Werbe-CAPTCHAs: Herzlich willkommen im Internet, ihr Zwangs-Produkthymnen

André Vatter

Was ergibt „Completely Automated Public Turing test to tell Computers and Humans Apart“? Richtig – das Akronym CAPTCHA. Dabei handelt es sich meistens um kleine Challenge-Response-Tests, also kleine Raterunden, die nur von Menschen gemeistert werden können, um Script-Kiddies davon abzuhalten, automatisierte Bot-Abfragen zu entwickeln, mit denen sich dann Zugang zu irgendwelchen Daten verschaffen lässt.

Was sich noch sagen lässt: CAPTCHAs sind unheimlich nervig. Manchmal sind die quietschbunt, manchmal schwarz-weiß, manchmal beinhalten sie nur Ziffern, manchmal Ziffern im Hintergrund und Buchstaben im Vordergrund. Sie alle haben aber eines gemeinsam, nämlich, dass man sich oder den Monitor auf den Kopf stellen muss, um sie entziffern zu können. Und alles, was Nutzer die Zornesröte auf die Stirn, ruft auch Marketingleute auf den Plan – denn Wut bedeutet Engagement und Engagement bedeutet bessere Chancen, das Produkt unauslöschlich in der Gedankenwelt des Users zu platzieren.

Und so ist es jetzt auch gekommen. Gestern stolperte ich über das neue Unwort des Jahres: „Werbe-CAPTCHAs“ sollen die Identifikation mit dem Produkt im Internet revolutionieren. Der Gedanke dahinter ist der, dass CAPTCHAs doch bislang nur unnützes Zeugs zum Abschreiben vorgaben – hier kann man das Opfer doch auch gleich zum stupiden Abschreiben von Slogans verdonnern!

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Dazu werden die Abfrage-Boxen künftig durch eine Agentur verteilt, AdCopy in den Staaten will damit schon in naher Zukunft ganz groß rauskommen. Unternehmen beauftragen die kleine Firma und geben bestimmte, prägnante Werbesprüchlein vor. Sagen wir: „Pommes machen dünn“ oder „RudisResteRampe Sonderverkauf“ auch ein schlichtes „free-viagra-cialis.org“. Die Agentur sammelt die Aufträge und verteilt sie an Website-Betreiber, die dann bei Schaltung des CAPTCHAs an den Einnahmen beteiligt werden. Es ist also davon auszugehen, dass wir – sollte das Konzept aufgehen – künftig häufiger Lobeshymnen aussprechen müssen, um auf die Mailbox, das Netzwerk oder den Bilderdienst zugreifen zu können.

AdCopy befindet sich mit seinem Angebot gerade in der Beta-Phase, interessierte Werber und Publisher können sich aber schon einmal auf die Warteliste setzen lassen. „AdCopys Mission ist es, den Mangel an Aufmerksamkeit in der Markenwerbung aufzuheben“, beschreibt sich die Agentur selbst. Venture Capitalist First Round Capital hat bereits eine erste Finanzspritze geleistet, außerdem seien andere „beeindruckende“ Business-Angels an Bord geklettert.

Nun, denn. Ich habe nichts gegen kreative Herangehensweisen, um im Netz zu werben. Die Digg-Ads auf 404-Fehlerseiten fand ich recht pfiffig. Doch obligatorischer Markenjubel, ehe ich einen bestimmten Dienst benutzen kann? Lieber nicht. Aber hey, AdCopy, hier sind noch ein paar Ideen: Warum startet ihr nicht Mauszeiger mit Marken-Branding, gesponserte Mail-Adressen, hüpfende Layer-Ads, sprechende Rollbalken mit Billboard-Effekten oder Popups, die jede Suchanfrage mit witzigen Werbebotschaften kommentieren? Das wär doch was…

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(André Vatter)

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André Vatter ist Journalist, Blogger und Social Median aus Hamburg. Er hat von 2009 bis 2010 über 1.000 Artikel für BASIC thinking geschrieben.