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KI-Desaster im heute journal: ZDF begeht Rufselbstmord

Fabian Peters
Bild: ZDF

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Das ZDF hat im heute journal über Abschiebungen durch die US-Einwanderungsbehörde ICE berichtet. Der Sender warnte eingangs vor Fake-Inhalten, nutzte dann aber selbst welche. Mittlerweile wurde der Beitrag gelöscht und es gab eine Entschuldigung. Zwischenzeitlich hat sich das ZDF aber um Kopf und Kragen geredet und damit Glaubwürdigkeit verspielt. Eine kommentierende Analyse.

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KI-Panne im ZDF „heute journal“

  • Das heute journal hat am 15. Februar 2026 Bilder aus einem KI-generierten Video aus dem Netz gezeigt, in dem sich zwei Kinder an ihre weinende Mutter klammern, die offenbar von Polizisten abgeführt werden soll. Die Sequenz wurde weder als KI-Inhalt gekennzeichnet noch im Plot der Sendung eingeordnet. Eine weitere Sequenz, in der ein Kind abgeführt wird, ist zwar echt, stammt aber aus dem Jahr 2022 und wurde aus dem Kontext gerissen.
  • Dass der KI-Clip nicht echt ist, war relativ offensichtlich. Denn: Im Bild war das Logo des OpenAI-Modells Sora eingeblendet. Dabei handelt es sich um eine KI, mit der Nutzer realistische Videos per Texteingabe erstellen können. Aus Transparenz-Gründen baut das Modell das Logo selbst ein. Nachdem Zuschauern die Panne auffiel, kam in der Folge auch ans Licht, dass eine weitere Sequenz im Kontext irreführend war.
  • Auf die Kritik hin hat das ZDF zunächst eingeräumt, dass KI-generierte Bilder bewusst verwendet worden seien, eine entsprechende Kennzeichnung aber aus technischen Gründen nicht übertragen werden konnte. Erst hat der Sender den Beitrag aus dem heute journal gelöscht. Dann wurde zwischenzeitlich eine überarbeitete Version hochgeladen, die einen Hinweis zur Änderung enthielt. Die Redaktion hat die KI-Inhalte und das aus dem Kontext gerissene Video durch andere Sequenzen und Bilder ersetzt. Mittlerweile ist keine der beiden Versionen mehr in der Mediathek abrufbar.

KI-Inhalte haben in Nachrichtensendungen nichts zu suchen

Das KI-Desaster beim ZDF offenbart einmal mehr, dass Schnelligkeit und Skandalisierung im Journalismus oftmals eine größere Rolle spielen als Sorgfalt und Fakten. Doch: Wie kann es sein, dass ein öffentlich-rechtlicher Sender, der im Gegensatz zu den Boulevard- und rechtspopulistischen Medien mit jeweils vier großen Buchstaben eigentlich ganz andere Ansprüche haben sollte, nicht bemerkt, dass ein KI-Video mit Wasserzeichen eingebaut wird?

Klar: Fehler können passieren, dürfen passieren und werden auch immer wieder passieren. Doch der gesamte Vorfall darf so niemals vonstattengehen. Denn das ZDF hat sich ausgehend von einer Panne – vermutlich aus Schlampigkeit – anschließend um Kopf und Kragen geredet.

Erst wollte man den Eindruck erwecken, dass lediglich die Kennzeichnung der KI-generierten Inhalte untergegangen sei. Dann waren zunächst die entsprechenden Szenen und letztlich das komplette Video verschwunden. Und erst dann folgten Einordnung und Entschuldigung.

Der öffentlich-rechtliche Rundfunk ist zwar ein hohes Gut, darf, nein muss aber auch kritisiert werden dürfen. Denn davon leben Demokratie und Diskurs. Kurzum: KI-generierte Inhalte haben nichts in Nachrichtensendungen zu suchen, sofern es nicht um sie selbst geht.

Ob bewusst oder unbewusst: Der Beitrag im heute journal hat das Vorgehen der ICE-Schläger und -Mörder noch abscheulicher dargestellt, als es ohnehin ist – jedoch zu Lasten der Glaubwürdigkeit des ZDF. Vor allem aufgrund der absurden Kommunikation im Nachgang hat der Sender jedoch Wasser auf die Mühlen rechter Medien und der AfD gekippt, ihnen ein gefundenes Fressen geliefert und den eigenen, in der Regel guten Journalismus untergraben.

