Sonstiges

Focus Online über den Transparency-Fall

Focus Online berichtet anscheinend als erstes, bekannteres Pressorgan über Transparency, u.a. heisst es dort:

Transparency International reagierte. Mit Nervosität. Auf Anfrage von FOCUS Online lehnte Geschäftsführerin Dagmar Schröder noch am Montagnachmittag jede inhaltliche Stellungnahme ab: Da es sich um Personalangelegenheiten handele, sei sie zur Verschwiegenheit verpflichtet und könne noch nicht mal mitteilen, welche Aussagen im ersten Blog-Posting unwahre Behauptungen gewesen seien.

Die Verschwiegenheitspflicht hielt nur wenige Stunden. Noch am Montagabend veröffentlichte die Organisation eine Pressemitteilung, in der die angeblich so schützenswerten Personalangelegenheiten detailliert ausgebreitet wurden: Dass die einstige TI-Mitarbeiterin, deren Arbeitsverhältnis nach der Probezeit endete, bei 20 Wochenstunden eine Vergütung von 1000 Euro brutto monatlich erhielt, dazu detailliert ihre weitere Gehaltsforderung.

All diese Einzelheiten hätte TI nach Eigenverständnis gar nicht veröffentlichen dürfen „€“ auch Justiziar Marten hatte zuvor gegenüber FOCUS Online auf die verschiedenen Persönlichkeitsrechte verwiesen. Doch weder dazu noch mit seinen Äußerungen zum juristischen Vorgehen will sich der Ethikbeauftragte zitieren lassen: er werde keine Äußerungen zur Veröffentlichung freigebe, teilte Marten schriftlich mit, weil die Zitate „€žihren Bedeutungsinhalt aus dem Zusammenhang (erlangen), in den Sie sie stellen“€œ. Im Klartext: ohne Kenntnis des gesamten Berichts kein Zitat „€“ ein Vorgehen, mit dem kein Politiker davonkäme.

(gleicher Bericht auch auf Tomorrow zu finden)

via Lawblog

hm… es scheint zutreffend zu sein, was einige Blogger bereits geäußert haben: Man kehrt lieber vor fremden Türen als vor der eigenen. Was mich etwas stutzig macht, ist die Aussage von Foucs, daß Transparency eine Pressemitteilung mit detailierten Informationen über die Gehaltsfragen verteilt hat. So weit so gut, aber heisst das etwa auch, daß die den Namen der bisher unbekannten Ex-Mitarbeiterin preisgegeben haben? Wenn ja, kann Transparency gleich einpacken, was ich mir aber nicht vorstellen kann, daß die diesen Schritt gegangen sind.

Updates
1. via Kommentar No. 5 beim Lawblog: Ich habe eben gerade mit der Pressestelle von T.I. telephoniert, weil ich auf deren Website die Pressemitteilung nicht finden konnte. Frau Schröder war leider nicht da und ein Mitarbeiter, der sich nicht zitieren lassen will, sagt, daß es in einer Telephonkonferenz heute morgen einen Vorstandsbeschluß gab, der die Rücknahme der Pressemitteilung zur Folge hatte. Man will jetzt die „€œKöpfe einstecken und das Gewitter über sich hinwegziehen lassen.“€?

2. Wie man auf anderen Blogs nachlesen kann, war die besagte Pressemeldung auf der TID Seite kurzzeitig online, man hat sie aber mittlerweile wieder heruntergenommen.

3. Wer hat den Worlaut der Pressemeldung?

4. Die gesuchte Pressmeldung ist beim Blog Rebellen ohne Markt nachzulesen. Große Überraschung: Ich sehe so gut wie Null Unterschied zwischen dem ersten und auch dem zweiten Posting von Moni – der betroffenen Bloggerin – und der Pressemeldung von TID. Weiterhin heisst es dort: Mit dem Schreiben unseres Justiziars wurde die Bloggerin aufgefordert, das Posting aufgrund der dort enthaltenen Falschdarstellungen zu entfernen, was inzwischen ja auch geschehen ist. [Und wieder rückgängig gemacht wurde, Anm. Don] In diesem Schreiben wurde bewusst auf eine sofortige strafbewehrte Unterlassungserklärung verzichtet und der Bloggerin zunächst die Gelegenheit gegeben, den Text zu entfernen. Daraus haben sich für die Bloggerin weder rechtliche noch finanzielle Konsequenzen ergeben. Transparency Deutschland hat die Diskussion auf den Blogs zu diesem Thema zur Kenntnis genommen. Wir vertreten die Ansicht, dass Weblogs nicht als Forum für die Weiterverbreitung von Falschdarstellungen missbraucht werden sollten.

