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KI-Müll ohne Endlager: 19 Prozent des Internets sind absoluter Schrott

Fabian Peters
Symbolbild für KI-Müll: Mit ChatGPT generiert.

Bereits 19 Prozent aller Websites im Google-Index sind KI-generiert – Tendenz steigend. Was nach einem technischen Problem klingt, bedroht Vertrauen, Diskurs und die Glaubwürdigkeit des gesamten Internets. Denn KI-Müll wirkt, weil er geglaubt werden will und geglaubt wird. Doch das Netz darf nicht als Endlager dienen. Eine kommentierende Analyse.

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Von 2 auf 19 Prozent: Wie KI-Müll das Netz überflutet

  • Ob halbnackte Promis, Jesus als Shrimp oder reißerische Sensationsmeldungen: Seitdem KI-Modelle für nahezu jedermann kostenlos nutzbar sind, kursiert immer mehr Müll im Internet. Der Content-Detektor Originality.ai hat etwa dokumentiert, dass der Anteil KI-generierter Websites im Google-Index Anfang 2020 bei 2,27 Prozent lag. Drei Jahre später hat er sich verdreifacht. Wiederum ein Jahr danach stieg die Kurve drastisch an. Ende 2025 hatte sich der Anteil KI-generierter Inhalte von 8,5 Prozent auf 19 Prozent mehr als verdoppelt.
  • Aktuell fluten vor allem immer mehr KI-generierte Videos das Internet. Das gilt nicht nur für digitale Medien, sondern vor allem für Portale wie YouTube, von wo aus solche Clips weiterverbreitet werden. Das Problem: Statt handgemachter Unterhaltung, nerdigen Inhalten oder hochwertigen Dokumentationen landen immer mehr KI-Schrott und Fake-Videos im Netz. Oder kurzum: Beiträge, die nur darauf abzielen, Klicks zu erzielen oder manipulative Inhalte zu verbreiten.
  • Die viel größere Gefahr geht zwar von sogenannten Deepfakes aus. Also: Von Audio- und Videoaufnahmen, die mithilfe von Künstlicher Intelligenz erstellt wurden. Gesichter und Personen können so beispielsweise ausgetauscht oder in andere Aufnahmen eingefügt werden. Allerdings ist auch KI-Müll nicht ungefährlich. Denn: In der zunehmenden Schrottflut drohen wichtige und relevante Inhalte unterzugehen.

Warum das Internet zum Endlager für KI-Müll wird

Das Internet verwandelt sich still und heimlich zu einem Endlager für KI-Müll. Denn Künstliche Intelligenz generiert nicht nur Text und Bilder, sondern auch eine Endlosschleife aus Inhalten, die sich gegenseitig referenzieren, kopieren und verdichten.

Diese unsägliche Schrottlawine verschüttet nicht nur Relevanz. Sie untergräbt Diskurs, Demokratie und Fakten. Die traurige Folge: Was im Netz sichtbar ist, ist nicht mehr zwangsläufig relevant oder wertvoll, sondern auch nur algorithmisch anschlussfähig.

Der Preis, den wir für diese Entwicklung zahlen, ist jedoch horrend. Denn er wird nicht nur kulturell und gesellschaftlich sondern auch physisch spürbar. Rechenzentren und Serverfarmen sprießen beispielsweise schneller aus dem Boden als jede Müllkippe, fressen so viel Energie wie ganze Metropolen und saufen Wasser zur Kühlung, das in manchen Regionen zunehmend zu einem knappen Gut wird. Alles zulasten des Klimas.

Zeitgleich verkaufen Großkonzerne und die Politik Zukunftsversprechen wie die Kernfusion oder Mini-Atomkraftwerke als Alibi für einen Energiehunger, den sie nicht nur selbst entfacht haben, sondern der teilweise Verschwendung gleichkommt. Was ich damit meine: KI-Müll erscheint oftmals harmlos. Doch sowohl Deepfakes als auch Fantasiewelten oder Katzenvideos sind gezielt platziert, um Ängste, Unterhaltung oder Emotionen zu triggern.