Stimmen

  • ZDF-Moderatorin Dunya Hayali zu Beginn ihrer Moderation: „Wer in den sozialen Netzwerken unterwegs ist, wird festgestellt haben, dass es sehr viele Videos zu den Einsätzen der ICE-Truppen von Donald Trump gibt. Nicht alle sind echt, aber doch sehr viele. Und die Gewalt, mit der die Abschiebekräfte oftmals vorgehen, und auch die Willkür, die dort zu sehen ist, hat auf jeden Fall eines erreicht: Es herrscht ein Klima der Angst, das selbst vor Kindern nicht Halt macht.“
  • NRW-Medienminister und ZDF-Fernsehrat Nathanael Liminski (CDU) gegenüber dem Stern: „Diese krasse Fälschung in einer Nachrichtensendung ist ein gravierender Fehler. Die geltenden Maßstäbe und eigenen Ansprüche an öffentlich-rechtlichen Qualitätsjournalismus hätten eine solche Täuschung des Publikums bereits in der Entstehung des Beitrags verhindern müssen. Die Machart torpediert dieses Ziel: Anstatt Desinformation und Deepfakes zu entlarven, wird auf Bildmaterial aus sachfremden Zusammenhängen sowie auf KI-generierte Fakebilder zurückgegriffen. Dies ist ein Tabubruch und ein absolutes No-Go.“
  • Anne Gellinek, stellvertretende ZDF-Chefredakteurin und Leiterin der Aktualität, in einem Statement: „Wir entschuldigen uns in aller Form für diese Fehler. Der Beitrag entspricht nicht unseren Standards und hätte in dieser Form nicht gesendet werden dürfen. Wir haben ihn deshalb von allen Plattformen entfernt und werden auf ZDFheute sowie an gleicher Stelle im ‚heute journal‘ heute Abend korrigierend berichten.“

Das ZDF muss seine KI-Richtlinien nachschleifen

In einer Zeit, in der die journalistische Sorgfaltspflicht aufgrund von Desinformation und KI-generierten Inhalten wichtiger ist denn je, hat das ZDF viel Glaubwürdigkeit verspielt. Nicht nur, weil der Nachrichtenredaktion des Senders ein Fehler unterlaufen ist, sondern auch, weil man sich zwischenzeitlich mit fadenscheinigen Begründungen um Kopf und Kragen geredet hat.

Die finale Klarstellung und Entschuldigung ist zwar ebenso löblich wie richtig und wichtig, reicht aber nicht aus. Vielmehr muss sich der ZDF-Fernsehrat kritisch mit dem Thema auseinandersetzen, um weitere Pannen solcher Art künftig zu vermeiden. Heißt konkret: Es braucht eindeutige Redaktionsrichtlinien und Handlungsanweisungen – auf allen Entscheidungsebenen.

Denn wenn diese Sorgfaltspflicht nicht mehr gegeben ist, wird das Grundvertrauen in eigentlich seriöse Nachrichten zutiefst erschüttert und teilweise zerstört. Anstatt einfach wieder zur Tagesordnung überzugehen, muss das ZDF deshalb vor allem seine KI-Richtlinien nachschleifen, um sicherzustellen, dass Realität nicht durch Fiktion künstlich verzerrt wird.

Es obliegt nun dem Sender und der Redaktion, den entstandenen Imageschaden wieder auszubügeln. Und das geht nur mit seriösem und qualitativem Journalismus, der Realität zeigt und nicht erzeugt. Andernfalls wird das ZDF in einer Zeit, in der Zweifel an vielen Medien ohnehin wachsen, an Publikum verlieren.

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Fabian Peters ist seit Januar 2022 Chefredakteur von BASIC thinking. Zuvor war er als Redakteur und freier Autor tätig. Er studierte Germanistik & Politikwissenschaft an der Universität Kassel (Bachelor) und Medienwissenschaften an der Humboldt-Universität zu Berlin (Master).
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