Werbe-CAPTCHAs: Herzlich willkommen im Internet, ihr Zwangs-Produkthymnen
Was ergibt “Completely Automated Public Turing test to tell Computers and Humans Apart”? Richtig – das Akronym CAPTCHA. Dabei handelt es sich meistens um kleine Challenge-Response-Tests, also kleine Raterunden, die nur von Menschen gemeistert werden können, um Script-Kiddies davon abzuhalten, automatisierte Bot-Abfragen zu entwickeln, mit denen sich dann Zugang zu irgendwelchen Daten verschaffen lässt.
Was sich noch sagen lässt: CAPTCHAs sind unheimlich nervig. Manchmal sind die quietschbunt, manchmal schwarz-weiß, manchmal beinhalten sie nur Ziffern, manchmal Ziffern im Hintergrund und Buchstaben im Vordergrund. Sie alle haben aber eines gemeinsam, nämlich, dass man sich oder den Monitor auf den Kopf stellen muss, um sie entziffern zu können. Und alles, was Nutzer die Zornesröte auf die Stirn, ruft auch Marketingleute auf den Plan – denn Wut bedeutet Engagement und Engagement bedeutet bessere Chancen, das Produkt unauslöschlich in der Gedankenwelt des Users zu platzieren.
Und so ist es jetzt auch gekommen. Gestern stolperte ich über das neue Unwort des Jahres: “Werbe-CAPTCHAs” sollen die Identifikation mit dem Produkt im Internet revolutionieren. Der Gedanke dahinter ist der, dass CAPTCHAs doch bislang nur unnützes Zeugs zum Abschreiben vorgaben – hier kann man das Opfer doch auch gleich zum stupiden Abschreiben von Slogans verdonnern!
Dazu werden die Abfrage-Boxen künftig durch eine Agentur verteilt, AdCopy in den Staaten will damit schon in naher Zukunft ganz groß rauskommen. Unternehmen beauftragen die kleine Firma und geben bestimmte, prägnante Werbesprüchlein vor. Sagen wir: “Pommes machen dünn” oder “RudisResteRampe Sonderverkauf” auch ein schlichtes “free-viagra-cialis.org”. Die Agentur sammelt die Aufträge und verteilt sie an Website-Betreiber, die dann bei Schaltung des CAPTCHAs an den Einnahmen beteiligt werden. Es ist also davon auszugehen, dass wir – sollte das Konzept aufgehen – künftig häufiger Lobeshymnen aussprechen müssen, um auf die Mailbox, das Netzwerk oder den Bilderdienst zugreifen zu können.
AdCopy befindet sich mit seinem Angebot gerade in der Beta-Phase, interessierte Werber und Publisher können sich aber schon einmal auf die Warteliste setzen lassen. “AdCopys Mission ist es, den Mangel an Aufmerksamkeit in der Markenwerbung aufzuheben”, beschreibt sich die Agentur selbst. Venture Capitalist First Round Capital hat bereits eine erste Finanzspritze geleistet, außerdem seien andere “beeindruckende” Business-Angels an Bord geklettert.
Nun, denn. Ich habe nichts gegen kreative Herangehensweisen, um im Netz zu werben. Die Digg-Ads auf 404-Fehlerseiten fand ich recht pfiffig. Doch obligatorischer Markenjubel, ehe ich einen bestimmten Dienst benutzen kann? Lieber nicht. Aber hey, AdCopy, hier sind noch ein paar Ideen: Warum startet ihr nicht Mauszeiger mit Marken-Branding, gesponserte Mail-Adressen, hüpfende Layer-Ads, sprechende Rollbalken mit Billboard-Effekten oder Popups, die jede Suchanfrage mit witzigen Werbebotschaften kommentieren? Das wär doch was…
(André Vatter)
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Was soll so ein Captcha bringen, auf dem man den Text wie in den Beispielen problemlos erkennen kann? Selbst ausgeklügelte Muster und Schriftformen werden heute von Scripts automatisch ausgelesen und beantwortet und bringen somit keinen Schutz, sondern nur genervte Nutzer.
Die einzigen Captchas, die noch halbwegs funktionieren sind solche, bei denen man einfache Fragen beantworten muss.
Aber so was wie da oben dient nur der Werbung und darum wird man sie künftig wohl überall finden, selbst da, wo eigentlich keine nötig wären…
“Type in the TWO Words”
“Ich liebe Cola”
- sorry – try again :)
@Sven: Haha, bitte schön: nur für dich! :-D
Aber mal zum Thema selbst, ich finde es auch eine interessante Idee, allerdings ist die Frage, was bringt es Werbeslogans abzutippen, reicht das wirklich schon aus um einen Kunden an ein Produkt zu binden?
Animierte Mauszeiger mit Produktbranding wäre mal was anderes xD Captchas sind ansonsten meist nervig und bei jenen welche es nicht sind,kann man die Tauglichkeit als Barriere für Scripts in Frage stellen.
Captchas mit “einfachen” Fragen? Toll, dann schafft es die Hälfte der Menschheit nicht sich bei solchen Diensten anzumelden.
Wer erinnert sich noch an:
“Sprich, Freund, und tritt ein” xD
warum eigentlich keine colawerbung in bestattungsinstituten?
Der einzige Unterschied ist der, das die Jungs hier offen von Geld verdienen sprechen und sich nicht hinter einem technischen Vorwand verstecken.
Habe darüber auch mal was geschrieben, wen es interessiert:
http://www.justmy2cent.net/int.....ktion.html
Ich stimme zu, die Sache wäre wohl schnell ziemlich nervig. Genial finde ich die Idee trotzdem irgendwie. Also, wenn ich Chef einer Werbefirma wäre und sich mein Mitarbeiter sowas ausgedacht hätte, würde ich ihm bestimmt einen Apfel schenken (so einen zum essen…) ;-)
[...] Ich weiß genz genau, dass ich schon einmal einen Beitrag über so genannte Werbe-Captachs gebloggt habe – nur leider find ich ihn nicht mehr. Die Idee ist im Grunde nicht neu, doch wie es aussieht versucht sich nun erneut ein Unternehmen daran. Das Prinzip ist simpel: Anstatt einer wirren Zahlen- oder Buchstabenkombination gilt es Werbeslogans einzutippen. Ich bin gespannt, ob wir eines Tages auch im deutschsprachigen Web entsprechende Captchas zu sehen zu bekommen. Mehr Infos gibt’s bei Basicthinking. [...]
Wie schon auch gesagt wurde, würden wir mit dieser Idee auf fast jeder Seite einen Captcha finden, auch wenn dieser dort überflüssig ist.
Die Idee dahinter ist, Bücher zu scannen und Texte, die nicht automatisch von einer OCR-Software digitalisiert werden können, Usern als Captcha zu präsentieren und diese das Wort digitalisieren zu lassen –sozusagen “Google Books goes Crowdsourcing”.
Öm, reCaptcha wurde voriges Jahr von Google gekauft…
von wegen no-profit und so