Wer glaubt, dass in einem dringend benötigten KI-Müll-Endlager nur belangloser Abfall landen würde, übersieht die Gefahr, dass dieser Müll wirkt, weil er geglaubt werden will – und geglaubt wird.

Reaktionen und Stimmen

  • Akhil Bhardwaj, Professor an der School of Management der University of Bath, gegenüber dem Guardian: „KI-Schrott überschwemmt das Internet mit Inhalten, die im Grunde genommen Müll sind. Diese Verschrottung ruiniert Online-Communities. Eine Möglichkeit, KI-Schrott zu regulieren, besteht darin, sicherzustellen, dass er nicht monetarisiert werden kann, wodurch der Anreiz für seine Erstellung wegfällt.“
  • Moderator, Schauspieler und Komiker John Oliver in seiner wöchentlichen HBO-Show: „Es geht nicht nur darum, dass wir uns von gefälschten Inhalten täuschen lassen können, sondern dass deren bloße Existenz es böswilligen Akteuren ermöglicht, echte Videos und Bilder als Fälschungen abzutun. Ich sage nicht, dass es nicht Spaß macht, sich manche dieser Dinge anzusehen, aber ich sage, dass manche davon potenziell sehr gefährlich sind.“
  • Sowohl YouTube als auch Meta setzen auf automatisierte Systeme, um KI-Inhalte zu identifizieren. Während die Videoplattform vor allem gegen minderwertige Inhalte vorgehen will, hat Meta einem Statement zufolge KI-Betrug im Visier: „Zwar werden wir weiterhin Mitarbeiter haben, die Inhalte prüfen, doch diese Systeme werden Aufgaben übernehmen, die sich besser für den Einsatz von Technologie eignen, wie zum Beispiel die wiederholte Überprüfung grafischer Inhalte, in denen böswillige Akteure ihre Taktiken ständig ändern, etwa beim Verkauf illegaler Drogen oder bei Betrugsfällen.“

Lässt sich die KI-Müll-Flut noch stoppen?

Das Problem, ein Endlager für KI-Müll zu finden, ist nicht Folge eines Naturereignisses, sondern menschengemacht. Will heißen: Es ist prinzipiell steuerbar. KI ist zwar zweifellos ein praktisches Werkzeug, wenn sie dabei hilft, Prozesse zu beschleunigen, Diagnosen zu verbessern oder Recherchen zu erleichtern; und zwar auch im Privatbereich.

Doch solange Quantität über Qualität triumphiert, droht das Werkzeug stumpf zu werden. Das gilt auch für den Vertrauensvorschuss vieler Nutzer. Das Problem: Die eigentliche Erosion findet in unseren Köpfen statt. Denn wenn alles potenziell fake ist, verliert auch das Echte an Gewicht, da man schlichtweg kaum noch Inhalten trauen kann.

Diese Unsicherheit sickert längst in klassische Medien durch und stellt deren Glaubwürdigkeit infrage. Doch falls Zweifel zu einer Grundhaltung werden, erreichen wir einen Zustand, in dem Desinformation florieren kann, indem sie Zweifel sät. Die Verantwortung liegt jedoch nicht nur bei Otto Normalnutzern, KI-Spielereien zu unterlassen, sondern vor allem bei den digitalen Plattformen und ihren Betreibern. Denn sie entscheiden, was sichtbar wird und was verschwindet.

Das Problem dabei ist nur, dass die sogenannten sozialen Medien mitunter von KI-Müll und Desinformation profitieren. Nämlich dann, wenn solche Inhalte große Aufmerksamkeit erreichen, was den Betreibern wiederum Werbeeinnahmen beschert. Ohne klare Regeln, transparente Kennzeichnung und echte Konsequenzen bleibt das KI-Müll-Endlager jedoch ein profitabler Dauerzustand.

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Fabian Peters ist seit Januar 2022 Chefredakteur von BASIC thinking. Zuvor war er als Redakteur und freier Autor tätig. Er studierte Germanistik & Politikwissenschaft an der Universität Kassel (Bachelor) und Medienwissenschaften an der Humboldt-Universität zu Berlin (Master).
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