichte einen Rückgang bei seinen Verkaufszahlen hinnehmen. Nach einem Höchststand von 1,8 Millionen ausgelieferten Fahrzeugen im Jahr 2023 sanken die Auslieferungen 2025 im Vergleich zu 2024 um 8,5 Prozent auf 1,636 Millionen. Der Umsatz ging um drei Prozent auf rund 94,8 Milliarden US-Dollar zurück. Beim Gewinn verzeichnete das Unternehmen sogar einen Rückgang um 46 Prozent – auf 3,8 Milliarden US-Dollar.

Neue Strategie mit altern Mustern

Mit dem Model S und X verabschiedet Tesla nicht nur zwei Fahrzeuge, sondern ein Stück Firmengeschichte. Einst sollten sie zusammen mit den Modellen 3 und Y das Akronym S-3-X-Y formen (Ford hält die Rechte an der Bezeichnung Model E). Doch mittlerweile ist Tesla als Autobauer längst nicht mehr sexy.

Aufgrund der geringen Absatzzahlen beider Fahrzeuge ist der Schritt rein wirtschaftlich zwar folgerichtig. Doch viele Probleme von Tesla sind hausgemacht. Seit dem Model Y im Jahr 2020 hat das Unternehmen etwa kein massenmarkttaugliches Modell mehr präsentiert. Das versprochene E-Auto für 25.000 US-Dollar? Beerdigt! Der Cybertruck? Ein Prestigeobjekt, das keine Nachfrage hat.

Die Konkurrenz hat derweil aufgeholt und produziert überwiegend günstigere und bessere Elektroautos als Tesla. Elon Musks rechtspopulistischen Eskapaden haben Tesla zudem einen Bärendienst erwiesen. Erschwerend hinzu kam Donald Trump, der für einen Wegfall der US-Kaufprämie, weichere CO2-Regeln und sinkende Erlöse aus Emissionszertifikaten verantwortlich ist.

Elon Musk setzt deshalb auf einen radikalen Strategiewechsel: weg vom Autobauer und hin zum Robotik-Konzern. Diese neue Strategie mag auf den ersten Blick vielleicht bahnbrechend erscheinen, entspricht vom Prinzip her aber der alten. Denn sie beruht vor allem auf großen Versprechen.

Tesla hat zwar früh das Potenzial von autonomen Taxis und humanoiden Robotern erkannt, hinkt der Konkurrenz aus China in der Robotik sowie dem US-Konkurrenten Waymo bei fahrerlosen Autos mittlerweile aber auch massiv hinterher.

Stimmen

  • Tesla-Chef Elon Musk im Rahmen der Quartalskonferenz: „Es ist an der Zeit, die Programme für das Model S und das Model X mit einer ehrenvollen Entlassung zu beenden. Denn wir bewegen uns auf eine Zukunft zu, die auf Autonomie basiert. Wir werden paranoid sein und dafür sorgen, dass wir weiterhin Batterien, Roboter und KI-Chips bauen können, egal was passiert.“
  • Analysten von Canaccord Genuity in einer Mitteilung nach Veröffentlichung der Tesla-Quartalszahlen: „Vergessen Sie das Tesla, das Sie kannten. Das Tesla von gestern gibt es nicht mehr. Wir glauben, dass Elon Musk einen entscheidenden Wendepunkt erreicht hat – eine totale Hingabe an eine Vision, die keinen Raum für Rückzug lässt.“
  • Guy Hoffman, Assistenzprofessor für Maschinenbau und Luft- und Raumfahrttechnik an der Cornell University, ist skeptisch: „Teslas Wandel ist entweder mutig oder riskant, je nachdem, wie optimistisch man gegenüber unbewährten Technologien ist. Auch wenn zukünftige Durchbrüche immer schwer vorherzusagen sind, sollten wir bedenken, dass humanoide Roboter – trotz ihres derzeitigen Hypes – nach wie vor in einem sehr experimentellen Stadium sind. Ich würde behaupten, dass die Popularität von Humanoiden eher auf dem Reiz der Science-Fiction als auf technischen Gründen beruht.“

Tesla hinkt der Konkurrenz hinterher

Tesla setzt immer mehr auf Roboter und Robo-Taxis. Elon Musk hat für 2026 Investitionen in Höhe von rund 20 Milliarden US-Dollar in diesen Bereich angekündigt. Zusätzliche zwei Milliarden kommen von Musks KI-Startup xAI.