Es ist so, was viele bereits hunderte Male gesagt haben: ein Dialog-orientierter Kommentar im betreffenden Blog oder Mailverkehr/Telefonat mit den betreffenden Personen und die Sache wäre gegessen gewesen, supereasy. Nein, so sollte es kraft Willens der Vereinsleitung nicht sein. TID sieht sich anscheinend nicht als Eindringling auf einem fremden Grundstück, der in der Rechten eine Keule hinter dem Rücken verbirgt und in der Linken einen Radiergummi vor sich hinhält: „Krankenhaus oder Ratschefummel?„. Und wegen dieser eigentlich unglaublich läppischen Meinungsdifferenz musste man die halbe Netzwelt gegen sich aufbringen? Hallo? Keule weg, Radiergummi weg, Kaffee aufsetzen, Blumenstrauß und miteinander über die Story reden, lachen, wie dumm man doch war eigentlich und gut ist. Dann kann TID weiterhin in Ruhe seiner nach wie von allen Seiten begrüßte Arbeit nachgehen.

5. Transparency bekommt einen zusätzlichen Ehrenzusatz im bisherigen Wikipedia-Artikel


siehe auch: Die Chronologie des Falles

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Über den Autor

Robert Basic

Robert Basic ist Namensgeber und Gründer von BASIC thinking und hat die Seite 2009 abgegeben. Von 2004 bis 2009 hat er über 12.000 Artikel hier veröffentlicht.

21 Kommentare

  • die schweinereien machen sich bei google breit

    was passiert eigentlich, wenn eine sau durch kleinbloggersdorf getrieben wird, ein thema heiss diskutiert wird?

    abgesehen davon, dass zumindestens in der blogger-szene das thema rasant einen gewissen bekanntheitsgrad erreicht, so erreichen die ersten…

  • Ich hatte eben ein interessantes Telefonat. Der Freund aus alten Schulzeiten liest gerne Blogs. Transparency Deutschland kannte er bislang nicht. Als ich auf das Thema zu sprechen kam, sagte er nur: „Sind das nicht die, die ihre Mitarbeiter so ausbeuten!“

    Der Satz spricht für sich und zeigt den Megagau für die untransparente Vorgehensweise der Antikorruptionswächter.

  • Ist denn diese Pressemitteilung irgendwo (vielleicht „auf anderen Blogs“) noch nachzulesen? Könnte doch sehr erhellend sein für den Sachverhalt.

  • […] Ich enthalte mich der Bewertung von Transperency International, denn ich habe mich weder mit deren Arbeit noch mit den Menschen, die diese Arbeit leisten befasst. Ich kenne nur eine unglückseelige Geschichte, die in unverantwortlicher Weise durch die Blogosphäre gezerrt wurde. Besonders fragwürdig hat sich hier das Basicthinking-Blog [-1-,-2-, -3-] hervorgetan. Dass der Focus einen tendeziellen Bericht verfasst, macht die Angelegenheit nicht besser. Die aus der Pressemitteilung von Transparency International Deutschland angesprochenen Punkte waren bereits durch die Bloggerin Moni.wasweissich publik. War in der Pressemeldung noch etwas anderes, das den Datenschutz in Bezug auf die Personalakte der Ex-Mitarbeiterin verletzte? […]

  • Ich sehe gerade in deinem Trackback das du dich besonders fragwürdig hervorgetan hast 😉 Der Focus ist übrigens tendenziell, na das ist ja eine grosse Überraschung.

    Aber meine Frage ist, welcher Abschnitt in Wikipedia wurde hinzugefügt, ich sehe nichts, schon wieder gelöscht?

  • @faunensprung: Nach dem PR-Gau scheint es sich zu einer regelrechten Schlacht zu entwickeln. In der Tat ist der Beitrag bei Wikipedia tatsächlich wieder verschwunden. Wer macht denn so was?

  • Na, faunensprung, als Kenner des Vereins und der näheren Umstände kannst Du bestimmt beurteilen, dass der Verein absolut im Unrecht ist, weil er hat ja nicht die Stellen benannt, die unrichtig sind.

    Es ist absolut in Ordnung eine alltägliche Personalentscheidung, die vor dem Hintergrund der Gesamtsituation entschieden wird und nicht nur die sozialen Aspekte der Mitarbeiterin in Betracht zieht, durch alle Blogs zu schleifen, weil der Justiziar, den Fehler beging keine kostenpflichtige einstweilige Verfügung zu erwirken in der bei Gericht auch ausgeführt wurde, worin die fehlerhafte Darstellung besteht, oder aber es gibt keine fehlerhafte Darstellung und es ist nur so, dass der kleine Beitrag potentielle Spender verprellt und der Justiziar nicht die richtige Person war, mit der Angelegenheit zu betrauen.

