Wer im Sommer zu Fuß durch die Stadt muss, kennt das Problem: Manche Straßen heizen sich so stark auf, dass sie zur Belastung werden. Forscher der Universität Heidelberg haben deshalb eine App entwickelt, die Fußgängern je nach Tageszeit den schattigsten Weg berechnet.
Das Heidelberg Institute for Geoinformation Technology (HeiGIT) hat ein System zur Analyse der Begehbarkeit von Straßen bei Hitze entwickelt. Aus den Ergebnissen eines Forschungsprojekts der Universität Heidelberg ist daraus eine Routing-App entstanden. Seit dem Sommer 2024 unterstützt die Anwendung shaded.ors die Menschen in Heidelberg und Worms bei der täglichen Routenplanung. Alexander Zipf, Professor für Geoinformation am HeiGIT, dazu:
Neben der Bereitstellung von Informationen und Anpassungskonzepten zum Thema Hitzestress im Allgemeinen ist es das Ziel von HEAL, insbesondere für Menschen in Risikogruppen mithilfe einer App eine hitzeangepasste Mobilität zu ermöglichen.
Wie die Heal-App Wege im Schatten ermittelt
Die Software ermittelt für Fußgänger gezielt Wege, die durch schattige Parks oder Straßen im Schatten von Gebäuden führen. Auf diese Weise lassen sich stark aufgeheizte Orte bei Extremhitze vermeiden.
In die Berechnungen fließen aktuelle Wetter- und Sonneneinstrahlungsdaten sowie Informationen zur Wegbeschaffenheit ein. Digitale Oberflächenmodelle erfassen die Höhe von Objekten wie Gebäuden und Bäumen über dem Boden. Das Programm führt diese Informationen mit Geländemodellen und den Karten von OpenStreetMap zusammen. Dann ermittelt das System einen Solarindex für jeden Straßenabschnitt.
Anderer Sonnenstand, andere Route: So passt sich die App an
Die Routenempfehlung passt sich an die jeweilige Tageszeit und den Sonnenstand an. Am Morgen empfiehlt die Anwendung für den Weg vom Hauptbahnhof Worms zur Rheinpromenade etwa die Wilhelm-Leuschner-Straße und anschließend die Martinsgasse und Judengasse. Am Nachmittag leitet die Anwendung Personen hingegen über die Goethestraße. Die Navigation soll vor allem Senioren, Kindern und Vorerkrankten die Fortbewegung an heißen Tagen ermöglichen.
Bei der Konzeption des Projekts stand der direkte Austausch mit der Bevölkerung im Vordergrund. Im Rahmen von Workshops teilten Senioren, Vorerkrankte und Familien ihre Hitzeerfahrungen. Zusätzlich nutzten die Beteiligten mobile Interviews per Messenger-Dienst. Dieses gemeinschaftliche Wissen brachte Bedürfnisse ans Licht, die aus reinen Daten nicht sichtbar geworden wären.
Was Kommunen für die Stadtverwaltung lernen können
Die Anwendung läuft auf einem quelloffenen Routing-Dienst und nutzt Karten von OpenStreetMap. Das System berechnet aus den Eingabedaten für jeden Straßenabschnitt einen sogenannten Solarindex. Dieser Wert gibt an, wie stark ein Abschnitt zu einem bestimmten Zeitpunkt der Sonne ausgesetzt ist. Zudem arbeitet das Team an einer Bereitstellung des Routings über eine kostenlose Live-Schnittstelle.
Langfristig könnte die Anwendung den Kommunen als Instrument zur Klimaanpassung dienen. Findet das System keine schattigen Wege, würde dies einen mangelnden Schutz für vulnerable Gruppen belegen. Die Ergebnisse dürften Stadtverwaltungen somit auf Orte hinweisen, an denen Investitionen in Bäume und Schattenspender nötig wären. Da der Code offen ist, ließe sich das Hitzerouting auf andere Städte mit entsprechenden Daten übertragen.
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