Branchenexperten sprechen bereits von einem „Point of no Return“ – oftmals euphorisch. Doch der Realitätscheck ist ernüchternd. Robotaxi-Konkurrent Waymo betreibt bereits 2.500 autonome Fahrzeuge in mehreren US-Städten. Tesla steht mit 500 Cybercabs, die teilweise auf einen Sicherheitsfahrer angewiesen sind, noch am Anfang.

Elon Musks Versprechen offenbaren dabei das eigentliche Problem. Denn: Zwischen Millionen geplanten und maximal 2.500 erlaubten Tesla-Robotaxis (bei Waymo theoretisch unbegrenzt) klafft eine gewaltige Lücke aufgrund technischer Probleme.

Auch beim humanoiden Roboter Optimus ist Tesla kein Pionier. Denn rund um Boston Dynamics, Unitree und Xpeng schläft die Konkurrenz nicht. Vor allem nicht in China, wo Kostenvorteile entscheidend sein dürften. Optimus ist bislang zudem mehr ein Forschungsprojekt als ein produktiver Helfer.

Das Bewertungsparadoxon bei Tesla: Das Unternehmen ist an der Börse mehr wert als die zehn größten Autohersteller der Welt zusammen und das Kurs-Gewinn-Verhältnis liegt immer noch bei einem Wert von über 250. Solange das Autogeschäft wuchs, trug diese Vision.

Gelingt sie bei Autonomie und Robotik, wäre der Pivot genial. Misslingt er, bleibt ein Meme-Mythos und ein CEO, der lieber neue Versprechen macht, als alte einzulösen. Der Tesla-Kurs ist dennoch nicht von Umsatz und Gewinn getrieben, sondern von Hype und einer loyalen Fanbase.

BREAK THE NEWS BASIC thinking

Unser exklusives Format »Break the News«, in dem wir aktuelle Nachrichten in ihre Einzelteile zerlegen, erscheint immer zuerst in UPDATE, unserem täglichen Tech-Briefing. Hier kannst du dich über 10.000 anderen Lesern anschließen und dich kostenlos anmelden:

Mit deiner Anmeldung bestätigst du unsere Datenschutzerklärung

Auch interessant:

🤝 25 Euro geschenkt!

Eröffne jetzt dein kostenloses NIBC Tagesgeld und erhalte bis zu 2,75 Prozent Zinsen auf dein Geld! Und obendrauf gibt's sogar noch 25 Euro geschenkt!


Jetzt Zinsen sichern

Voraussetzungen gelten, Anzeige

STELLENANZEIGEN
Graphic Designer & Content Creator (m/w/d)
FamiCord AG in Leipzig
Senior SAP Consultant FI/CO (f/m/div.)
Bosch Gruppe in Wetzlar
Intern (m/f/d) in Digital Marketing
Clarios Germany GmbH & Co. KG in Hannover
Vertriebsingenieur (Ingenieur Maschinenbau / ...
a2tec GmbH in Hamburg
Digital Marketing Manager (m/w/d)
Schwer Fittings GmbH in Denkingen
Personalberater (m/w/d)
Ratbacher GmbH - Karriere bei Rat... in Stuttgart, M...
Organizational Integration Manager (m/f/d)
Clarios Germany GmbH & Co. KG in
Vehicle Testing Lead (m/f/d)
Clarios Germany GmbH & Co. KG in
Teile diesen Artikel
Chefredakteur
Folgen:
Fabian Peters ist seit Januar 2022 Chefredakteur von BASIC thinking. Zuvor war er als Redakteur und freier Autor tätig. Er studierte Germanistik & Politikwissenschaft an der Universität Kassel (Bachelor) und Medienwissenschaften an der Humboldt-Universität zu Berlin (Master).
Keine Kommentare