    Ein kleiner Fehler und dafür diese Schwierigkeiten. Sicher, dass das der Verein verdient hat? Sicher dass damit nicht Arbeit beeinträchtigt und verhindert wird, die es verdient hätte weiterhin ohne den Wirbel ausgeführt zu werden. Statt dessen werden die Kräfte an dieses Heckmeck gebunden, weil Robert den Beitrag namentlich mit Hervorhebung bringen musste.

    Weil jeder Blogger es nicht versäumt zu betonen, dass es sich um eine alleinerziehende Mütter handelt.

    Klasse wenn ich jemanden fertig machen will, lasse ich die Unwahrheiten von einer alleinerziehnden Bloggermama schreiben und warte in aller Seelenruhe das Schreiben vom Anwalt ab. Den Rest erledigt die Blogosphäre.

    Ich weiß nicht ob eine Unwahrheit oder auch nur eine Verzerrung in der Darstellung steckte. Aber ich weiß, dass dieses Fass in dieser Weise weder fair noch der Meinugsfreiheit dient.

    So jedenfalls nicht.

  • es wäre schade, wenn man die Diskussion hier in den Kommentartiefen verschwinden lassen würde, daher.. Silke: Wärest Du einverstanden, daß ich aus Deinem Kommentar heraus einen eigenen Beitrag eröffne, um damit die Dinge wenigstens einmal von der anderen Seite zu betrachten? Dann entsteht womöglich eine bessere Kommentarbasis als hier, wo sich kaum noch einer hinverirren wird.

  • Gerd und Guido und T. I.

    Guido Westerwelle im Spiegel (27.03.2006) zu seiner Auseinandersetzung mit Altbundeskanzler Gerd Schröder:
    Weil hier das Recht auf Kritik in Frage gestellt wird, werde ich diese Sache vor Gericht ausfechten. Gegen die einstweilige Verfügung habe ich…

  • @faunensprung
    Ach und das war den Bloggern bekannt, bevor sie sich bashend auf die Seite von moni-wasweissich geschlagen haben. Soll ich das jetzt glauben,ja?

    Ne! Es ändert nichts daran und erschwerend kommt hinzu, dass das eine nichts mit dem andern zu tun hat.

    Wäre das nun eine Geschworenen-Verhandlung, dann wäre das wohl der Teil wo der Staatsanwalt den Angeklagten auf allen Ebenen diskreditiert um die Meinung der Geschworenen gegen den Angeklagten aufzubringen, der Rechtsanwalt Objection ruft und der Richter die Geschworenen bittet, das Gehörte nicht zur Kenntnis zu nehmen. Was die Geschworenen nicht können und das weiß der Staatsanwalt.

    Deswegen als Frage! Ich hatte sehr bewußt ein Fragezeichen gesetzt. Sicher, dass … ? Ich hatte mir die Möglichkeit offen gelassen, dass es um das Opfer nicht schade ist. Die Tatsache bleibt, dass eine Beurteilung der Sachlage nicht objektiv getroffen werden kann und die Permanenz in Google so eine unverhältnismäßige Bedrohung für die Opfer darstellt.

    Wenn es dann auch noch in die Pressearchive schwappt wird es noch unappetittlicher.

    Ich will die Meinungsfreiheit auch gewahrt wissen und eine wirksame Verteidigung gegen die neue „Meinungsfreiheit“ wie sie der Geldadel und deren „Bedenkenträger mit Rechtspflegetitel“ verstehen haben. Ich will aber definitiv kein Niederknüppeln und nachträgliches Rechtfertigen über da „Guck, das sind doch Schweine!“ wie es Dein Linkhinweis darstellt. Zumal auch hier keine klaren Beweise vorliegen sondern allenfalls Indizien, dass der Verein lediglich eine fragwürdige faule Westenwaschanlage ist.

  • […] Die Story um den Transparenz-Verein nimmt kein Ende. Die etablierten Medien sind wieder auf den Zug aufgesprungen und haben ihre Meinungen dazu kund getan. Im Lager der Blogger kommt es immer mehr zu Diskussionen über den Verlauf der Kampagne. Transparancy International soll sich inzwischen selbst mit einer Pressemitteilung zu Wort gemeldet haben. […]

  • […] – blogger finden, es hat sich genug durchsichtigkeit in der undurchsichtigen transparency sache gebildet- fern ab von ursache – und fast nur noch symptomsbezug senden die marketing blogger rosen TULPEN zur grabtragung der hochgelinkten “affäre”. […]